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In Zeiten von Corona : Kitas brauchen vernünftige Vorgaben

Nicht mit Schnupfnase: Kinder, die Erkältungssymptome zeigen, sollen nach Hause geschickt werden (Symbolbild). Bild: dpa

Seit Montag laufen die Kitas in Hessen wieder im Regelbetrieb. Kinder, die Erkältungssymptome zeigen, sollen nach Hause geschickt werden. Doch was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, stellt viele Familien vor große Probleme.

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          Auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle war es üblich, abends um 21 Uhr auf den Balkon zu treten und zu applaudieren. Als Zeichen der Anerkennung für Beschäftigte, die selbst in dieser Zeit nicht zu Hause bleiben konnten. Busfahrerinnen, Ärztinnen, Pfleger und Kassierer zum Beispiel. Wessen Arbeitskraft unverzichtbar, also „systemrelevant“ war, der konnte seine Kinder in die Notbetreuung schicken. Viele Eltern aus diesen Berufsgruppen sind den Erziehern zu Dank verpflichtet, dass sie selbst auf dem Höhepunkt der Pandemie auf die Kinder achteten. Applaudiert hat für sie aber kaum jemand. Dabei hätten sie es verdient.

          Nach und nach wurde der Kreis um weitere Berufsgruppen erweitert, die Anspruch auf eine Notbetreuung hatten. Deshalb waren die Kitas auch schon vor dem Regelbetrieb, der seit Montag wieder läuft, geöffnet. Nun wird es dort noch voller. Um die Ansteckungsgefahr für Kinder und Erzieher einzuschränken, hat das Hessische Sozialministerium Ende Juni seine Hygieneempfehlungen angepasst. Sie wirken in einem Punkt nicht besonders durchdacht.

          Kinder, die Erkältungssymptome zeigen, sollen nach Hause geschickt werden. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, stellt viele Familien vor große Probleme. Sind Kinder ernsthaft krank, gehören sie ins Bett. Aber ein leichter Schnupfen ist normalerweise kein Grund, das Kind zu Hause zu betreuen. Eine laufende Nase ist in der Erkältungssaison nämlich Alltag. Eltern wissen: Kleinkinder sind eigentlich nur einmal im Jahr erkältet – aber dafür durchgehend von Oktober bis April.

          Kinder müssen ihr Immunsystem noch aufbauen. Sie können sich viele Male im Jahr eine Erkältung zuziehen, die in der Regel völlig ungefährlich ist. Ein Schnupfen klingt aber oft erst nach Tagen ab. Halten sich die Erzieher streng an die Vorgaben und schicken Kinder selbst bei leichten Symptomen heim, bedeutet das: Die Eltern werden wochenlang ausfallen. Immer wieder. So ist es am Ende die subjektive Angst des einzelnen Erziehers, die darüber entscheidet, welche Eltern arbeiten können. Auch Kinderärzte bezweifeln, dass diese Regeln angemessen und praktikabel sind. Wie wäre es, in diesem Fall auf die Fachleute zu hören?

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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