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Bonames/Kalbach : Streit um Anschlußstelle an A661

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Zwei vor, eins zurück - Echternacher Springprozession auf frankfurterisch. Für zwei neue Autobahn-Anschlußstellen soll eine alte geschlossen. Die Rede ist von der A661 in Frankfurts Norden.

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          Zwei vor, eins zurück - Echternacher Springprozession auf frankfurterisch. Für zwei neue Autobahn-Anschlußstellen soll eine alte geschlossen. Die Rede ist von der A661 in Frankfurts Norden. Dort wurde im Sommer vergangenen Jahres der Anschluß Heddernheim/Mertonviertel für den Verkehr freigegeben, demnächst soll der Anschluß Nieder-Eschbach vollständig dem Autoverkehr zur Verfügung stehen. Dafür muß aber die seit langem bestehende Anschlußstelle Bonames/Kalbach gesperrt werden: Das ist nicht nur im Planfeststellungsbeschluß so festgeschrieben, der Rückbau ist auch Teil einer Vereinbarung zwischen der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen.

          Vom nächsten Samstag an werden Autofahrer die Autobahn nicht mehr an der Ausfahrt Bonames/Kalbach verlassen können - wenn es nach dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen Frankfurt geht. Es bleibe beim 16.Juli als Schließungstermin, sagte am Montag der dortige Abteilungsleiter für Bauwesen, Gerd Neumann, auf Anfrage. Der für das Straßenwesen zuständige Frankfurter Baudezernent Franz Zimmermann (FDP) sucht indes eine Sperrung im letzten Moment noch zu verhindern und nennt die Ankündigung des Amtes "übereilt".

          Bei einem Gespräch am 17.August will er Staatssekretär Bernd Abeln (CDU) vom hessischen Verkehrsministerium davon überzeugen, daß die geplante Schließung der Auf- und Abfahrt Bonames/Kalbach Unsinn ist. Das hat Zimmermann schon einmal vor drei Jahren Abelns Vorgänger Herbert Hirschler (FDP) gesagt, nämlich als dieser symbolisch den ersten Spatenstich für den Bau der Anschlußstelle Nieder-Eschbach setzte. Der bedauerte und verwies auf die Vertragslage. Zimmermann hat indes noch nicht aufgegeben. Als erstes will er das dem Wiesbadener Ministerium untergeordnete Frankfurter Amt für Straßen- und Verkehrswesen bitten, die Anschlußstelle zumindest so lange offenzuhalten, bis er mit dem Staatssekretär gesprochen hat.

          Warum sind die Verkehrsplaner der Behörde so erpicht darauf, ein damals für einige Millionen Mark errichtetes Verkehrsbauwerk zu sperren und - wie es in der Planersprache heißt - rückzubauen? Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen verweist darauf, daß dies Wunsch und Forderung der obersten Autobahn-Herren gewesen sei, nämlich der Planer im Bundesverkehrsministerium. Diese sorgten sich um die Verkehrssicherheit auf dem Abschnitt der A661 zwischen Bad Homburger Kreuz und Eckenheim: Bei drei Anschlußstellen auf dem kurzen Teilstück seien die Strecken für das Ein- und Ausfädeln nicht mehr lang genug, es entstünde ein zu großes Unfallrisiko, wenn Autofahrer zu häufig die Spur wechseln müßten. Frankfurt hat sich damals dieser Argumentation gebeugt. Um die neuen Zufahrten zum Gewerbegebiet Martinszehnten und zum Frischezentrum einerseits sowie zum Riedberg andererseits überhaupt genehmigt zu bekommen, mußte sich die Stadt Frankfurt wohl oder übel auf das Modell "Zwei vor, eins zurück" einlassen.

          Jetzt, da die Schließung der Anschlußstelle Bonames/Kalbach unmittelbar bevorsteht, hat sich eine Allparteienkoalition für deren Erhalt gebildet. CDU, SPD, FDP und sogar Grüne möchten die Schließung verhindern: CDU und FDP für immer, die SPD zumindest vorläufig, bis man Erfahrungen gesammelt hat mit drei Anschlußstellen auf der kurzen Autobahnstrecke. Man dürfe nicht sklavisch an alten Vereinbarungen hängen, sagt Stadtrat Zimmermann in Richtung Berlin, aber auch Wiesbaden, denn das dortige Verkehrsministerium verwaltet im Auftrag des Bundes das hessische Autobahnnetz. Der Dezernent verweist auf die Nachteile, die nach einer Sperrung der Anschlußstelle Bonames/Kalbach drohten. Nicht nur könne es zu zeitweiligen Überlastungen der beiden neuen Anschlußstellen kommen, auch der Autoverkehr in der City könnte zunehmen, weil der Park-and-ride-Platz Kalbach abgeschnitten werde.

          Dieser Parkplatz, der bisher direkt über die Anschlußstelle Bonames/Kalbach angefahren werden kann, wäre künftig für Pendler nur noch über die Ausfahrt Nieder-Eschbach zu erreichen, was einen Umweg bedeuten würde. Längere Wege können erfahrungsgemäß schnell dazu führen, daß Autofahrer gleich ins Stadtzentrum fahren und damit die Verkehrsprobleme in der Innenstadt noch verschärfen.

          Bleibt das Sicherheitsargument. Zimmermann hält es zwar für stichhaltig, sieht aber andere Lösungsmöglichkeiten, zum Beispiel eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Strecke. Dadurch könne das Unfallrisiko genauso gemindert werden, glaubt er. Die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 12 (Kalbach) argumentiert, daß die A661 auf dieser Strecke als nachrangige Autobahn anzusehen sei, als eine Stadtautobahn, die weniger dem Fernverkehr diene als vielmehr dazu, Autoverkehr aus der Stadt auf die Autobahn zu bringen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, benötige die A661 die drei Anschlußstellen.

          Ob diese Einwände, ob Zimmermanns dringende Bitte noch rechtzeitig Wirkung bei den Verantwortlichen beim Amt für Straßen- und Verkehrswesen zeigen, werden die Autofahrer am Samstag, dem vorgesehenen Tag der Schließung, merken. Der Leiter der städtischen Straßenverkehrsbehörde im Ordnungsamt, Ulrich Schöttler, rät den Kollegen, zumindest mit der Sperrung zu warten, bis die im Bau befindliche Umgehungsstraße Nieder-Eschbach für den Verkehr freigegeben werden kann. Als erfahrener Praktiker empfiehlt er ihnen außerdem, die geplante Schließung eine Woche vorher auf Hinweisschildern anzukündigen. Ob dies den Volkszorn wohl eindämmt? Hans Riebsamen

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