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CDU-Abgeordneter Zimmer : „In Mithaftung genommen für die Merkel-Ära“

Öffentlichkeitswirksam: Als Bundestagsabgeordnetem ist Matthias Zimmer die Aufmerksamkeit sicher. Wie wird es ohne Mandat sein? Bild: Imago

Matthias Zimmer saß zwölf Jahre als Abgeordneter der CDU im Bundestag. Am Samstag wurde er nicht wieder aufgestellt. Der Politikwissenschaftler spricht über seine Enttäuschung, die „konzertierte Aktion“ seiner Gegner – und mangelnde Unterstützung aus der Frankfurter Parteiführung.

          2 Min.

          Sie sind bei der Wahlkreisdelegiertenversammlung der CDU nach zwölf Jahren nicht wieder aufgestellt worden. Wie geht es Ihnen?

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das war eine Enttäuschung am Samstag. Aber es geht mir im Großen und Ganzen gut. Solche Mandate sind keine Erbhöfe, sondern sie müssen immer wieder gewonnen werden.

          Wie sicher waren Sie sich, die Abstimmung zu gewinnen? Im Laufe der Debatte sind Sie hart angegangen worden.

          Ich habe mich einer sehr konzertierten Aktion gegenüber gesehen, von der ich nicht wusste, was sie bewirken würde. Dass ich am Ende des Tages eine Niederlage einstecke, habe ich aber so nicht vermutet.

          Was meinen Sie mit „konzertierter Aktion“?

          Die Wortmeldungen waren untereinander abgesprochen und gingen teilweise sehr ins Persönliche hinein.

          Wissen war nie wertvoller

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          Sie haben darauf am Rednerpult reagieren müssen und waren sichtlich angefressen. Was ging Ihnen durch den Kopf?

          Mir ging zunächst einmal ein Bedauern durch den Kopf. Keiner, der sich von der Mittelstandsvereinigung vorher für meine Kandidatur ausgesprochen hat, hat sich an der Debatte beteiligt. Das empfand ich als sehr bitter. Bei den vorherigen Aufstellungen war das anders gelaufen. Die Aggressivität, mit der ich da angegangen worden bin, hat mich schon sehr verblüfft.

          Die Wahlkreisdelegiertenwahl in der Wolfgang-Steubing-Halle
          Die Wahlkreisdelegiertenwahl in der Wolfgang-Steubing-Halle : Bild: Martin Benninghoff

          Was sind die Gründe für Ihr Scheitern?

          Ich glaube, es sind zwei Gründe. Zum einen die Wahl des CDU-Bundesvorsitzenden. Gerade in Frankfurt sind viele enttäuscht, die sich Friedrich Merz gewünscht haben. Zudem werde ich in Mithaftung genommen für die Merkel-Ära – und das völlig zu Recht! Die Kritiker behaupten, in dieser Zeit sei „CDU pur“ verlorengegangen. Ich habe denen immer wieder geantwortet: „CDU pur“ – das bekommt man nur in der Opposition.

          Haben Sie sich persönlich etwas vorzuwerfen?

          Schwierige Frage. Mir war schon immer klar, dass es in Teilen meines Wahlkreises eine deutliche Stimmung gegen die Regierung von Frau Merkel gibt. Und dass es dort den Wunsch gibt, die CDU deutlich konservativer und wirtschaftsliberaler aufzustellen. Das ist ein Wunsch, den ich nicht erfüllen kann. Für eine Volkspartei der Mitte ist das nicht zielführend.

          Der CDU-Vorsitzende Jan Schneider saß vorne im Präsidium. Hat die Frankfurter CDU-Führung Sie ausreichend gestützt?

          Er konnte in seiner Rolle im Präsidium nicht aktiv in die ganze Debatte eingreifen. Aber in der Tat, ich hätte mir da schon mehr Unterstützung gewünscht.

          Vor der Versammlung war viel von „Fairness“ die Rede. Ihr Mitbewerber Martin Heipertz ist zum Rednerpult gegangen und hat die Delegierten zur Stichwahl aufgefordert, Axel Kaufmann und nicht Sie zu wählen. War das fair?

          Das hat mich nicht überrascht. Auch seine Posts, in denen er sich gefreut hat, dass der Zimmer endlich abgewählt ist, haben mich nicht überrascht. Mit solchen Parteifreunden muss ich leben.

          Der Ton innerhalb der CDU ist ungewohnt rau geworden. Sie haben angemahnt, sich von rechts abzugrenzen. Sehen Sie die Gefahr einer Zerreißprobe? Kippen Teile der CDU zu sehr nach rechts?

          Ja, die Gefahr sehe ich. Ich hatte immer die feste Überzeugung, dass „konservativ“ Maß und Mitte bedeutet und eine gewisse Zivilisierung im zwischenmenschlichen Verhalten nach sich zieht. Es gibt selbst ernannte Konservative, die dieses Leitbild aufbrechen – das erstaunt mich zusehends.

          Wie geht es für Sie persönlich und Ihre Mitarbeiter weiter?

          Jetzt werde ich mich erst einmal darum kümmern müssen, dass meine Mitarbeiter vernünftige Anschlussbeschäftigungen bekommen. Was mich und meine beruflichen Pläne angeht, habe ich keine besondere Eile. Nur eines ist sicher: Meinen Mund werde ich nicht halten! Ich werde mich weiter sehr dezidiert für christlich-soziale Positionen in der CDU einsetzen. Jetzt erst recht.

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