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Brigitte Palmowsky leitet das Büro der Stadtverordnetenversammlung. Bild: Oliver Sebel

Frankfurter Gesichter : Brigitte Palmowsky füllt eine besondere Rolle aus

Brigitte Palmowsky leitet das Frankfurter Stadtverordnetenbüro. Sie ist die erste Frau in der Position. Wo sie als Erwachsene einmal arbeiten wollte, wusste sie schon mit fünf Jahren.

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          Wer kann schon von sich sagen, bereits im Alter von fünf Jahren gewusst zu haben, wo er einmal arbeiten möchte. Für Brigitte Palmowsky gilt dies. An der Hand der Mutter, die einen Behördengang zu erledigen hatte, lernte sie das Frankfurter Rathaus kennen und entschied: Im Römer, da will ich später tätig sein. Sie habe die Mutter umgehend gebeten, sie dort, wie sie es vom Kindergarten kannte, anzumelden, damit auch sicher ein Platz für sie frei sei, wenn sie so weit wäre.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Anziehung, die das historische Gebäude auf sie hatte – mitten in Frankfurts Innenstadt, wo Palmowsky als Kind lebte –, ist für sie geblieben. Noch heute schwärmt sie von „dieser Würde, dieser Seriosität“, die der Römer für sie ausstrahle. Tatsächlich ging sie nach dem Abitur mit 19 Jahren zur Stadt und ließ sich zur Diplom-Verwaltungswirtin ausbilden. Seitdem hatte sie leitende Positionen in der Stadtkämmerei sowie in den Dezernatsbüros von gleich zwei CDU-Stadträten, Nikolaus Burggraf und Boris Rhein, inne.

          Ruhig, gewissenhaft und strukturiert

          Eine Steigerung, sagt Palmowsky, erfahre dieses Gefühl, das der Römer bei ihr auslöse, wenn sie den Plenarsaal betrete, in dem, wenn nicht eine Pandemie herrscht, monatlich das Stadtparlament zusammenkommt. Da passt es gut, dass Palmowsky heute das Büros der Stadtverordnetenversammlung leitet. Eine Aufgabe, die sie seit 14 Jahren und als erste Frau überhaupt wahrnimmt.

          Wer die Begriffe Stadtverwaltung und Beamter damit verbindet, dass jemand Dienst nach Vorschrift leistet, einem Nine-to-five-Job nachgeht, der kennt die leitende Magistratsdirektorin nicht. Alles wird stets ruhig, extrem gewissenhaft und strukturiert erledigt, gleichgültig, wie lange eine Sitzung im Römer dauert. Dass Palmowsky dennoch nicht spröde wirkt und im Römer sehr geschätzt wird, hat auch damit zu tun, dass sie im passenden Augenblick ins Frankfurterische verfällt.

          Palmowsky versteht sich als Dienstleisterin für die Stadt und deren Bürger. Schließlich sorgt sie mit ihrem Team dafür, dass der parlamentarische Betrieb im Römer, zu dem neben den 93 Stadtverordneten auch die 284 Ortsbeiratsmitglieder gehören, geräusch- und reibungslos funktioniert.

          Wegfall der Fünfprozenthürde beschert immer mehr Arbeit

          Das reformierte Kommunalwahlrecht mit dem Wegfall der Fünfprozenthürde beschert Palmowsky und ihrem Team von Wahl zu Wahl mehr Arbeit. 16 Gruppierungen sind vor einem Jahr in den Römer eingezogen, so viele wie noch nie. Damit steigt auch die Zahl der parlamentarischen Vorlagen, die allesamt das Büro der Stadtverordnetenversammlung durchlaufen. Allein die Zahl der Etatanträge, die derzeit zu beraten sind, liegt mittlerweile bei mehr als 500, gut 140 allein von den Fraktionen der Stadtregierung.

          Typisch für Palmowsky ist, dass sie diese Zahlen parat hat, Entwicklungen beobachtet und präzise belegen kann. Ungewöhnlich ist, dass sie in diesem einen Fall eine politische Meinung vertritt und die Wiedereinführung einer Sperrklausel fordert. Eine Fünfprozenthürde, die werde es nicht mehr geben. Aber eine Klausel, wonach eine Partei mindestens 2,5 Prozent der Wählerstimmen erreichen müsse, „das wäre gut für die Abläufe“, wie sie sagt. Ansonsten legt die Amtsleiterin äußersten Wert darauf, dass das Büro der Stadtverordnetenversammlung neutral ist, alle Gewählten „gleichermaßen versorgt und beraten werden“.

          Ihr Herz, das kurioserweise beim Blick auf den Haushaltsplan der Stadt in Wallung geraten kann – „das ist das schönste Buch, das ich kenne“ –, schlägt vor allem dafür, dass sie Sorge dafür trägt, dass es im Stadtparlament so zugeht, wie es sich ihrer Ansicht nach einer großen und bedeutenden Stadt wie Frankfurt gebührt. Dazu gehöre der respektvolle Umgang der Stadtverordneten miteinander und dass „insgesamt die Würde des Parlaments gewahrt wird – gerade in heutiger Zeit“.

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