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1000 Gartenbibliothek-Bände : Botanischer Bücherschatz für Frankfurter Universität

Keineswegs unberührbares Vitrinengut: Stücke aus der Königlichen Gartenbibliothek Herrenhausen Bild:

Die Frankfurter Uni-Bibliothek hat 1000 Bände aus der früheren Gartenbibliothek von Schloss Herrenhausen gekauft – eine der bedeutendsten Erwerbungen ihrer Geschichte. Sogar von einem „Akt von nationaler Bedeutung“ ist die Rede.

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          Alexander von Humboldt war voll des Lobes über die „Historia naturalis palmarum“: „Solang man Palmen kennt und Palmen nennt, wird auch der Name Martius nicht vergessen sein.“ Die sechs Text- und Bildbände von Carl Friedrich Philipp Martius, verfasst in den Jahren 1823 bis 1850, gelten als die schönsten Bücher über Palmen, die je gedruckt wurden. Eine Ausgabe gehört jetzt der Frankfurter Universitätsbibliothek, ebenso wie eine Vielzahl weiterer botanischer Fachwerke aus der früheren Königlichen Gartenbibliothek aus Schloss Herrenhausen bei Hannover.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zum Preis von 1,2 Millionen Euro hat die Goethe-Universität knapp 1000 Bände aus der Sammlung gekauft, deren Gesamtwert auf 3,3 Millionen Euro geschätzt wird. Am Mittwoch stellten Universitätspräsident Rudolf Steinberg und Bibliotheksdirektor Berndt Dugall die Erwerbung vor, die durch das Engagement mehrerer Förderer möglich wurde: Zusammengelegt haben die Hessische Kulturstiftung, die Sparkassen-Kulturstiftung und die Landesbank Hessen-Thüringen, außerdem die Polytechnische Gesellschaft und ihre Stiftung, die Kulturstiftung der Länder und die Stadt Frankfurt.

          „Akt von nationaler Bedeutung“

          Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sprach von einem „Schatz“, den sich Stadt und Universität hätten sichern können; Steinberg nannte die Anschaffung einen „Akt von nationaler Bedeutung“. Die Gartenbibliothek des welfischen Königshauses umfasste etwa 3000 Bände aus vier Jahrhunderten. Zu den kostbarsten gehören eine handkolorierte Abhandlung über die Gattung der Ordenssternblumen aus dem frühen 19. Jahrhundert, Philip Millers Gärtnerlexikon „Catalogus Plantarum“ von 1730 und die „Traité des arbres fruitiers“, ein 1807 erschienenes, opulent illustriertes Buch über Obstsorten.

          Nach Dugalls Worten hat sich Frankfurt zuletzt vor mehr als hundert Jahren eine Buchkollektion von solchem Rang sichern können. Was die botanische Literatur betreffe, stehe die Uni-Bibliothek nun „auf Augenhöhe“ mit großen Bibliotheken in London und Wien. Die neu hinzugekommenen Bände fügten sich ein in die vorhandene Sammlung zu diesem Fachgebiet, zu der auch schon vorher Bücher aus Herrenhausen gehörten.

          Keineswegs unberührbares Vitrinengut

          Dass die Raritäten nicht in die Hände privater Liebhaber fielen, ist auch dem hessischen Wissenschaftsministerium zu verdanken. Vor drei Jahren hatte ein Königsteiner Auktionshaus die Sammlung erworben und wollte sie versteigern. Doch das Land legte sein Veto ein: Die Bibliothek wurde als nationales Kulturgut eingestuft, womit sie nicht mehr ins Ausland verkauft werden durfte. Räumlich getrennt wurde der Bücherbestand allerdings dennoch. Die Leibniz-Bibliothek in Hannover übernahm Schriften mit Bezug zur Stadt, und die Anna-Amalia-Bibliothek erstand 266 Werke, mit denen sich einige durch den Brand im Jahr 2004 verursachte Verluste ersetzen ließen. Frankfurt konzentrierte sich auf die botanischen Titel. Diese sind keineswegs unberührbares Vitrinengut: Jeder, der seinen Personalausweis vorlegt und eine Sorgfaltserklärung unterschreibt, kann sie in der Universitätsbibliothek einsehen.

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