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Frankfurter Musikmesse startet : Branchentreff und Pop-Up-Markt

Nostalgie inklusive: Was wäre eine Musikmesse ohne betagte Instrumente, etwa Gibson-Gitarren Bild: dpa

Weniger und mehr: Die Frankfurter Musikmesse will mit neuen Angeboten attraktiv für Fachleute und Endverbraucher zugleich sein. Das gleicht bisweilen einem anstrengenden Spagat.

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          Die reine Produktschau war einmal. Es gibt kaum noch eine Messe, die nicht auf Vernetzung, Austausch und ein umfangreiches Rahmenprogramm setzen würde, zumal wenn sie sich sowohl als Fach- wie auch als Publikumsmesse versteht. Die Frankfurter Musikmesse ist eine solche Schau, die jedes Jahr aufs Neue den Spagat hinbekommen muss, gleichermaßen attraktiv für Aussteller, Fachleute und Endverbraucher zu sein. Das gelingt nicht immer, trotz regelmäßiger Neuerungen. Obwohl die Musikmesse noch immer der wichtigste Branchentreff in Europa ist, kommt nicht mehr jeder Hersteller selbstverständlich als Aussteller nach Frankfurt. Ein Instrumentenbauer aus der Rhein-Main-Region etwa mag die Messe sehr. Auch dieses Mal wird er, dessen Namen nichts zur Sache tut, dabei sein. Allerdings nur als Besucher und aus innerer Verbundenheit. Seine Firma bleibt der Schau aber fern, wie so manch anderes Unternehmen. Zwar sind beispielsweise Gitarren der berühmten Marken Fender und Gibson auf der Messe vertreten, doch die beiden Firmen selbst nicht. Gibson unterstützt zwar das „Vintage Guitars“-Projekt mit Exemplaren des legendären Les-Paul-Modells, zieht aber ansonsten das amerikanische Branchentreffen Namm-Show der Messe am Main vor und steht damit nicht alleine.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dagegen zeigt der Saiten-Hersteller Pirastro aus Offenbach, dessen Stand im vergangenen Jahr rege besucht wurde, auch in diesem Jahr wieder sein Sortiment. „An Frankfurt schätzen wir nicht nur das breite Spektrum an Messebesuchern, also unseren Händlern weltweit, sondern wir genießen mit unserem Firmensitz in Offenbach natürlich auch einen klaren Standortvorteil. Den direkten Kontakt zu Musikern pflegen wir vermehrt auf kleineren Ausstellungen zum Beispiel im Rahmen von Meisterkursen wie Kronberg Academy“, sagt Geschäftsführerin Annette Müller-Zierach.

          Auch Mollenhauer aus Fulda ist wieder mit seinen Blockflöten inklusive Großbass-Blockflöten und der elektrischen Elody dabei, die auf Wunsch wie eine E-Gitarre röhrt. „Asiatische Kunden und Geschäftspartner fahren nach wie vor gerne nach Europa, um traditionelles Musikhandwerk vor Ort zu erleben und einzukaufen. Die Musikmesse ist für uns daher das ideale Podium für die Präsentation unserer Instrumente auf einer Branchenausstellung“, sagt Geschäftsführer Stefan Kömpel. Allerdings kommt Mollenhauer mit einem deutlich abgespeckten Programm nach Frankfurt. Die Fuldaer werden im Gegensatz zu früher keine Mini-Konzerte veranstalten. Mit diesen Auftritten haben sie in der Vergangenheit den Variantenreichtum der Blockflöten vorgeführt und den einen oder anderen Besucher an ihrem Stand beeindruckt. Im Zweifel konnten sie Gäste zum Flötenkauf verleiten.

          Anders als früher baut Mollenhauer auch keine Werkbank mehr auf. Als Grund führt Nik Tarasov, der Mitglied der Geschäftsleitung ist, den absehbaren Besucherrückgang am Stand an. Die Firma wird zwar während der Fachtage bis Freitag vertreten sein, nicht aber an dem für das Publikum vorgesehenen Samstag. Mollenhauer müsste dafür auf dem Messegelände umziehen und weitere Kosten schultern – das wolle die Firma nicht.

          Für Besucher unentgeltlichen Service wie etwa Reparaturen anzubieten wird nicht möglich sein. Dergleichen sieht die Frankfurter Messegesellschaft schlicht nicht vor. Vielmehr gilt: „Mitgebrachte Instrumente und Equipment werden an den Eingängen verplombt.“ Die Besitzer erhielten dazu ein Dokument, das sie zum Mitführen des jeweiligen Instruments auf dem Messegelände berechtige, so steht es auf der Homepage der Musikmesse.

