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Bruno H. Schubert : Porträt eines Menschenfreundes

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Er hat am Freitag im Limpurg-Saal des Römer den hohen Ton angeschlagen, der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher. "Frankfurt - welch ein Ehrenbürger, welch ein Autor." Genschers Lob galt seinen beiden Freunden BrunoH.

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          Er hat am Freitag im Limpurg-Saal des Römer den hohen Ton angeschlagen, der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher. "Frankfurt - welch ein Ehrenbürger, welch ein Autor." Genschers Lob galt seinen beiden Freunden Bruno H. Schubert und Hilmar Hoffmann. Der Anlaß seines Kommens war ein Buch mit dem Titel "Der Ehrenbürger" und dem Untertitel "Aus dem Leben des Mäzens BrunoH. Schubert", verfaßt vom früheren Kulturdezernenten und Goethe-Instituts-Präsidenten Hoffmann, herausgegeben vom Societätsverlag.

          Genscher hat das nicht einfach nur so dahergesagt. Der Bundesminister im Ruhestand weiß, wovon er spricht, hat er doch viele Jahre lang seinen Urlaub als Gast Schuberts und dessen Frau Inge auf deren Gut Bogensberglehen in Strub bei Berchtesgaden verbracht. Dorthin, ins Feriendomizil von "Bruno, dem Menschenfreund" hat es übrigens auch drei Bundespräsidenten häufig gezogen: Gustav Heinemann, Walter Scheel und Roman Herzog - was zeigt, daß für den früheren Henninger-Chef nicht Parteifarben zählen, sondern interessante Persönlichkeiten. Man kann es in einem Satz ausdrücken, den Schubert anstelle einer langen Dankesrede an seine Gäste und seine Laudatoren richtete: "Ich liebe die Menschen."

          Als einen unvergleichbaren Citoyen hat ihn am Freitag Oberbürgermeisterin Petra Roth bezeichnet, als einen Bürger also, der das Wohl der Bürgerschaft allzeit im Auge hat. Wie Schubert dies ein Leben lang getan hat, schildert Hoffmann auf 240 Seiten, wobei er nicht nur den neben Helmut Kohl einzig noch lebenden Ehrenbürger Frankfurts aus allen denkbaren Perspektiven beleuchtet, sondern auch die Zeitläufte, in die Schubert hineingeboren wurde und die er in seinem Rahmen mitgestaltet hat. Man merkt es dem Buch an, daß Hoffmann es, wie Roland Gerschermann, Geschäftsführer des Societäts-Verlags, sagte, mit "Herzblut" geschrieben hat. Genscher sprach von einem "großen Wurf" und ernannte den Autor gleich noch zum Erfinder eines neuen literarisches Genres, des "Spiegelreflex-Porträts".

          Wie es sich für einen Biographen gehört, stellt Hoffmann alle sichtbaren Seiten Schuberts dar. Die des erfolgreichen Unternehmers, der Henninger zu einer Weltmarke gemacht hat; die des Mäzens, der beispielsweise mit dem Bruno-H.-Schubert-Preis einen der höchstdotierten Umweltschutzpreise Europas gestiftet hat; vor allem aber die des Gastgebers, der so viele Menschen - berühmte und weniger berühmte, aber auf alle Fälle immer bemerkenswerte - in seinem Haus am Wendelsweg zusammengebracht hat, wie sonst niemand in Frankfurt oder vielleicht sogar in Deutschland. Man kann es etwas boshaft ausdrücken: Wer nicht im Namensregister des Buchs aufgeführt ist, sollte sich ernsthaft Gedanken darüber machen, ob er vielleicht im Leben gescheitert ist. (rieb.)

          Hilmar Hoffmann: Der Ehrenbürger. Societätsverlag, Frankfurt 2003, 24,90 Euro

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