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Bonames : Von der „Golanhöhe“ schnell ins Grüne

Dörflich: In Alt-Bonames scheint die Welt noch in Ordnung Bild: Nora Klein

Bonames hat einen schlechten Ruf – zu Unrecht. Der Stadtteil im Norden Frankfurts kann mit einigen Vorzügen aufwarten.

          3 Min.

          „Bonames? Sie wohnen in Bonames?“ Manche mögen es Peter Feldmann gar nicht glauben, dass er in diesem Stadtteil seinen Wohnsitz genommen hat. Freiwillig. Der SPD-Politiker fühlt sich verbunden mit Bonames, hier hat er als Kind im Sandkasten gespielt und ist als Jugendlicher am Flugplatz der Amerikaner herumgestrolcht. Als Erwachsener kehrte er zurück in sein „Heimatdorf“, wurde Vorsitzender des dortigen SPD-Ortsvereins und ist heute im Stadtparlament der einzige Vertreter dieses Stadtteils. Ihn ärgert es, wenn über Bonames immer nur schlecht geredet wird.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tatsächlich ist Bonames in den Augen vieler eine Art Ghetto. Vor allem die Bügel-Siedlung, die amtlich teilweise zu Nieder-Eschbach gehört, gilt als Inbegriff eines Massenquartiers in sozialer Schieflage. „Golanhöhe“ wird das Rund von Wohnblocks entlang des Ben-Gurion-Rings gerne genannt. Den See in der Mitte der Siedlung hat der Volksmund „Totes Meer“ getauft, die Schallschutzwände zur Straße hin „Klagemauer“.

          Wer in dieser kleinen Idylle wohnt, gibt sein Haus nicht so schnell auf

          Aber erstens stellt der Ben-Gurion-Ring nur ein Teil von Bonames dar, und zweitens lebt es sich auch in dieser Siedlung nicht wie an der nahöstlichen Golan-Front. Gewiss, das „Jugendhaus am Bügel“ mit seinen rundum bemalten bis beschmierten Betonwänden ist etwas gewöhnungsbedürftig. Doch es leistet durchaus gute Integrationsarbeit und ist ein Treffpunkt für Jugendliche mit manchmal großen Nöten, aber auch für normale junge Leute, die etwas unternehmen wollen.

          Natürlich: Der alte Flughafen ist eine Attraktion geworden.

          Wäre dieses Jugendhaus wie versprochen gleich am Anfang, als der neue Bügel entstand, errichtet worden, hätte man damals mit den Wohnblocks auch Schulen, Kindergärten, Kirchen und die übliche soziale Infrastruktur gebaut, wäre das Viertel vielleicht nicht zur Problemzone geworden mit Vandalismus, Jugendgewalt und Resignation unter der Bewohnerschaft. Mittlerweile hat sich die Lage allerdings wieder zum Besseren gewendet, wie viele Einheimische berichten. Die Idee einer Siedlung mit grüner Lunge im Zentrum, wie sie am Ben-Gurion-Ring verfolgt wurde, ist im Prinzip nicht falsch – wenn man sie denn so verwirklicht, wie dies die Planer der Siedlung an der Gonzenheimer und Seulberger Straße einst getan haben. Kriegsversehrte fanden hier eine neue Heimat in einfachen Häusern, die eine große Gartenanlage umgibt. Wer in dieser kleinen Idylle wohnt, gibt sein Haus nicht so schnell auf.

          Banker haben den Stadtteil entdeckt

          Auch in der alten Bügel-Siedlung in Bonames-Nord, in der Feldmann aufgewachsen ist, kann man durchaus leben. Die Leute dort haben sich längst in die Gemeinschaft des Ortes integriert. Früher hatten es die neuen Bewohner des alten Bügel schwer, in die alteingesessenen Vereine zu kommen, heute sind sie es, die zuweilen Vorbehalte haben gegen die Bewohner des neuen Bügel am Ben-Gurion-Ring.

          Steht man abends an der neu gebauten U-Bahn-Station Bonames Mitte, sieht man gewöhnlich eine ganze Reihe junger Herren im blauen Anzug aussteigen. Banker haben diesen Stadtteil mit seinen verhältnismäßig günstigen Mieten längst entdeckt. Man lebt auch sonst nicht schlecht in diesem vielgescholtenen Frankfurter Vorort. Bonames kann nicht nur einen Bäcker, einen Metzger, einen Supermarkt, eine Apotheke vorweisen, sondern von jedem gleich zwei. So intakt sind Einzelhandel und Handwerk – vom Glaser über den Schlosser bis zum Elektriker – nicht mehr in jedem Frankfurter Stadtteil. Als neulich der Tengelmann-Supermarkt dicht machte, ist es engagierten Bewohnern gelungen, als Ersatz einen Smart-Markt zu gewinnen, in dem Arbeitslose unter der Leitung der Werkstatt Frankfurt zu Verkäufern ausgebildet werden.

          Ins Grüne ist es nicht weit

          Man bemüht sich in Bonames, den Ort nicht verkommen zu lassen. Spielotheken, die oft den Niedergang einer Geschäftsstraße anzeigen, sucht man vergebens. Dafür ist seit geraumer Zeit auf dem neu gepflasterten Wendelsgarten donnerstags ein Wochenmarkt zu finden. Ist erst das verkommene Areal neben diesem Platz saniert und hat dort das geplante Café eröffnet, kann sich Bonames eines gepflegten Ortskerns rühmen. Manche Gebäude in Alt-Bonames bedürfen zwar noch einer Sanierung, aber es finden sich auch schön erneuerte Häuser. Die Bonifatiuskirche oder das Gasthaus zur Goldenen Gerste fallen angenehm ins Auge. Ein wahres Juwel ist die Villa Metzler mit ihrem schönen Park; das gleichnamige Bankhaus nutzt das Anwesen für Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen.

          Mit ein paar Schritten erreicht man in Bonames immer das Grüne. Zur Nidda und ihren Nebenarmen hin öffnet sich eine Erholungslandschaft, die auch Ausflügler aus dem Umland anzieht, seit der Alte Flugplatz der Amerikaner umgenutzt und Teil des Grüngürtels wurde. Landschaftslotsen von der Naturschule Hessen zeigen Besuchern die sensiblen Naturschätze dieser grünen Oase: Allein 70 Vogelarten sind am Alten Flugplatz zu beobachten.

          Anschließend kann man im Tower-Café essen gehen oder Kaffee trinken. Auch dieses einladende Lokal wird von der Werkstatt Frankfurt als Ausbildungsbetrieb geführt. Peter Feldmann, der Bonameser Patriot, hat sich als Vorstandsmitglied der Werkstatt Frankfurt darum bemüht, dass die Werkstatt das alte Towergebäude übernehmen konnte. Sein Stadtteil hat dadurch gewonnen.

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