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Faktencheck zur Rennbahn : Pferde statt Beton?

Die Luftaufnahme zeigt das Areal der Rennbahn mit dem Golf Club im Inneren, links sind die Tribüne und der Hotelneubau zu erkennen. Bild: Sascha Rheker / VISUM

Im Wahlkampf warfen Rennclub und Stadt Frankfurt mit Zahlen und Sprüchen um sich. Von geschenkten Millionen und ungeprüften Alternativen war die Rede. Doch was davon stimmt? Ein Faktencheck.

          7 Min.

          Behauptung 1: „Die Stadt macht dem DFB ein 84-Millionen-Euro-Geschenk auf Steuerzahlerkosten.“

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist falsch. Wer sich die Zahlen der Rennbahn-Befürworter anschaut, stellt fest, dass mindestens drei der vier Beträge, die sich zu jenen 84 Millionen Euro addieren sollen, nicht einmal ansatzweise haltbar sind. Das größte „Geschenk“ soll demnach aus 48 Millionen Euro an „Erbpacht-Subvention“ bestehen. Die Rennbahn-Unterstützer behaupten, dass die 46 Euro je Quadratmeter, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für das 15 Hektar große Grundstück für eine 99 Jahre lange Nutzung zu entrichten hat, viel zu wenig seien.

          Grundlage der Argumentation ist, dass der DFB auf dem Areal nicht nur Trainingsflächen, sondern auch Gebäude errichten will. Für deren Flächen legen die Galoppsport-Befürworter aber nicht jene 46 Euro, sondern rund 850 Euro je Quadratmeter zugrunde. Sie führen an, dass der Investor eines Hotels neben der Rennbahn 2006 ähnlich viel habe zahlen müssen. Der Argumentation kann sich aber nur anschließen, wer davon ausgeht, dass der DFB mit den Gebäuden, in denen ein Fanshop, ein Café, ein Pressezentrum, ein Athletenhaus, eine Fußballhalle, Tagungs- und Besprechungsräume, Fitnessräume, vier Tochtergesellschaften und die Verwaltung unterkommen sollen, ebenso ausschließlich kommerzielle Zwecke verfolgt wie der Hotelbetreiber. Der Satzung nach ist der DFB jedoch ein vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannter Verein.

          Der offizielle Bodenrichtwert für eine Sonderfläche Sport, als die das gesamte Areal ausgewiesen ist, beträgt nur 50 Euro je Quadratmeter. Weil sich der DFB verpflichtet hat, alle Gebäude bis auf die Tribüne auf eigene Kosten abzureißen, gewährt ihm die Stadt einen Nachlass von vier Euro je Quadratmeter. So ergeben sich jene 46 Euro.

          Plakativ: Die Rennbahn-Initiative warb mit grellen Plakaten und markigen Sprüchen um Zustimmung. Dafür wurde sie teils heftig kritisiert. Bilderstrecke

          Den zweitgrößten Anteil an der Summe von 84 Millionen Euro bilden 25 Millionen Euro für eine „Wertvernichtung Rennbahn“. Davon kann keine Rede sein. Denn zum einen ist die Rennbahn abgeschrieben und stellt keinen Vermögenswert mehr in der städtischen Bilanz dar. Zum anderen will die Stadt ausdrücklich keine neue Rennbahn an einem anderen Standort bauen, weshalb auch keine Kosten entstehen. Realistisch hingegen erscheint die Schätzung der Galoppsport-Freunde, dass der Neubau einer Rennbahn ähnlicher Art und Güte anderswo 25 Millionen Euro kosten mag.

          Als dritte Zahl führen die Rennbahn-Freunde auf ihren Plakaten zehn Millionen Euro an Pächter-Abfindungen an. Das ist deutlich zu hoch. Zu den knapp drei Millionen Euro für den Pächter, die Hippodrom GmbH, werden sich maximal 1,5 Millionen Euro für den Golf Club ergeben. Als vierte Zahl schließlich taucht eine Million Euro für den „Rennbahn-Abriss“ auf. Auch diese Zahl ist vermutlich zu hoch, kommt den tatsächlichen Kosten aber relativ nah.

          Behauptung 2: „Von den 6,8 Millionen Euro, die der DFB als kapitalisierte Erbpacht zahlt, bleibt dem Steuerzahler nicht viel.“

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