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City-Triathlon : Am Ziel fließen die Freudentränen

  • -Aktualisiert am

Wasserschlacht: Die ersten Schwimmer im Langener Waldsee Bild: Lakuntza, Nerea

Für die Teilnehmer des City-Triathlons beginnt der Tag in aller Frühe. Bis zum Ziel an der Frankfurter Hauptwache ist es ein langer Weg, der nur von wenigen Zuschauern begleitet wird.

          3 Min.

          Das ist kein Tag für Langschläfer. Zumindest nicht dann, wenn sie beim elften Frankfurter City-Triathlon zeigen wollen, zu welchen Leistungen sie fähig sind. Denn wer an der anspruchsvollsten unter den vier Kategorien des Wettkampfes teilnehmen will, der sogenannten Mitteldistanz, der muss früh aufstehen: Der Parkplatz am Langener Waldsee wird an diesem Sonntagmorgen jedenfalls schon um 5 Uhr in der Früh geöffnet.

          Unterstützung aus Norddeutschland

          Die eifrigsten der Sportler sind zu diesem Zeitpunkt bereits eingetroffen. Manche sind auf ihren Fahrrädern gekommen, andere, die von weiter her anreisen mussten, haben Fahrgemeinschaften gebildet. Von den insgesamt knapp 2500 Anmeldungen für den City-Triathlon entfielen allein auf die Mitteldistanz etwa 1000 Athleten. Vor diesen liegen nun erst zwei Kilometer Schwimmen, dann 80 Kilometer Radfahren und schließlich 20 Kilometer Laufen. Nach und nach versammeln sie sich am See zur ersten Etappe ihres Wettkampfes. Zuschauer sind – anders als früher – nicht gekommen, sie müssen dem Auftakt des Wettbewerbs wegen der Pandemie fernbleiben.

          Weit vor Sonnenaufgang, lange bevor die ersten Athleten eintreffen, haben die Frankfurter Wasserwacht und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit Kanus und Rettungsbooten am Ufer Stellung bezogen. Etwas später treffen die Rettungswagen der Johanniter ein. „Die ersten Kollegen sind schon um Viertel vor vier angekommen“, berichtet Einsatzleiter Philip Arnold von der Wasserwacht. Etwa 50 Lebensretter stehen bereit, um den See für die Schwimmer abzusichern. Knapp die Hälfte von ihnen kommt aus Norddeutschland. Alleine hätten die hessischen Sektionen der Wasserwacht und des DLRG den Personalbedarf für den Triathlon „nicht stemmen“ können, sagt Arnold.

          Für ihn ist es schon der zehnte Einsatz beim City-Triathlon – und der erste als Einsatzleiter. „Ich habe heute Nacht sehr schlecht geschlafen“, gibt er zu, wegen der vielen Unwägbarkeiten die eine solche Großveranstaltung nun einmal mit sich bringe. Aber seine Sorge ist unbegründet. Der Schwimmwettbewerb geht ohne Schwierigkeiten über die Bühne. Nur eines der Boote fällt wegen eines Ölverlusts aus, aber ein Ersatzboot ist schnell beschafft.

          Um Punkt sechs Uhr ergreift dann Joachim Seelhof, unter den langjährigen Teilnehmern des Triathlon besser bekannt als DJ Bob, das Wort: „Wir zählen zum Schluss auch die Badekappen“, ruft er gut gelaunt ins Mikrofon. Jürgen Kleinkauf vom DLRG-Langen ergänzt: „Und wir hoffen, dass kein Fahrrad übrig bleibt.“ Dann werden Klassiker der Rockgeschichte gespielt. Unter den Athleten, die auf der Wiese den Startschuss erwarten, sind auch Ergün Uymaz und Jessica Bieske. Die beiden Sportsfreunde sind aus Koblenz angereist. „Für uns ist das die erste Mitteldistanz“, berichtet die junge Frau. „Am Ziel werden bestimmt Tränen fließen“, meint Uymaz. „Freudentränen“, ergänzt Bieske.

          Zwei Kilometer durch den See in 23 Minuten

          Ein wenig später fällt für die ersten 100 Triathleten der Startschuss, danach springen im Fünf-Sekunden-Takt je drei Sportler ins Wasser. Der beste Schwimmer steigt nach gerade einmal 23 Minuten wieder aus dem See. Ihm folgt minutenlang kein anderer. „Maschine!“ und „Wo hast du denn die anderen gelassen?“ wird ihm anerkennend zugerufen. Erst dann kommen nach und nach die übrigen Athleten ans Ufer, laufen hoch zu den Umkleidekabinen, holen ihre Fahrräder und sprinten schließlich über die Bundesstraße 44 in Richtung Mainmetropole.

          Am Frankfurter Untermainkai warten Pia und Axel Godoy auf ihren 22 Jahre alten Sohn Matthias. Der studiert in Wien und hat anderthalb Jahre lang für diesen Tag trainiert, wie die Eltern stolz berichten. Sie sind am Morgen aus Bonn gekommen. „Für den ersten Triathlon vom Kindchen macht man das eben“, sagt Pia Godoy, lacht und feuert dann mit ihren überdimensionalen Papphandschuhen wieder die vorbeirasenden Radfahrer an.

          Bis zum Mittag hat sich auch der Platz an der Hauptwache gefüllt. Für viele Sportler ist der Triathlon zu diesem Zeitpunkt schon beendet. Sie stehen im Zielbereich, unterhalten sich mit Freunden und Bekannten und versorgen ihre ausgelaugten Körper mit Vitaminen und Nährstoffen.

          Handstand im Ziel

          An der Zielgeraden steht auch Sportdezernent Markus Frank (CDU). Gemeinsam mit Annette Albers, der Geschäftsführerin von Eventpower, dem Veranstalter des City-Triathlons, begrüßt er die noch immer einlaufenden Athleten. „Das ist ein großartiger Erfolg für die Sportstadt Frankfurt“, sagt der Stadtrat begeistert. Einen durch die Veranstaltung bedingten Anstieg der Infektionszahlen erwarte er nicht, fügt er noch hinzu. Schließlich habe das Sicherheitskonzept gut funktioniert, und die Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Pandemie zeigten ja Wirkung. „Ich bin zuversichtlich“, sagt Frank, während ein frisch eingelaufener Triathlet noch schnell einen Handstand für das begeisterte Publikum hinlegt.

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