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Fliegerbombe im Ostend : Frankfurt bereitet sich auf die Bombenentschärfung vor

Rückzugsort Jahrhunderthalle: Wie im September 2017 werden bei der Bombenentschärfung im Ostend wieder Ausweichquartiere benötigt. Bild: Wonge Bergmann

Nach dem Bombenfund im Ostend will man aus den Fehlern bei der Evakuierung des Westends vor rund zwei Jahren lernen. Schneller soll es diesmal gehen – aber weiterhin gilt „Sicherheit zuerst“.

          Vieles wird auch diesmal von der Bereitschaft der Menschen abhängen, ihre Wohnungen zu verlassen. Wichtig dafür ist, dass möglichst alle in der Sperrzone wissen, dass am Sonntag, dem 7. Juli im Ostend eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden soll. Hatte sich doch die bisher größte Evakuierung in Frankfurt womöglich wegen Informationsdefiziten am 3. September 2017 bis in die Abendstunden gezogen. Bei Kontrollfahrten oder Überflügen mit dem Hubschrauber hatte die Polizei immer wieder Personen in der Sperrzone entdeckt, die Spezialisten vom Kampfmittelräumdienst konnten nicht mit der Arbeit beginnen. Diejenigen, die bis acht Uhr ihre Wohnungen verlassen hatten, mussten wegen Nachbarn, die von all dem nichts wissen wollten oder tatsächlich nichts davon mitbekommen hatten, einige Stunden länger in Ausweichquartieren ausharren.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Damals hatten sich rund 60.000 Betroffene eine andere Bleibe suchen müssen – Anwohner, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Patienten von Krankenhäusern oder Gäste in Hotels. Diese Dimension wird es diesmal nicht haben, die Rede ist von einigen Tausend. Der Schutzradius um die Bombe beträgt nur etwa 1000 statt 1500 Meter, und das Gebiet nahe der Europäischen Zentralbank ist nicht so dicht besiedelt wie das Westend im Umfeld des Uni-Campus. Dort war die mit 1,4 Tonnen Sprengstoff befüllte Luftmine ebenfalls bei Bauarbeiten entdeckt worden. Diesmal ist es eine amerikanische Splitterbombe, sie ist nur etwa ein Drittel so schwer. Ihre Sprengkraft ist entsprechend geringer, sie ist aber auf andere Weise hochgefährlich. Sie verbreitet, wenn sie explodiert, mit großer Wucht scharfkantige Metallteile. Die beiden Zünder sollen nach den gegenwärtigen Planungen an Ort und Stelle entfernt werden.

          Der Planungsstab von Vertretern der Feuerwehr, der Polizei, des Kampfmittelräumdienst und von städtischen Ämtern, der die Evakuierung koordiniert, traf sich gestern abermals. Besprochen wurde insbesondere, wie diesmal das Schutzgebiet schneller geräumt wird. Jedoch gelte weiterhin: Sicherheit geht vor Schnelligkeit. Wichtig sei überdies, alte Menschen zu versorgen und einigermaßen komfortabel unterzubringen. Glücklicherweise soll es den Vorhersagen nach an diesem Tag nicht sehr heiß werden.

          Gezielte Suche nach Bomben

          Gestern kündigte die Stadt an, dass alle, die ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssten, in städtischen Museen und im Palmengarten freien Eintritt haben. Einsatzkräfte erhalten für einen anderen Tag ihrer Wahl einen entsprechenden Gutschein. Der Zoo bleibt als Rückzugsort jedoch geschlossen. Sein Gelände grenzt an die Sperrzone und ist somit nur mit Mühen zu erreichen, zumal auch viele Bus- und Bahnverbindungen unterbrochen werden. Die Schutzzone war schon in der vergangenen Woche festgelegt worden. Sie erstreckt sich über weite Teile des Ostends und des Osthafens; die Europäische Zentralbank bleibt ebenso wie der Hafenpark unzugänglich. Jenseits des Mains müssen Teile von Sachsenhausen und Oberrad evakuiert werden.

          Die Bombe wurde nahe der Kreuzung Eytelweinstraße/Mayfarthstraße gefunden. Das war kein Zufallstreffer, sondern in Frankfurt wird seit Jahren gezielt nach Bomben gesucht. Denn Schätzungen zufolge liegen im Frankfurter Boden immer noch rund 2000 Blindgänger. Zehntausende Bomben und Luftminen waren während der Angriffswellen in den letzten Kriegsjahren von Amerikanern und Briten über dem Stadtgebiet abgeworfen worden. Zwischen zehn und 30 Prozent seien nicht explodiert, heißt es.

          Wie viele von ihnen in den Nachkriegsjahren entschärft wurden, ist nicht dokumentiert. Auch lässt sich vermuten, dass in der Phase des raschen Wiederaufbaus keine systematische Sondierung der Grundstücke nach Sprengkörpern erfolgte, wie es in Frankfurt inzwischen längst Pflicht ist. Das gilt insbesondere in Zonen, in denen die Alliierten verstärkt Angriffe auf militärische Anlagen oder Industriebetriebe flogen. In einem Korridor entlang des Mains lagen viele dieser Ziele. Anhand von Karten und Luftaufnahmen, welche die Alliierten von dem Bombardement anfertigten, hat das Stadtvermessungsamt einen „Bomben-Atlas“ erstellt.

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