Zwei Räder im Schnee : „Radeln im Winter ist kein Problem“
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Radfahren im Winter: Auch bei Kälte lässt es sich gut radeln. Bild: Bernd WüZB
Auch in den kalten Monaten nutzen viele das Rad. Winterradler sollten aber auf ein paar Dinge besonders achten, sagt Bertram Giebeler, Sprecher des Frankfurter ADFC.
In Frankfurt ist Schnee gefallen. Fahren Sie trotzdem weiter Rad?
Ja, natürlich. Was wir in Frankfurt als Winter kennen, ist normalerweise kein ernsthaftes Problem für Radfahrer.
Wann stellen Sie das Radfahren ein?
Bei ernsthaftem Glatteis und bei Schneeglätte, bei denen auch Autofahrer ihre Probleme haben, ihren Wagen zu beherrschen. Da ist mir das Risiko zu groß.
Fahren nicht manche Radler dann mit Spikes?
Das überlasse ich sportlicheren Naturen. Aber die Situation, dass die Stadt tief verschneit oder stark vereist ist, haben wir in Frankfurt alle zehn Jahre mal.
Früher gab es bei Schnee häufig Klagen von Radlern, die Radwege würden nicht geräumt oder gestreut. Hat sich da etwas verändert?
Wir hatten ja in den vergangenen Jahren keine massiven Schneefälle. Grundsätzlich gilt die Vorschrift, dass benutzungspflichtige Radwege geräumt werden müssen. Die Erfahrung der Radler lautet, dass bei einem starken Schneefall die Hauptstraßen bei der Räumung Priorität haben.
Ist das nicht richtig?
In manchen Ländern wird das anders gehandhabt. In Kopenhagen etwa, wo es längere und dunklere Winter als bei uns gibt, werden als Erstes die Radwege geräumt. Das hätte ich auch gerne in Deutschland. Ein Problem besteht bei uns darin, dass bei Straßen mit Radstreifen der Schnee oft auf den Radstreifen geräumt wird, anstatt diesen frei zu machen. Aber wir gehen davon aus, dass die FES und die Frankfurter Fußwegereinigung ihren Job richtig machen. Dann ist das Radfahren im Winter kein grundsätzliches Problem.
Sind Sie als Winterradler eine Ausnahme in Frankfurt?
Wenn Sie auf die Straßen schauen, werden Sie sehen, dass einige Radler unterwegs sind. Deren Zahl verkleinert sich im Winter, aber es gibt doch viele, die sich durch die Witterung nicht abschrecken lassen.
Worauf muss man als Winterradler achten?
Auf die richtige Kleidung, auf ein angepasstes Fahrverhalten und auf ein gut funktionierendes Fahrrad.
Stichwort Kleidung: Holt man sich in diesen Tagen nicht schnell eine Erkältung oder gar eine Lungenentzündung auf dem Rad?
Nein. Hier gilt die alte Wahrheit: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur eine falsche Bekleidung.
Welche Kleidungstipps geben Sie Winterradlern?
Man sollte auf der Arbeit einen etwas sportlicheren Dresscode mit dem Chef vereinbaren. Zudem sollte man Ersatzschuhe im Büro oder der Werkstatt deponieren. Weiterhin empfehle ich Radlern, eine weite Überhose zu tragen, die auch gegen Verschmutzung schützt. Im Sportartikel-Handel bekommt man im Übrigen alles, was man fürs Winterradeln braucht.
Wie steht’s mit der Sicherheit?
Ich persönlich fahre im Winter grundsätzlich etwas langsamer und in kleineren Gängen. Man kann dann einfach schneller auf gefährliche Situationen reagieren. Wenn man weiß, dass man für einen Weg normalerweise 20 Minuten benötigt, sollte man fünf Minuten mehr einkalkulieren.
Wie muss das Fahrrad im Winter ausgestattet sein?
Wenn winterliche Verhältnisse etwas länger anhalten, entölt die Kette eines Fahrrads schneller. Auch die Bremsen nutzen sich durch die stärkere Verschmutzung bei Schmuddelwetter mehr ab. Auf Kette und Bremsen muss man deshalb im Winter stärker achten als sonst.
Was ist mit dem Licht?
Gutes Licht ist absolut zwingend. Man muss sich vergegenwärtigen, dass der Autofahrer einen in der dunklen Jahreszeit schlechter sieht. Also nie losradeln, wenn man sich seiner Beleuchtung nicht sicher ist. Ich empfehle sogar, sich zusätzlich eine Batteriebeleuchtung zuzulegen und mitzuführen, damit man bei einem Ausfall des normalen Lichts sich die Batterielampe schnell ans Rad anklemmen kann. Die gibt es für kleines Geld bei jedem Fahrradhändler.
In Bahnen und Bussen kann man das Rad mitnehmen. Wann sollten Radler dieses Angebot nutzen?
Normalerweise setze ich mich nicht aufs Fahrrad, um es dann in der Bahn mitzunehmen. Wenn die Wetterverhältnisse so sind, dass man eigentlich nicht Rad fahren will, sollte man es lieber ganz lassen und gleich die Bahn oder den Bus nehmen. Es würde auch nicht funktionieren, wenn jeder um 8 Uhr mit dem Rad in die U-Bahn steigen würde. Die Möglichkeit, das Rad in öffentlichen Verkehrsmitteln mitzuführen, ist gut in Situationen, wenn es plötzlich stark schneit oder regnet. Radler müssen aber dann rücksichtsvoll sein und eventuell auf die nächste Bahn warten, wenn die erste zu voll ist.