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Carolin Emcke im Gespräch : „Schluss mit Toleranz“

Gedankenschwer: Andersartigkeit werde dämonisiert, sagt Emcke Bild: dpa

Im Jüdischen Museum Frankfurt hat Carolin Emcke mit Michel Friedman über Toleranz debattiert. Die oft eingeforderte Haltung gegenüber Andersdenkenden kommt bei ihr nicht gut weg.

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          Sie hat zugesagt, mit Michel Friedman in der Debattenreihe „Denken ohne Geländer“ des Jüdischen Museums über Toleranz zu sprechen. Aber eigentlich ist Carolin Emcke, von Museumsdirektorin Mirjam Wenzel am Montagabend angenehm knapp als Publizistin und Preisträgerin des Friedenspreises vorgestellt, dieser Begriff irgendwie suspekt. Da ist ein Unbehagen über das Asymmetrische des Begriffs: dass eine Seite sich herablässt, eine Abweichung von der Norm zu tolerieren. Und da ist etwas anderes, von dem Emcke glaubt, dass es auch Friedman spüren muss: „Wir beide sind Objekte der Toleranz, weil die Leute sich irre tolerant vorkommen, wenn sie mit uns sprechen.“ Mit ihr als homosexueller Person, mit Friedman als Jude. Der Moderator steigt darauf ein: „Ich wäre gern selbstverständlich“, sagt er. „Dream on“, kommentiert Emcke trocken.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wieder hat das Jüdische Museum zu einem Abend wie diesem geladen, um gesellschaftlichen Debatten eine Bühne zu geben. Das ist im Verständnis vom Wenzel eine der Aufgaben eines modernen Museums. Gerade im Licht der Debatte um die Documenta, die am Rande des Abends gestreift wird, scheint das nötig zu sein. Emcke und Friedman sind sich da einig: Es war korrekt, das Gemälde in Kassel abzuhängen, da es antisemitische Stereotype reproduziert habe.

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