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„Schutzvorrichtungen fehlen“ : Drogenhilfe beklagt „unhaltbare Zustände“

Hilfsbedürftig: Junkie vor einer Einrichtung der Frankfurter Drogenhilfe Bild: dpa

Während Supermärkte ihre Mitarbeiter mit Plexiglasscheiben vor dem Coronavirus schützen, vermisst die Drogenhilfe in Frankfurt solche Vorkehrungen in ihren Einrichtungen. Aber nicht nur deshalb richtet sie einen Hilferuf an die Stadt.

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          In einem offenen Brief kritisieren Angestellte der Offenen Drogenhilfe mit deutlichen Worten die derzeitige Situation im Bahnhofsviertel und die Untätigkeit der Zuständigen. „Wir wenden uns an Sie, weil in der jetzigen Corona-Krise die Zustände im Bahnhofsviertel für die Beschäftigten und die Nutzer der dortigen Drogenhilfe-Einrichtungen unhaltbar sind“, schreiben die Verfasser. Sie fordern, dass „diese Zustände sofort abgestellt werden“ müssten, wenn die Ausbreitung des Coronavirus verzögert werden solle. Angesprochen werden neben dem Gesundheitsdezernenten auch die Leiter von Gesundheitsamt und Drogenreferat sowie Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Verfasser schildern unter anderem, dass sich immer noch regelmäßig bis zu 50Personen vor dem Konsumraum an der Niddastraße aufhielten, von der Polizei aufgestellte Absperrgitter seien nutzlos, ebenso deren Aufforderungen per Lautsprecher, Abstand zu halten. An der Spritzenabgabe fehlten Plexiglasvorrichtungen, Schutzausrüstung für den Fall, dass ein Abhängiger wegen einer Überdosis beatmet werden müsse, gebe es auch nicht. „Auch unter den Kollegen selbst ist es unmöglich, den empfohlenen Abstand einzuhalten“, heißt es weiter. Dass das Angebot an Konsumplätzen wegen der Infektionsgefahr verringert worden sei, mache sich auf der Straße bemerkbar. Als der erste Corona-Verdachtsfall in der Übernachtungseinrichtung „Eastside“ bekannt worden sei, habe es von der Geschäftsführung der Offenen Drogenhilfe geheißen, dass das Gesundheitsamt keine Maßnahmen für notwendig erachte. „Ab diesem Zeitpunkt war das Vertrauen in Gesundheitsamt und Arbeitgeberin bei einigen Kollegen – gelinde gesagt – stark angeschlagen“, heißt es in dem Brief. Alle Angestellten hätten über Jahre in Abgründe geblickt. „Aber mit anzusehen, wie die, die noch nie auf der Sonnenseite des Lebens standen, sich selbst überlassen werden und deshalb – bei weiterer Tatenlosigkeit der politisch Verantwortlichen – auf der Straße sterben werden, bringt viele von uns an den Rand der psychischen Belastbarkeit.“

          Er sei sich der „ungeheuren Belastungen“ der Mitarbeiter sehr bewusst, äußerte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen). Man arbeite mit Hochdruck an alternativen Angeboten, zudem seien Schutzmasken ausgeteilt worden. „Auch wenn dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, bemühen wir uns, möglichst schnelle, flexible und pragmatische Hilfen zu finden und die Probleme systematisch und abgestimmt anzugehen.“

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