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Immer häufiger 1,0 : „Die Glaubwürdigkeit des Abiturs ist in Gefahr“

Abitur in Hessen 2022: 4,5 Prozent der Schüler schlossen mit 1,0 ab. Bild: dpa

Lehrer, Hochschulen und Wirtschaft kritisieren die Flut an Bestnoten beim hessischen Abitur. Die Aussagekraft der Noten gehe verloren – in der Realität spielten sie eine immer geringere Rolle.

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          Angesichts der sich stetig verbessernden Noten hinterfragen Lehrer-, Hochschul- und Wirtschaftsverbände die Aussagekraft des hessischen Abiturs. Wie berichtet, wurde in diesem Jahr der beste Notenschnitt seit der Einführung des Landesabiturs vor 15 Jahren erzielt. Noch nie gab es so viele Schüler mit der Bestnote 1,0. Ihr Anteil an den Prüflingen insgesamt lag bei 4,5 Prozent. Zum Vergleich: 2017 erhielten nur zwei Prozent der Schüler die Bestbewertung und 2007 sogar nur 1,1 Prozent. Die diesjährige Durchschnittsnote 2,23 ist ebenfalls der beste Wert seit 2007 (2,48).

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Hessische Philologenverband betrachtet diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen: Die Freude über 1,0-Abiture und glänzende Notenschnitte sei allen gegönnt, heißt es in einer Mitteilung. Doch die Glaubwürdigkeit des höchsten Schulabschlusses sei in Gefahr. Die immer besseren Noten spiegelten nämlich keinen Anstieg des allgemeinen Bildungsniveaus wider. Der Verband sieht das Risiko, dass wirklich gute Abiturienten in der Menge untergehen. Außerdem beklagten Hochschullehrer zu oft eine mangelnde Studierfähigkeit und Wissenslücken etwa in Mathematik und den Naturwissenschaften, aber auch bei der Sprachbildung. Oft seien Aufbaukurse nötig. Eine bundesweite Gleichwertigkeit der Prüfungen sei nach wie vor ein frommer Wunsch.

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