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Wahlkampf in Frankfurt : Kontaktpflege im Dauerlauf

Matthias Zimmer geht langsam, aber stetig über den Wochenmarkt. Vor acht Jahren hat er noch zwei Paar Schuhe im Wahlkampf verschlissen, mittlerweile kommt er mit einem hin. Während Strank zuweilen von Haustür zur Haustür joggt und die Treppenhäuser im Stechschritt durchmisst, ist Zimmer im Wahlkampf ungern in Eile. Der erfahrene CDU-Mann trägt Hemd, Pulli, schwarze Jeans und könnte, hielte er einen Korb, ohne Irritation am nächsten Gemüsestand einkaufen gehen. Von Hausbesuchen hält er wenig, sofern es sich nicht um Einfamilienhäuser handelt. „Ich habe ein Problem damit, an einer Wohnungstür zu klingeln“, sagt Zimmer. „Da habe ich schon eine Schwelle überschritten, die mir unangenehm ist.“

Erst klingeln, dann klopfen

Mit solchen Gedanken hält sich Oliver Strank nicht auf. Er muss zum nächsten Sechs-Parteien-Haus in Eschersheim. Als er gerade klingeln will, merkt er, dass in ebenjenes Haus, in das er kurz zuvor nicht eingelassen worden war, eine Anwohnerin zurückkehrt. Flugs läuft er zurück und nutzt die Chance auf Zutritt. Auf dem Gehweg hat er vorher noch eine ältere Passantin angesprochen und mit Werbematerial versorgt. Unter anderem übergibt er ihr einen Kugelschreiber: „Da können Sie gleich Ihr Kreuz bei mir machen.“ Die Dame lächelt und geht weiter.

Auf Stimmenfang: Der Frankfurter CDU-Bundestagskandidat Matthias Zimmer im Gespräch mit einem potentiellen Wähler auf dem Höchster Wochenmarkt.

Im Haus klingelt Strank immer zuerst an den Wohnungstüren. Wenn das nicht hilft, klopft er. Lang, kurz, kurz. Öffnet niemand, hängt er einen Zettel mit Informationen an die Klinge; das Teil sieht aus wie ein „Nicht stören“-Schild im Hotel. Eben will er wieder ins Erdgeschoss eilen, da kehrt eine Frau vom Einkaufen zurück. Sie trägt eine Waschmittel-Flasche. „Guten Tag, ich heiße Oliver Strank. Ich würde Sie gerne im Bundestag vertreten“, sagt der Jurist, der wie Zimmer promoviert ist und den Doktortitel, anders als Zimmer, auf die Wahlplakate geschrieben hat. Die Frau sagt: „Wir kennen uns schon.“ Strank schaut verblüfft, dann fällt es ihm ein. Vor ein paar Tagen erst ist er ihr begegnet, als er am Haus ihrer Schwester um Erststimmen warb. Die Frau findet es gut, dass sich der Kandidat vorstellt und sich Mühe gibt. „Er kommt auf mich zu“, findet sie. CDU-Mann Zimmer dagegen hat sie nach eigenen Worten noch nie im Viertel gesehen.

Zimmer hat allerdings auch keine Agentur, die ihm hilft. Strank berichtet, er habe von Profis analysieren lassen, wo es sich besonders lohne, Zeit an Türen zu verbringen, dort nämlich, wo es am einfachsten möglich ist, SPD-Anhänger zu mobilisieren. Als Zimmer davon hört, murmelt er: „Der muss ja Geld haben.“

Auf dem Höchster Wochenmarkt hat Zimmer derweil auch ein paar nette Leute getroffen. Einer grüßt ihn sogar mit „Hallo, Herr Zimmer“, ein anderer ist sehr freundlich, lehnt den Werbeflyer aber mit den Worten ab: „Ich bin Genosse.“ Und eine ältere Dame berichtet, dass sie neulich so einen smarten jungen Mann von der SPD getroffen habe, der ebenfalls ihre Stimme gewollt habe. Da sagt Zimmer: „Ich hoff’ ja mal, die Wahl ist kein Schönheitswettbewerb.“

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