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Porträt : Der Abschlepper vom Dienst

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Wohin mit dem Smart?

Haase startet. Zügig fährt er am südlichen Mainufer entlang. Am Rückspiegel baumelt ein Duftbaum mit Totenköpfen, der nach Kokos riecht. Haase hat früher Fußball gespielt. Als gebürtiger Offenbacher erst bei den Kickers, bis zur C-Jugend, dann für die Eintracht. Jugendturniere gegen Bayern im linken Mittelfeld. Sein Vorbild war Pierre Littbarski. Der Smart-Fahrer erzählt, dass er Ingenieur ist und sehr dringend zur Arbeit muss. Eigentlich fährt er morgens immer mit dem Fahrrad, aber diesmal wollte er abends noch in die Wetterau. Das kann er vergessen.

Im Foyer des Autohauses sucht Haase Auskunft. Er will wissen, wo er den Smart hinstellen soll. Und eigentlich will er auch möglichst schnell wieder weg. Denn meldet er sich in der Zentrale frei, kann er den nächsten Auftrag annehmen. Das bringt Geld für die Firma. Eine Frau hinter dem Tresen sagt, dass er das Fahrzeug nicht abladen kann, weil der Vertragshändler zwar eine Werkstatt, aber keine Karosseriewerkstatt hat. Der Smart soll nach Offenbach oder nach Praunheim. Haase schüttelt den Kopf. Das zahlt ihm keiner. Er ruft Disponent Becker an. Aber die Angabe der Versicherung ist unmissverständlich: das Fahrzeug zum nächsten Vertragshändler. Und das ist hier.

Haase stapft raus, fährt den Abschlepper 50 Meter vor, lässt den Smart vom Plateau rollen und schiebt ihn in eine Parklücke auf dem Hof. „Unser Auftrag endet hier.“ Der Smart-Fahrer verzieht das Gesicht. Auf ihn warten nun langwierige Verhandlungen mit einem Händler, der keine Karosserien instand setzen kann, und mit einer Versicherung, die davon nichts wusste. „Wir haben das öfter, dass die Händler das Auto nicht annehmen“, sagt Haase. Dann gibt er dem Smart-Fahrer die Hand und geht. Der Typ tut ihm ein bisschen leid. Aber die Regeln hat schließlich nicht er gemacht.

Kran hebt Autos an

Haase fährt zurück zur Firma nach Rödelheim. Es ist Mittagszeit. Er nimmt sich immer Brote mit: Leberwurst und Käse. Manchmal auch Süßkram. Aber seine Frau achtet darauf, dass das nicht zu oft vorkommt. Geheiratet haben sie im vergangenen Herbst, im Sommer machen sie ihre Hochzeitsreise nach Djerba. Seine Frau hat schon zwei Kinder. Haase hat eine Tochter. Die hat er lange nicht mehr gesehen, die Trennung von seiner ersten Frau ist schon Jahre her. Jetzt geht es Haase wieder gut: „Wenn ich nach Hause komme, ist jemand da.“

Im Büro auf dem Firmengelände sitzt Juniorchef Alexander Meyer. Der große dunkelhaarige Mann ist 27 Jahre alt und trägt wie alle Kollegen orangefarbene Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe. Auf einem großen Flachbildschirm kann er sehen, wo die Firmenfahrzeuge im Einsatz sind. Zusammen mit seinem Vater hat sich Meyer junior auf das Bergen und Abschleppen von Lastwagen und Bussen spezialisiert. Zehn Fahrer inklusive Seniorchef hat das Unternehmen. Für einen normalen Einsatz im Stadtgebiet zahlen die Versicherungen zwischen 75 und 95 Euro.

Im Hof steht ein Kranfahrzeug, das gewartet wird. Mit dem Kran lassen sich Falschparker hochheben. Die Firma hat Fahrzeuge für jeden Zweck. Je nach Größe schlucken sie zwischen 14 und 28 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Allein Haases Fahrzeug kostet 80.000 Euro. Aber das ist fast nichts im Vergleich zu den Schleppern für Lastwagen und Busse; die kosten mehr als 320.000 Euro. So viel Geld muss erst einmal verdient werden. Am Führerhaus des Kranlastwagens steht: „Bruch tut Not, schafft Arbeit und Brot!“

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