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Betrunken in den Main gestürzt? : Polizei geht von Tod des vermissten Amerikaners aus

Das Foto von 2005 zeigt den vermissten Devon Hollahan Bild: dpa

Der in Frankfurt vermisste amerikanische Bankierssohn Devon Hollahan ist nach Einschätzung der Polizei aller Wahrscheinlichkeit nach tot. Hollahan sei nach dem Besuch eines Rockkonzerts vermutlich betrunken in den Main gestürzt, heißt es.

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          Die Plakate mit dem Konterfei eines fröhlich lächelnden Devon Hollahan werden wohl noch lange hängenbleiben an den U- und S-Bahn-Stationen dieser Stadt - wenn auch nur symbolisch oder aus der Hoffnung heraus, dass doch noch ein Wunder geschieht. Etwa ein Dutzend Helfer hatten die rund 4000 Plakate in den vergangenen Wochen überall verteilt. Abnehmen will sie nun niemand so recht, wie von den Helfern zu hören war. Nicht, solange Hollahan noch nicht gefunden ist.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei mehren sich die Hinweise, dass der Amerikaner, der nach einem Konzert in der „Batschkapp“ in der Nacht zum 21. November verschwunden war, tot ist. Mehrere Indizien deuten darauf hin, dass Hollahan in den Main gestürzt und dort ertrunken ist, wie Polizeisprecher Alexander Löhr gestern mitteilte. So hatte ein Spürhund Hollahans Fährte von der Innenstadt ans Mainufer verfolgt, wo sich die Spur schließlich verlor. An der Staustufe Griesheim wurde zudem ein Schuh gefunden, der mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Vermissten gehört.

          Vermutlich stark alkoholisiert

          Drei Wochen lang hat die Polizei vergeblich nach Hollahan gesucht, sogar in den U- und S-Bahn-Tunneln. Nun haben die Ermittler einen vorläufigen Bericht veröffentlicht, in dem die vermutlich letzten Stunden des in Prag arbeitenden Lehrers rekonstruiert worden sind (siehe auch Deutschland und die Welt). So war der Freund, mit dem Hollahan das Konzert besucht hatte, doch nicht die letzte Person, die den Vermissten lebend gesehen hat.

          Devon Hollahans Vater sucht in Frankfurt unterdessen weiter mit Flugblättern auf Deutsch und Englisch nach seinem Sohn

          Wie sich herausstellte, wurde Hollahan später gegen vier Uhr morgens an der Großen Eschenheimer Straße noch einmal gesehen. Er lag dort auf dem Asphalt und konnte sich vermutlich wegen des starken Alkoholkonsums nicht mehr richtig artikulieren. Als die Zeugen einen Rettungswagen rufen wollten, sprang Hollahan auf und verschwand in der B-Ebene der Hauptwache, wo er auch den Rucksack zurückließ. Danach muss er zum Main gelaufen und in den Fluss gestürzt sein.

          Beispiellose Suchaktion

          Die Polizei geht von einem Unglück aus. Ein Verbrechen oder Suizid seien nach derzeitigen Erkenntnissen unwahrscheinlich, sagen die Beamten, die von Anfang auch den Vater Jeffrey Hollahan in die Ermittlungen mit eingebunden haben und sich umfassend mit dem Charakter und persönlichen Umfeld des Zweiundzwanzigjährigen beschäftigten.

          Die Suchaktion nach Devon Hollahan war in Frankfurt bisher beispiellos. Der Vater und die Tante des Vermissten haben über das amerikanische Generalkonsulat, aber auch über persönliche Kontakte viele Helfer mobilisiert, die Flugzettel mit der Vermisstenmeldung verteilten. Jeffrey Hollahan war vor einigen Tagen wieder nach Arizona zurückgereist, wo die Familie lebt. Wahrscheinlich, weil er zu diesem Zeitpunkt schon ahnte, dass die Chance, seinen Sohn zu finden, nicht mehr besonders groß ist.

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