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Black Friday : Rabattaktion beim Spracherwerb

In vielen Ländern der Erde werden die Rabatt-Tage des Handels Ende November von den Verbrauchern gerne genutzt. Doch die Sprache leidet Bild: AFP

Schwarze Schafe erwerben ihre Sprache in der Black Week: Wie sich 60 Prozent Rabatt auf Latein, Englisch und Chinesisch auswirken können.

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          Autoschlangen vor der Abbiegespur, Parkhäuser besetzt, hektisches Hupen. Menschentrauben vor der Kasse im Klamotten-Paradies, die E-Mail-Accounts voll mit mahnenden Botschaften, bloß nicht diese eine Chance zu verpassen. Es ist der schwärzeste aller Tage, es ist: Black Friday.

          Von allen kulturellen Aneignungen hat der schwarze Freitag wahrscheinlich am allerkürzesten gebraucht, kürzer noch als Kürbisgrusel zu Allerheiligen, um sich durchzusetzen. Das erstaunt wahrscheinlich die wenigsten – es steckt schließlich Geld dahinter, viel Geld. Es wandert verlässlich von den Kreditkarten der Schnäppchenjäger auf die Konten der Schwarz-Händler, da kann noch ebenso verlässlich alle Jahre wieder jemand darauf hinweisen, dass die wenigsten „Deals“ der schwarzen Freitage wirklich welche sind. Und auch nicht die der schwarzen Woche. Ach, wenn man sich die Werbe-Mails so ansieht, nicht die des ganzen rabenschwarzen Monats November, in dem wir Fernseher und Fernreisen, Wintermäntel und Wachstuchtischdecken kaufen sollen, minus 25 Prozent, mindestens. Da halten wir es doch lieber mit Bartleby, „Ich möchte lieber nicht.“ Oder sagen wir besser „I would prefer not to“, wie es im Original bei Herman Melville heißt?

          Englisch für Deutsche ganz ohne Th

          Denn eine dieser Werbebotschaften ist so verlockend, so unerhört, dass es all unserer Beherrschung bedarf, nicht auf den „Kaufen“-Button zu klicken. „60 Prozent auf alle Sprachen!“ Nie hat man Bezaubernderes gehört. 60 Prozent? Auf alle Sprachen? Herrlich. Man stelle sich vor: Wir lernen Latein, aber ohne Ablativ, AcI und Ausnahme-Konjugationen, das dürfte so 60 Prozent der Masse an Latein ausmachen, oder nicht? Englisch für Deutsche ganz ohne Th, Französisch ohne Nasale (obwohl, da wären wir wahrscheinlich bei 80 Prozent Rabatt), Italienisch ohne das Rrrr, das den Deutschen so schwerfällt. Es gäbe so viele Möglichkeiten.

          Allerdings – nirgends in der Anzeige steht, welche 60 Prozent denn wohl abgezogen werden, beim Erwerb einer Fremdsprache. Da lassen wir lieber die Finger vom schwarzen Rabatt. Und mühen uns weiter mit Subjonctif, Tonalitäten des Chinesischen oder was auch immer. Sonst erkennt noch ein schlaues Gegenüber, dass wir, düpierte Schafe, unsere Sprache in der Black Week erworben haben.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

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