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Kaffeezeit auf dem Radweg : „Die Aktion zaubert allen ein Lächeln ins Gesicht“

  • -Aktualisiert am

Für das Radfahren und für bessere Radwege zu werben ist Ziel der Aktion „Brückenkaffee“. Bild: Helmut Fricke

Immer wieder donnerstags machen Julia Krohmer und ihre Mitstreiter Radfahrern Freude: Auf Brücken in Frankfurt servieren sie ihnen kostenlosen Kaffee und Muffins. Was steckt hinter der Aktion?

          Julia Krohmer erledigt ihre alltäglichen Wege mit dem Fahrrad, seit sie zur Grundschule geht. In den Achtzigern brachte sie der Drahtesel durch Paris, in den Neunzigern durch Berlin. Seit 20 Jahren fährt sie nun auf Frankfurter Straßen. Die Mitinitiatorin der Aktion „Brückenkaffee“ findet schon, dass sich für Fahrradfahrer einiges in der Stadt verbessert habe. Aber es sei auch noch viel zu tun. Mit dem „Brückenkaffee“, der einmal im Monat auf einer Mainbrücke stattfindet, will Krohmer Radfahrern ihre Wertschätzung bekunden: Sie serviert ihnen Kaffee, Gebäck und Obst. Die Idee zirkulierte schon eine Weile in einer Gruppe von 50 bis 60 engagierten Radfahrern auf Twitter. Vorbild ist ein ähnliches Projekt in Ludwigshafen, bei dem einmal im Monat an einer bestimmten Stelle Kaffee und süßes Gebäck an Radfahrer verteilt werden.

          „Ich habe dann zu einer Freundin gesagt, das machen wir jetzt auch mal“, sagt Krohmer. Sie kochten ein paar Kannen Kaffee, backten Muffins und standen im Oktober das erste Mal auf einer Brücke. Mittlerweile beteiligen sich etwa 20 Leute an der Aktion. Darunter sind Alltagsradler, Mütter und Väter, aber auch regelrechte Fahrrad-Freaks. Viele sind Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club und unterstützen den Radentscheid, das Bürgerbegehren für bessere Radwege in Frankfurt. Eine große Planung für den „Brückenkaffee“ gibt es nicht. „Wenn genug Leute Zeit haben, findet es eben statt“, sagt Krohmer. So halte sich der Aufwand in Grenzen. „Außerdem haben wir untereinander immer mindestens genauso viel Spaß wie die Beschenkten.“

          In der ersten Viertelstunde seien die Vorbeifahrenden meist noch etwas misstrauisch. „Wenn dann aber mal zwei oder drei Fahrradfahrer bei uns stehen, stellen sich immer mehr dazu.“ Einige erzählen dann von sich und ihren Erfahrungen als Radler. Andere greifen im Vorbeifahren nach dem Muffin. „Die Aktion zaubert aber allen ein Lächeln ins Gesicht.“ Krohmer schätzt, dass ein Drittel bis die Hälfte der Vorbeifahrenden anhalte. Da der Schauplatz der Aktion jedes Mal wechselt und die Leute nicht Bescheid wissen, haben viele Radfahrer keine Zeit für einen Zwischenstopp. „Da wären ein fester Zeitpunkt und Ort natürlich von Vorteil.“

          Dreht sich alles ums Auto?

          Die 51 Jahre alte Geoökologin hat selbst kaum schlechte Erfahrungen beim Radfahren gemacht. Von ihrem Engagement soll vor allen ihr 14 Jahre alter Sohn profitieren. „Er sollte einen richtigen Fahrradweg haben.“ Immer noch seien die Wege an vielen Straßen unzureichend. Das größte Problem seien aber die Falschparker. „Wir zeigen diese Leute immer wieder an“, sagt Krohmer. „Ob sich dann überhaupt etwas tut, wissen wir nicht.“

          Botschafterin auf zwei Rädern: Julia Krohmer. In Frankfurt, findet sie, habe sich einiges getan – aber es gebe auch noch viel zu verbessern.

          Dass es zu teuer wäre, die Radwege auszubauen, glaubt sie nicht. Vielmehr sieht sie den angeblichen Stillstand als Folge der hiesigen Mentalität: „Wir haben einfach die Tradition in Deutschland, dass sich alles ums Auto dreht.“ Deshalb würden die Fahrradfahrer in Verkehrsberichten auch oft als die Übeltäter dargestellt. „Natürlich gibt es welche, die beispielsweise ohne Licht fahren.“ Trotzdem sehe sie die Schuld auf beiden Seiten. Sie selbst halte sich an die Verkehrsregeln, seit sie regelmäßig mit Autofahrern diskutiere. Doch Krohmer gibt auch zu, dass es Spaß mache, schnell zu fahren und sich zwischen den Wagen hindurchzuschlängeln. Ihrer Meinung nach sollte es aber nicht nötig sein, mit großer Schutzausrüstung zu fahren. „Es wäre schön, wenn es auch ohne gehen würde.“ Viele Menschen stiegen aus Angst gar nicht erst aufs Rad.

          Um das zu ändern und Radlern Mut zu machen, will Krohmer die Aktion „Brückenkaffee“ fortsetzen. „Es ist ein Akzent in einem großen Mosaik der Aktivitäten.“ Weiterhin sollen Radfahrer auf wechselnden Brücken bewirtet werden, entweder morgens oder nachmittags am letzten Donnerstag im Monat. Das nächste Mal werden unter der Deutschherrnbrücke auf der Südseite des Mains von 16 bis 18 Uhr Gebäck und Kaffee verteilt.

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