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Sieg für den Steuerzahler : Braucht Frankfurt eine solche Halle?

Zukunftsmusik: So könnte die Arena am Kaiserlei aussehen Bild: Ballcom

Über die überraschende Wende in der Debatte um den Bau einer Multifunktionshalle in Frankfurt kann sich der Steuerzahler freuen. Doch braucht die Stadt überhaupt eine solche Halle?

          Die Debatte über den Bau einer Multifunktionshalle in Frankfurt hat in den vergangenen zwei Monaten eine überraschende Wende genommen. Lange Zeit drängte sich Außenstehenden der Eindruck auf, dass die potentiellen Investoren von der Stadt Frankfurt regelrecht zum Jagen getragen werden mussten.

          Erst sollten sie das Baugrundstück am Kaiserlei unentgeltlich erhalten. Nachdem das aufgrund rechtlicher Vorgaben der Europäischen Union glücklicherweise nicht mehr möglich war, forderten sie eine Bürgschaft der öffentlichen Hand für den Betrieb der Halle, der sich andernfalls nicht wirtschaftlich darstellen lasse.

          Verzicht auf Bürgschaft

          Nun, da die kanadische Katz Group mit einem Konkurrenzprodukt am Flughafen vorstellig geworden ist und zudem angekündigt hat, keine öffentlichen Mittel in Anspruch zu nehmen, hat auch der Anbieter Langano sein Kaiserlei-Projekt noch einmal durchkalkuliert, und siehe da, auch dort geht es plötzlich ohne Bürgschaft. Der Steuerzahler darf sich über die Entwicklung freuen, er ist aus dem Spiel. Es ist politisch nicht denkbar, ihn später doch noch in Haftung zu nehmen.

          Dass jetzt zwei Konzepte und Standorte miteinander konkurrieren, heißt noch nicht, dass am Ende tatsächlich ein Projekt verwirklicht wird. Wenn Bau und Betrieb einer Mehrzweckarena sicheren Gewinn versprächen, stünde in Frankfurt längst eine derartige Immobilie. Ähnliche Hallen in anderen deutschen Großstädten haben sich in der Vergangenheit als wenig rentabel erwiesen. Allerdings haben die Investoren dazugelernt, zuletzt häuften sich Berichte, dass ein gewinnbringender Betrieb durchaus möglich sei. Warum nicht auch in der prosperierenden Rhein-Main-Region?

          Bleibt die Frage, ob Frankfurt eine solche Halle, die für die Ausrichtung großer Popkonzerte, Sportereignisse und Kongresse gleichermaßen geeignet ist, tatsächlich braucht. Konzertveranstalter weisen darauf hin, dass die altehrwürdige und wunderschöne Festhalle an der Messe mit ihrem Fassungsvermögen, ihrem eigenwilligen Grundriss und ihrer schwierigen Akustik für manche Künstler nicht in Frage komme, weshalb deren Tourneen an Frankfurt vorbei nach Mannheim oder Köln führten.

          Vielleicht noch wichtiger: die Skyliners (Basketball) und die Löwen (Eishockey) argumentieren, dass ihre Entwicklung durch die begrenzten Möglichkeiten in der Ballsporthalle („Fraport-Arena“) und in der maroden Eissporthalle entscheidend gehemmt werde. Es wäre in der Tat schön, wenn sie dem allmächtigen Fußball mehr Attraktivität entgegensetzen könnten. Sie müssten dann aber auch liefern.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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