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Christliches Hilfswerk : „Wir nehmen die Kinder an die Hand und gehen mit ihnen den Weg“

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Mehr als nur ein Job: Arche-Mitarbeiterin Rebecca Zelewske spielt mit drei Grundschülern. Bild: Wolfgang Eilmes

Das christliche Hilfswerk „Die Arche“ bietet Kindern und Jugendlichen in Griesheim und in der Nordweststadt eine Perspektive - und diese wird dankend angenommen.

          Im Speisesaal ist es laut. Daniel Schröder stört das nicht, er ist es gewohnt. Immer wieder rennen Kinder auf den stellvertretenden Leiter der Arche zu, wollen ihm etwas erzählen oder ihn einfach nur begrüßen. Sie scheinen zu wissen, was sie ihm verdanken. An der Kiefernstraße, zwischen den schmucklosen Wohnblöcken Griesheims, liegt die Berthold-Otto-Grundschule, dort versorgt die Arche täglich von 7.30 Uhr an etwa 90 Kinder mit Frühstück und etwa 120 Kinder mit Mittagessen.

          Von einer Sintflut sind diese Kinder nicht bedroht, jedoch gelten sie als „armutsgefährdet“, wie es das Jugend- und Sozialamt nennt. Im Frankfurter Sozialbericht von 2014 wird etwa ein Drittel der Frankfurter Familien als armutsgefährdet eingestuft. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, wenn die Eltern einen Migrationshintergrund haben, alleinerziehend oder arbeitslos sind. Den Kindern dieser armutsgefährdeten Familien möchte die Arche eine bessere Zukunft ermöglichen. Die Eltern müssen für das Angebot nichts bezahlen, sie müssen ihre Kinder nur anmelden, diese bekommen dann einen Ausweis und können die Arche jederzeit besuchen. Um sie kümmern sich etwa 30 Mitarbeiter in den beiden Arche-Standorten Griesheim und Nordweststadt. Dabei sind sie mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert.

          „Sie klammern sich an jeden Strohhalm“

          So haben viele der Kinder nie ein echtes Familienleben erfahren: „Oft ersetzt der Fernseher die Kommunikation, man redet nicht mehr, man hört nicht mehr zu. Viele Familien haben nicht einmal mehr einen Tisch“, erläutert Schröder. Wenn die Kinder teilweise ab 5 Uhr morgens vor dem Fernseher oder Smartphone sitzen, lernten sie nicht, normal zu spielen. Stattdessen müssten sie überleben und sich um Dinge kümmern, die an sich zu den Aufgaben der Eltern gehören. Nun holten sie diese für die Entwicklung wichtige Zeit in der Arche nach, sagt Schröder mit Blick auf Spielsachen, für die manche Kinder eigentlich schon etwas alt seien.

          Viele Kinder gingen nach Unterrichtsende in der Berthold-Otto-Schule nicht nach Hause, sondern blieben in der Arche oder draußen auf der Straße. Die Wohnungen seien oft zu eng, die Eltern stritten viel oder kümmerten sich nicht genug um ihre Kinder. Zuneigung bekämen sie oft nur in der Arche, sowohl von den anderen Kindern als auch von den Betreuern, sagt Schröder.

          Viele Kinder seien distanzlos und liefen nahezu jedem hinterher, der ihnen etwas Aufmerksamkeit geschenkt habe. „Sie klammern sich an jeden Strohhalm“, sagt Schröder und warnt vor negativen Folgen. Jungen liefen im Jugendalter Gefahr, auf die kriminelle Bahn zu geraten, wenn sie etwa von jungen Dealern aus der Umgebung Anerkennung erhielten. Einige Mädchen böten Sex gegen Aufmerksamkeit, manche würden ungewollt schwanger und von den Männern verlassen. Wenn sie ihre Kinder nicht erziehen könnten, gerieten diese in den gleichen Sog der Chancenlosigkeit, in dem auch ihre jungen und unerfahrenen Eltern steckten. Ein Teufelskreis.

          Dieser „Armut an Perspektive“, wie Schröder es nennt, möchte die Arche entgegentreten. Bei den Jüngeren vor allem durch regelmäßiges gesundes Essen, Spielen, Lernen und Freundschaft. Bei den Älteren durch die Hilfe, eine Ausbildung zu beginnen, Geld zu verdienen und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Viele allerdings hätten keine Vorstellung, welche Berufe es überhaupt gibt oder wie man sie ergreift, und wüssten daher auch zunächst nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen.

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