          Angesichts dessen blickt ein Vertreter eines hessischen Instrumentenbauers, der nicht genannt werden will, fast schon wehmütig zwei Jahrzehnte zurück. Seinerzeit habe es noch viele kleine Aussteller gegeben, auch Anbieter alter Instrumente und betagten Zubehörs. „Da konnte man noch stöbern und die Gänge waren voll – anders als während der vergangenen Messen“, sagt er. Ihm fehlt zudem die Möglichkeit für Besucher, schon auf der Messe ein Instrument zu kaufen. Dies könnte im Zweifel über Händler und an eigens dafür eingerichteten Kassen geschehen, so wie auf der Leipziger Buchmesse, meint er.

          Ganz ausgeschlossen ist der Verkauf von Instrumenten und Zubehör aber nicht. Auf der erstmals veranstalteten Musikmesse Plaza, mit der am Samstag direkt die Endverbraucher angesprochen werden sollen, offeriert die Messe interessierten Ausstellern diese Möglichkeit. Auf diesem Pop-Up-Markt werden etwa Gitarren, Bässe, Percussions, Saxophone und allerhand Zubehör, daneben aber auch Noten, Bücher, Schallplatten und Poster angeboten. Außerdem werden auf diesem Markt zahlreiche wertvolle Vintage-Instrumente ausgestellt und auch von Profis vorgeführt.

          An diese Profis richtet sich die Messe von Dienstag bis Freitag mit vielfältigen Workshops und Showcases, die den fachlichen Austausch in den Vordergrund stellen. Nicht zuletzt deshalb hat die Messe die Entscheidung getroffen, fortan die Musikmesse und die begleitende „Prolight + Sound“ einheitlich an vier Messetagen durchzuführen, um so Synergien auszuschöpfen. So kooperieren die beiden Messen nun erstmals mit den Ausrichtern des Sample Music Festivals, das sich vor allem an DJs und Produzenten elektronischer Musik richtet. Auch das Music Tech Fest, das sich Themen wie Künstlicher Intelligenz, Blockchain-Technologie, Kryptographie oder Urheberrecht in der Musikwirtschaft, oder digitaler Musikproduktion, Performance und multimedialen Konzertformaten widmet, ist erstmals in Frankfurt vertreten. Im Mittelpunkt steht aber auch weiter die handgemachte Musik, die sich sowohl bei vielen Darbietungen auf dem Messegelände als auch beim Musikmesse-Festival erleben lässt. Das Festival wird mit einhundert Konzerten die Musik in Hallen und Clubs, in Kirchen und auch in die Lobbys von mehreren Hotels in die Innenstadt bringen – auf dass ganz Frankfurt von Dienstag bis Samstag klingt.

          Informationen zu Messe und Programm gibt es im Internet unter der Adresse www.musikmesse.com

          Musikmesse mit Plaza und Festival

          Die Musikmesse beginnt am Dienstag. Sie dauert bis Freitag und richtet sich vorrangig an ein Fachpublikum. Sie ist aber auch für den Endverbraucher zugänglich, für den die Messe als zusätzliche Attraktion am Samstag die Musikmesse Plaza ausrichtet. Das ist ein Markt, auf dem legendäre Instrumente wie alte Fender- und Gibson-Gitarren, Hammondorgeln und Schlagzeuge ausgestellt und vorgeführt werden. Dazu gibt es eine Schallplattenbörse, eine Ausstellung mit seltenen Konzertplakaten und jede Menge Livemusik. In dem Bereich „Discover Music“ können Kinder und Erwachsene zahlreiche Instrumente ausprobieren. Wer dabei Feuer für ein Musikinstrument fängt, kann es im besten Fall sogar gleich mitnehmen. Auf der Musikmesse-Plaza werden, im Gegensatz zur eigent-lichen Messe, Instrumente und Zubehör verkauft. Die Tickets für den Markt auf dem Messegelände kosten fünf Euro. An den Messetagen von Dienstag bis Freitag kostet eine Tageskarte online im Vorverkauf 30 Euro und an der Tageskasse 40 Euro. Eine Karte für alle vier Messetage ist für 45 beziehungsweise 60 Euro erhältlich. Die Tickets berechtigen auch zum Besuch der begleitenden Messe „Prolight + Sound“. Außerdem ist der Besuch der Musikmesse-Plaza am Samstag unentgeltlich. Musikmessebesucher erhalten zudem ein Gratis-Festivalbändchen für das umfangreiche Programm des Musikmesse-Festivals. Das bietet vom 2. bis zum 6. April an rund 50 Spielorten in der Stadt 100 Konzerte, die mit dem Bändchen kostenfrei oder zu stark vergünstigten Preisen besucht werden können. Das Festivalticket kann auch ohne Messebesuch erworben werden, es kostet 15 Euro. Neben Konzerten von Stars wie Gregory Porter oder Samy Deluxe in der Festhalle bietet das Festival vor allem in den Frankfurter Clubs viele entdeckenswerte Künstler und Bands. (cfr.)

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