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Bauten der Nachkriegsmoderne : Mehr als graue Betonburgen

Viel Beton, aber auch viel Grün: Ben Kuhlmann zeigt die gestalterischen Besonderheiten der Nachkriegssiedlungen, darunter der Nordweststadt. Bild: Ben Kuhlmann

Die Siedlungen der Nachkriegszeit haben nicht den besten Ruf. Eine Ausstellung in Frankfurt und ein Architekturführer suchen nach den besonderen Qualitäten dieser Epoche.

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          Wenn vom Siedlungsbau der Nachkriegszeit die Rede ist, fallen oft Schlagworte wie „graue Betonburgen“ oder „gesichtslose Hochhausklötze“. Das ist das Klischee. Aber, wer hat sich bei einem Spaziergang durch eine dieser Siedlungen nicht schon bei dem Gedanken ertappt, dass diese Architektur in ihrer schieren Monumentalität fast schon wieder gut ist? Eine Ausstellung, die demnächst im Werkbund-Forum zu sehen ist, und ein neues Buch kämpfen gegen den schlechten Ruf der Nachkriegshochhaussiedlungen – unter anderem mit faszinierenden Fotos voller Kontraste von Ben Kuhlmann und Malte Sänger.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir wollen mit den immer noch sehr verbreiteten Vorurteilen aufräumen, dass diese Siedlungen monoton, grau und unpersönlich seien“, schreibt Maren Harnack, Architekturprofessorin an der University of Applied Sciences, die den kleinen Architekturführer gemeinsam mit Matthias Brunner und Nathalie Heger herausgegeben hat. An der ehemaligen Fachhochschule befasst sich das Forschungslabor Baukultur und Siedlungsbau der Nachkriegsmoderne mit dem Wohnungsbau der fünfziger bis siebziger Jahre.

          Betonklotz? Malte Sänger zeigt Bauten am Frankfurter Sonnenring.
          Betonklotz? Malte Sänger zeigt Bauten am Frankfurter Sonnenring. : Bild: Malte Sänger

          Harnack und ihre Kollegen stellen zehn Siedlungen in der Region vor und beschreiben die Genese von der Planung bis in die Gegenwart. Aus Frankfurt sind der Ben-Gurion-Ring, die Nordweststadt und der Sonnenring dabei. Aber auch Darmstadt-Kranichstein, die Gartenfeldsiedlung in Bad Homburg, die Wohnstadt Limes in Schwalbach und andere Quartiere tauchen auf.

          Die funktionale Trennung aufbrechen

          Mit dem Siedlungsbau suchten die Kommunen in den fünfziger Jahren nach einer Antwort auf die große Wohnungsnot nach dem Krieg. Aber auch private Investoren entdeckten die architektonische Großform für sich und bauten luxuriös ausgestattete Eigentumswohnungen. Die Autoren werben dafür, die Siedlungen unvoreingenommen zu betrachten: „Häufig wird behauptet, dass der Verdienst einer vollständigen Wohnungsversorgung mit weitgehend monotoner Gestaltung und funktionaler Einseitigkeit der Siedlungen erkauft wurde.“ Doch bei genauerem Hinsehen werde deutlich, dass die meisten Bewohner gerne dort leben und die Siedlungen und Freiräume gut gestaltet seien.

          Ein wenig kurz kommen städtebauliche Defizite wie die mangelnde Trennung zwischen privaten und öffentlichen Räumen. Zudem werden die Erdgeschosse der Wohnhochhäuser nur selten so genutzt, dass es für Passanten einen Grund gibt, dort einzukehren oder einzukaufen. In einem lesenswerten Interview mit Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und anderen wird deutlich, dass auch diese funktionale Trennung in den Siedlungen aufgebrochen werden muss. Das sollte die Stadt bei der Planung neuer Stadtteile beherzigen.

          Ausstellung „Nix zu sehen“

          Die Ausstellung „Nix zu sehen“ wird am 18. September um 19 Uhr im Forum des Werkbundes, Weckmarkt 5, eröffnet und ist bis zum 9. Oktober dienstags, mittwochs und donnerstags zwischen 15.30 und 18.30 Uhr zu sehen. Das Buch „Wohnen in der Nachkriegsmoderne“ von Maren Harnack, Matthias Brunner, Natalie Heger (Hg.) ist im Deutschen Kunstverlag erschienen, hat 104 Seiten und kostet neun Euro.

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