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Bruno-H.-Schubert-Preis : Zum Wohl der Wale und Nashörner

  • -Aktualisiert am

Dank per Video: Der erkrankte Hauptpreisträger Alexei Yablokow konnte nicht nach Frankfurt kommen. Bild: von Lachner, Maximilian

In bescheidenerem Rahmen als früher wurde gestern der 27. Bruno-H.-Schubert-Preis verliehen. Einst tobte um die Ehrung ein erbitterter Rechtsstreit.

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          Im Kleinen Saal des Zoo-Gesellschaftshauses sind gestern Abend Forscher und Initiativen auf dem Gebiet des Natur- und Umweltschutzes mit dem Bruno-H.-Schubert-Preis gewürdigt worden. Den mit 30000 Euro dotierten ersten Preis erhielt der russische Biologe und Umweltpolitiker Alexei Yablokow. Er wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet; unter anderem engagierte er sich für den Schutz von Walen und sorgte mit seinen Veröffentlichungen zu den Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl für Aufsehen. Wegen einer schweren Erkrankung konnte er nur eine Videobotschaft übermitteln. Der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, Zoodirektor Manfred Niekisch, würdigte Yablokow in seiner Laudatio als „brillanten Wissenschaftler“ und „Begründer und Anführer der Umweltbewegung in der Sowjetunion“.

          15000 Euro erhielten die Eheleute Ed Sayer und Claire Lewis, die sich seit Jahren im North Luangwa Nationalpark in Sambia dem Schutz der dort lebenden Nashörner und Elefanten widmen. Die gleiche Summe ging an den Peruaner Pedro Gamboa Moquillaza. Er setzt sich für die Ausweitung der Schutzgebiete in seinem Land ein. 2500 Euro erhielt die Frankfurter Studenteninitiative „Papier Pilz“, 3500 Euro die Grundschule Treuchtlingen.

          Eine Stiftung für den Naturschutz

          Vor wenigen Jahren hatte die Stiftung den Preis noch in deutlich festlicherem Ambiente verliehen: im Kaisersaal des Römers. Damals lebte noch der Stifter, der einstige Besitzer der Henninger-Brauerei, Bruno H. Schubert. Doch infolge des Erbschaftsstreits, der nach Schuberts Tod zwischen seiner Witwe Meharit und der Stiftung entbrannte, fällt die Ehrung heute bescheidener aus.

          Mit der Stiftung wollte Schubert den Naturschutz fördern, der ihm eine Herzensangelegenheit war. Freunde aus seinem Umfeld beklagen noch heute, dass dieses Interesse jäh endete, als er seine 64 Jahre jüngere Frau kennenlernte. Nach der Heirat starb Schubert im Oktober 2010 mit 90 Jahren. Noch immer läuft ein Todesermittlungsverfahren, da die Umstände von Schuberts Tod bisher nicht vollständig geklärt werden konnten. So bestand der Verdacht, dass Schubert, der zuletzt bettlägerig war, absichtlich nicht richtig versorgt wurde und dann verdurstete. Die Ermittlungen richteten sich auch gegen seine Frau.

          Den Streit um das Erbe hat dagegen vor drei Jahren der Bundesgerichtshof entschieden. Eigentlich hatte Schubert mit seiner ersten Gattin Inge beschlossen, nach dem Tod das gesamte Vermögen der Stiftung zukommen zu lassen. Doch als Inge Schubert starb und der einstige „Bierkönig“ seine spätere Frau Meharit kennenlernte, wollte er davon offenbar nichts mehr wissen. Der Frankfurter Ehrenbürger und Lebemann versuchte vor Gericht, zwei Notvorstände für die Stiftung zu bestellen, obwohl sein Sohn Hanns Peter Nerger im Vorstand saß. Dieser warf der neuen Frau seines Vaters schon damals vor, an das Vermögen Schuberts und seiner Stiftung gelangen zu wollen.

          Preisgeld und Veranstaltungsbudget aus Schuberts Privatvermögen aufgestockt

          Auch andere Weggefährten äußerten den Verdacht, Schubert werde systematisch von seinem Umfeld abgeschirmt. Seine über Jahrzehnte regelmäßig ausgerichteten Mittagsgesellschaften in seinem Haus in Sachsenhausen fielen aus, gesundheitlich ging es Schubert zusehends schlechter. 2010 blieb er der Verleihung des von ihm gestifteten Preises erstmals fern. Über einen Notar machte er seine zweite Frau zur Alleinerbin und revidierte das erste Testament. Dann starb Schubert.

          Zu diesem Zeitpunkt vergab die Stiftung den Preis nur noch alle zwei Jahre und nicht mehr jährlich. Lange hatte Schubert selbst Preisgeld und Veranstaltungsbudget aus seinem Privatvermögen aufgestockt, diese Mittel fehlten nun. Die Stiftung zog bis vor den Bundesgerichtshof, um das Alleinerbe aus Schuberts erstem Testament durchzusetzen. Der Nachlasspfleger fand heraus, dass der Mäzen sein Geld zum Teil im Ausland untergebracht hatte. Das Geflecht war verwirrend. Das Bild einer eigenwilligen, aber letztlich doch honorigen Persönlichkeit bekam Kratzer. Sogar Forderungen nach einer posthumen Aberkennung seiner Ehrenbürgerschaft wurden laut. Diese Rufe sind mittlerweile verklungen.

          Die Bruno-H.-Schubert-Stiftung muss heute mit ihrem ursprünglichen Stiftungskapital haushalten und wirbt zudem Spenden ein. „Bruno H. Schubert hat den Grundstock gelegt und die Stiftung groß gemacht“, sagte Manfred Niekisch. „Es ist schade, dass sein Wirken im Nachhinein in einem etwas anderen Licht gesehen wird.“ Inwieweit Meharit Schubert mit dem Erbe glücklich wurde, ist nicht bekannt. Der Verstorbene hatte einen kostspieligen Lebensstil, nach seinem Tod forderten Finanzbehörden und Gläubiger Millionen. Es ist unklar, wie viel das Erbe noch wert war.

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