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Einwohner werden jünger : Bald eine Dreiviertelmillion Frankfurter

Ihr Kinderlein, kommet! Die Frankfurter werden jünger, zumindest im Schnitt Bild: dpa

Immer mehr Kinder werden geboren, das Durchschnittsalter sinkt. Die Wanderungsbilanz mit dem Umland ist allerdings negativ.

          In ein paar Wochen dürfte es so weit sein: Dann hat Frankfurt 750.000 Einwohner. Bei der bisher letzten Erfassung im Sommer waren es 744 115, inzwischen dürfte die Marke von einer Dreiviertelmillion fast erreicht sein. Denn seit 15 Jahren wächst die Stadt permanent. Laut dem gestern vorgestellten „Statistischen Jahrbuch 2018“ hat die Einwohnerzahl von 2003 bis 2017 um 120.000 zugenommen. Das sei ein Zuwachs in der Größenordnung der Nachbarstadt Offenbach, sagte der für Statistik zuständige Stadtrat Jan Schneider (CDU). Allein im vergangenen Jahr, das letzte im Berichtszeitraum des Jahrbuchs, habe die Einwohnerzahl um 11 469, also rund 1,6 Prozent zugelegt.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf mehr als 500 Seiten und in interaktiven Anwendungen im Internet haben die städtischen Statistiker Daten und Fakten zusammengestellt, in denen sich Lage und Entwicklung der Stadt spiegeln. Über allem steht dabei das Wachstum – nicht nur in der Einwohnerzahl, sondern auch in der Wirtschaft und vielen anderen Lebensbereichen. Allerdings unterscheiden sich die Stadtteile stark, wie aus der ebenfalls vorgestellten neuen Ausgabe der „Materialien zur Stadtbeobachtung“ hervorgeht.

          Ein Plus von 260 Prozent

          Ausschlaggebend für das Wachstum einzelner Stadtteile sind die Neubaugebiete. Die meisten Wohnungen entstanden in den vergangenen Jahren am Riedberg, im Frankfurter Bogen und im Europaviertel. Dementsprechend nahm zwischen 2003 und 2017 im Ortsbezirk Kalbach/Riedberg die Bevölkerung um 260 Prozent zu, in Preungesheim waren es 86 Prozent und im Gallus 58 Prozent.

          Dass Frankfurt eine internationale Stadt ist, dürfte weithin bekannt sein. Aber auch diese Eigenschaft ist nicht überall gleichmäßig ausgeprägt. Von den weltweit 197 Nationalitäten sind 177 in der Stadt insgesamt vertreten, in Bockenheim 142, im Gallus 139 und in Sachsenhausen und Niederrad jeweils 128. Am Ende der Liste stehen Nieder-Erlenbach und Berkersheim – was allerdings auch daran liegt, dass diese Ortsbezirke viel kleiner sind als die Spitzenreiter der Nationalitäten-Skala.

          Überraschend mag für den einen oder anderen sein, dass Frankfurt einen negativen Wanderungssaldo zum Umland hat: Seit 2003 ziehen mehr Menschen von der Stadt in die Nachbarkommunen als umgekehrt. Schneider sieht darin einen Beleg für die Eigenschaft Frankfurts als „Arrival City“. Zuwanderer aus anderen Bundesländern oder dem Ausland kämen etwa aus beruflichen Gründen zunächst in die Rhein-Main-Metropole, um dann nach einigen Jahren, etwa weil sie nach einer Familiengründung mehr Platz benötigten, ins Umland zu ziehen.

          Ende der „Babyboomer-Jahre“

          Frankfurt wächst nicht nur durch Zuzüge – auch die Geburtenzahl nimmt seit 2003 mit leichten Schwankungen zu. Im vergangenen Jahr wurden in der Stadt rund 9000 Kinder geboren, das sind so viele wie zuletzt 1967, also am Ende der „Babyboomer-Jahre“. Dem entspricht ein steigender Anteil von Familien: Während die Bevölkerung von 2003 bis 2017 um 19 Prozent zulegte, stieg die Zahl der Familien um 24 Prozent auf zuletzt rund 75 500. Noch steiler verläuft die Wachstumskurve bei den Schulanfängern: Von 2007 bis 2017 stieg ihre Zahl um fast 26 Prozent. Das Durchschnittsalter sank trotz steigender Lebenserwartung in etwa demselben Zeitraum von 41,5 auf 40,8 Jahre. Am niedrigsten liegt es in Kalbach-Riedberg mit 35,2 Jahren, am höchsten in Bergen-Enkheim mit 44,2 Jahren.

          Getrieben wird der Bevölkerungszuwachs von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote beträgt in Frankfurt 5,6 Prozent und ist damit so niedrig wie noch nie seit Erscheinen des ersten Statistischen Jahrbuchs in den achtziger Jahren. Das in der Stadt erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen 2003 und 2016 um 25,2 Prozent auf 66,9 Milliarden Euro. Einen besonderen Boom erlebt das Bauhauptgewerbe. Nachdem die geleistete Arbeitszeit Frankfurter Bauunternehmen zwischen 2003 und 2015 zwischen 400.000 und 600.000 Stunden schwankte, folgte 2016 ein Sprung auf mehr als 800.000 Stunden und 2017 eine weitere Zunahme auf 896.000 Stunden.

          Die rege Bautätigkeit schlägt sich im Wohnungsbestand nieder. Im vergangenen Jahr wurden gut 4000 Wohnungen fertiggestellt. An der Spitze der Stadtteile lag, bedingt vor allem durch das Europaviertel, das Gallus mit 1443 neuen Wohnungen, es folgten mit großem Abstand Kalbach/Riedberg, Sachsenhausen-Süd und das Ostend. Die meisten Wohnungen insgesamt, nämlich 22.697, gab es 2017 in Bockenheim, die wenigsten, nämlich 1801, in Berkersheim.

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