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Berufswahl Priester : Entscheidung für das ganze Leben

  • -Aktualisiert am

Angehender Priester: Carsten Mayer im Priesterseminar Sankt Georgen Bild: Wolfgang Eilmes

Carsten Mayer hat eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen: Der junge Mann will Priester werden – als einer von 33 Seminaristen in Sankt Georgen.

          Andere wissen mit 19 Jahren nicht einmal, was sie in der nächsten Woche machen. Aber Carsten Mayer hat in diesem Alter schon eine Entscheidung fürs Leben getroffen: Er wird katholischer Priester. Eine Entscheidung gegen eine eigene Familie, gegen eine Frau, gegen Kinder. Eine Entscheidung für ein Leben im Glauben. „Mein Vater hat immer gesagt, mach’ das, was dir Spaß macht“, erinnert sich Mayer, der einer von 33 Seminaristen ist, die im Priesterseminar der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen leben und sich auf ihren Dienst als Priester vorbereiten.

          Seine Entscheidung wirkt unzeitgemäß, in einer Zeit, in der sich immer weniger Menschen taufen lassen, die Zahl der Gläubigen sinkt und die Kirchen immer schlechter besucht sind, in der Menschen skeptischer gegenüber allen Institutionen geworden sind und sich auch privat nicht dauerhaft binden wollen. Mayer hält es trotzdem für richtig, Priester zu werden, gerade jetzt. „Es ist für mich wertvoll, mich in den Dienst nehmen zu lassen für die Menschen, die Kirche und für Christus.“

          „Ich brenne für ein Ideal“

          Mayer ist in einem kleinen Dorf in der Eifel aufgewachsen. Seine Eltern sind Finanzbeamte. Er hat eine Schwester, die zwei Jahre jünger ist als er. Ein ganz normales Leben. Seine Freunde hatten allerdings schon etwas geahnt, noch bevor Mayer ihnen von seinem Berufswunsch erzählte. „Ich bin immer wieder zu Informationstreffen gegangen oder habe Gespräche mit Pfarrern und Seelsorgern gesucht. Daher war den Freunden das schon klar“, erinnert er sich. Aber wenn er heute seinen Neffen aufwachsen sieht, dann denkt er auch darüber nach, wie es wäre, Vater zu sein. Trotzdem bleibt er bei seiner Entscheidung. „Ich verzichte darauf bewusst. Und ich komme immer wieder auf die essentiellen Fragen und die Gedanken zurück“, sagt Mayer. „Ich brenne für ein Ideal.“

          Direkt nach dem Abitur machte er ein vorbereitendes Jahr mit Sozialpraktikum und trat dann ins Priesterseminar ein, das Internat, in dem er mit anderen Männern zusammenwohnt, die die gleiche Lebensentscheidung wie er getroffen haben. Heute ist Carsten Mayer 24 Jahre alt, in einem Jahr wird er sein Studium beenden und in die praktische Ausbildung gehen. Dann folgen Diakonen- und Priesterweihe.

          „Die Entscheidung, katholischer Priester zu werden, fiel nicht von heute auf morgen“, sagt er. „Vielmehr war es ein Prozess.“ Da war der Pfarrer seiner Heimatgemeinde, Carsten Rupp, der ihn inspiriert hat. Da waren Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern, und da war die Frage nach seinen Talenten – Reden, Zuhören, auf Menschen eingehen – und wie er sie sinnvoll einsetzen kann. „Gleichzeitig die Erfahrung, dass es Leute gibt, die das gut und sinnvoll machen“, sagt Mayer. „Da habe ich mir gedacht, das könnte ich mir angucken.“

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          Die Frage nach der Berufung als Priester ziehe sich durch die gesamte Ausbildung, berichtet er. Um nicht nur am gleichen Ort und von den selben Menschen umgeben zu sein, sondern auch sich selbst zu hinterfragen, können die Seminaristen ein Jahr im Ausland studieren. Mayer ging nach Irland und wohnte dort in einem Studentenwohnheim. „Das ist ein Jahr, um sich bewusst zu sortieren, auch unter der Fragestellung: Geht das so weiter?“

          Morgen wollen Mayer und die anderen 32 Seminaristen der Hochschule Sankt Georgen in verschiedenen Kirchen und Gemeinden von ihren Erlebnissen und ihrem Werdegang als Priester erzählen. Diese Idee hat Mayer aus dem Bistum Trier mitgebracht. „Solche Veranstaltungen gab es früher hier auch schon, wir lassen die Aktion wieder aufleben.“ Zuerst soll es einen Gottesdienst geben, danach haben die Gemeindemitglieder die Möglichkeit den Seminaristen zu begegnen und ihnen Fragen zu stellen.

          Die Termine sind um 9:30 Uhr in den Kirchen Mutter vom Guten Rat in Frankfurt-Niederrad und Heilige Dreifaltigkeit in Wiesbaden, um 11Uhr in St. Peter und Paul in Frankfurt-Heddernheim, St.Bonifatius in Hofheim, St. Bonifatius in Wiesbaden und St. Elisabeth in Wiesbaden, sowie 18 Uhr in Heilig Kreuz in Geisenheim.

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