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„Campanile“ darf 210 Meter hoch werden : Bahn möchte Büroturm am Hauptbahnhof mieten

Namensgeber: der Campanile di San Marco in Venedig Bild: REUTERS

Am Frankfurter Hauptbahnhof will die Deutsche Bahn ein 210 Meter hohes Hochhaus errichten lassen. Der „Campanile“ soll Platz für 3000 Mitarbeiter bieten und rund 300 Millionen Euro kosten. Zusätzlich soll dort ein Busbahnhof entstehen.

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          Die Deutsche Bahn plant, 3000 Mitarbeiter des Unternehmens in einen 210 Meter hohen Büroturm zu verlagern, der auf dem sogenannten Khasanagelände südlich des Hauptbahnhofs errichtet werden soll. In den Turm soll oberirdisch ein Busbahnhof integriert werden. Entsprechende Informationen der Römer-Koalition bestätigte der für die Region zuständige Unternehmenssprecher Torsten Sälinger. „Wir sind sehr daran interessiert“, sagte er auf Anfrage und bezeichnete die Lage als „günstigsten Standort“ in der Stadt. Ein Teil der bisher in Frankfurt über 30 Bürostandorte verteilten 10.000 Mitarbeiter sollen in dem Turm zusammengezogen werden. Der Grundstückseigentümer und mögliche Bauherr, die Projektentwicklungsgesellschaft Vivico, teilte mit, derzeit sei man am Beginn der Gespräche. Man hoffe aber, dass sich der Zeitplan „sehr zügig“ entwickle.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das als „Campanile“ bekannte Turmprojekt war im aktuellen Hochhausrahmenplan, der in zwei Wochen von den Stadtverordneten beschlossen werden soll, auf 100 Meter begrenzt worden. Die Vorsitzenden der Koalitionsfraktionen, Markus Frank (CDU) und Olaf Cunitz (Grüne), gaben jedoch bekannt, dass die maximal zulässige Höhe auf 210 Meter aufgestockt werde. Dies sei Teil des Stadtentwicklungspakets, das sie vorlegten. Die Bahn soll schon im Mai mit ihrem Ansinnen an die Stadt herangetreten sein. Franks Kenntnis nach wolle die Bahn „knapp 300 Millionen Euro“ in das Projekt investieren. Die Stadt knüpfe eine Baugenehmigung jedoch an die Bedingung, dass an dieser Stelle auch ein Busbahnhof entsteht, den die Bahn für mindestens 20 Jahre betreiben soll. Die Integration eines Busbahnhofs in das Gebäude bezeichnete Vivico-Sprecher Wilhelm Brandt als Herausforderung, die aber lösbar sei.

          „Wir haben die Chance zu einem großen Wurf“

          Ein Bebauungsplanverfahren soll erst eingeleitet werden, wenn der Bauherr einen Mietvertrag mit der Deutschen Bahn abgeschlossen hat. Zudem verpflichtet sich der Bauherr, als Ausgleich zu der Bürofläche einen Wohnanteil von 30 Prozent der Bruttogeschossfläche in der Umgebung zu errichten. 360 Wohnungen, darunter 120 Sozialwohnungen, sollen entstehen. Neben dem Turm, so Frank und Cunitz, wolle die Bahn die „DB-Mobilitätswelt“, ein Art Firmenmuseum, errichten. In der oberen Hälfte des Turms sei auch eine öffentliche Nutzung, möglicherweise ein Restaurant oder eine Aussichtsplattform, vorgesehen. Nach den Worten von Cunitz will die Bahn ihren Standort im Gallusviertel, an dem die Mitarbeiter des Personenverkehrs gebündelt sind, aufgeben. Sälinger bestätigte dies nicht. „Wir werden einige Standorte aufgeben“, sagte er. „Die Frage, welche das sind, stellt sich aber noch nicht.“

          Die Realisierung des „Campanile” war in den achtziger Jahren ein fast ideologisches Streitthema (Modell von Architekt Helmut Joos)

          Die Höhe des Turms war bisher vor allem wegen Bedenken der Grünen begrenzt worden. Der damals fast 300 Meter hoch geplante „Campanile“ auf dem Parkplatzgelände südlich des Hauptbahnhofs war in den achtziger Jahren Gegenstand der „Hochhauskämpfe“ zwischen (grünen) Hochhausgegnern und (schwarzen) Hochhausbefürwortern. Die Grünen betrachteten den Campanile als eine Bedrohung des gewachsenen Wohnquartiers Gutleutviertel. Unter anderem weil die erforderliche Zustimmung einer Nachbarin nicht vorlag, wurde der Bau nach dem Wechsel in der Stadtregierung gestoppt. Der Sieg in dem ideologischen Grabenkampf ist ein Mythos in der Parteigeschichte. Die Zustimmung der Anwohnerin ist zwar nach heutigem Baurecht nicht mehr notwendig. Dennoch seien Gespräche geführt worden, teilten Frank und Cunitz mit. Die Dame stehe dem Projekt heute offen gegenüber. Cunitz sagte, man habe in der Höhenentwicklung mit sich reden lassen, „weil es die Bahn war“.

          Der Turm soll ans Nordende des Geländes verlagert werden. Nach Darstellung des Stadtplaners Jochem Jourdan könnte der Busbahnhof in ein südliches Sockelgebäude des Turms integriert werden. Ein Busbahnhof unter der Erde sei nicht sinnvoll, weil die Rampen für Ein- und Ausfahrten viel zu lang würden. Das Projekt „Bahntower“ soll mit dem Wettbewerb um die geplante Neugestaltung der Bahnhofsvorplätze verbunden werden. „Wir haben die Chance zu einem großen Wurf rund um den Hauptbahnhof“, sagte Cunitz. Der Wettbewerb ist ausgeschrieben, acht Planungsteams wurden ausgewählt. Mit einem Ergebnis wird im ersten Quartal des kommenden Jahres gerechnet.

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