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Frankfurter Bahnhofsviertel : Bedrohung durch die Drogenszene

Lagerstätte: An der Weißfrauenkirche haben sich Roma über den Sommer ein Schlaflager errichtet. Die Beschwerden von Anwohnern nehmen zu. Bild: Bernd Kammerer

Niddastraße, Hauptbahnhof, Weißfrauenkirche: Die Drogenszene hat einige Orte in Frankfurt fest im Griff. Nun will der Sicherheitsdezernent der Stadt reagieren.

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          Die Polizei ist schon wieder da. In Schrittgeschwindigkeit fährt der Streifenwagen durch die Niddastraße, hält an. Die Beamten schauen in die Nebenstraßen hinein, schließlich bleibt das Fahrzeug an der Ecke zur Düsseldorfer Straße stehen. Dort, vor der Sparkassenfiliale, stehen die Dealer üblicherweise und verkaufen Haschisch. Doch an diesem Mittwoch sind auffallend wenige da. Vielleicht, weil es erst am Tag zuvor wieder eine Festnahme gegeben hat. Vielleicht auch, weil die Polizei neulich einige der Depots ausgehoben hat. Die Beamten kontrollieren die Szene inzwischen täglich.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          Dennoch macht sich allmählich Frust unter den Beamten breit. Offiziell hält sich das Polizeipräsidium bedeckt, wenn es gefragt wird, warum so viele der jungen Dealer schon einen Tag nach der Festnahme wieder an der Niddastraße oder anderswo stehen und Drogen verkaufen. Unter der Hand jedoch berichten Polizisten mittlerweile öfter davon, dass sie sich in ihrer Arbeit eingeschränkt fühlten. Entweder bekämen sie keine richterliche Genehmigung, wenn sie einen Dealer über einen längeren Zeitraum observieren wollten. Oder die Amtsrichter erließen nach einer Festnahme keine Untersuchungshaft.

          Geschäftsleute fühlen sich alleine gelassen

          In diese Kerbe schlägt nun auch der Frankfurter Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU), der am Montag im Sicherheitsausschuss des Stadtparlaments sagte, er wundere sich, warum manche Richter im Fall von polizeibekannten Drogendealern derart lax seien. Dem widersprach gestern der Präsident des Frankfurter Oberlandesgerichts, Roman Poseck. Er habe keine Hinweise darauf, dass die Richter in Frankfurt zu lasch entschieden. Darüber hinaus fände er es besser, „wenn Stadt und Justiz miteinander reden als übereinander“.

          Die Geschäftsleute an der Niddastraße und an der Düsseldorfer Straße fühlen sich sowohl von der Stadt als auch von der Justiz alleingelassen. Erst vor wenigen Tagen hatte ein Geschäftsmann darüber geklagt, dass seine Mitarbeiter und er von Dealern bedroht worden seien. „Inzwischen hat man hier regelrecht Angst“, berichtet er. Bei der Polizei habe er mittlerweile wenigstens feste Ansprechpartner, die Stadt Frankfurt hingegen unternehme nichts, um zumindest das Gefühl zu vermitteln, „dass man die Sorgen der Menschen, die hier täglich ein und aus gehen, ernst nimmt“.

          Beschwerden über die Zustände im Hauptbahnhof nehmen zu

          Sicherheitsdezernent Frank sagt, er sei schon mit Geschäftsleuten an der Niddastraße im Gespräch, „aber sicherlich kann man das noch intensivieren“. Er kenne und verstehe die Sorgen. Das Ordnungsamt unternehme aber „schon jetzt eine Menge, um die Landespolizei zu unterstützen“. Offenbar kommt aber gerade die Arbeit des Ordnungsamts bei den Bürgern nicht an. Ein Geschäftsmann, der täglich an der Niddastraße unterwegs ist, klagt darüber, dass sich auf den Bürgersteigen immer wieder Hinterlassenschaften ekliger Art fänden. „Das muss doch irgendjemand einmal säubern.“ Frank sagt: „Das Ordnungsamt hat das sehr wohl im Blick und geht auch dagegen vor.“

          Die Niddastraße ist derzeit nicht das einzige Problemviertel, das die Stadtpolitik beschäftigt. Schon seit Monaten nehmen auch die Beschwerden über die Zustände im Hauptbahnhof immer weiter zu. Zwar seien die Deutsche Bahn und ihr konzerneigenes Sicherheitspersonal für die Ordnung im Gebäude zuständig, sagt Frank. Die Klagen von Bürgern über die B-Ebene häuften sich jedoch. Die Drogendealer, die ihr Rauschgift nicht mehr auf der Straße verkauften, seien offenbar dorthin abgewandert. Auch säßen sie vermehrt an den Abgängen. Viele Bürger hätten sich deshalb in den vergangenen Wochen an die Stadt gewendet. Er habe deshalb auch bereits mit der Deutschen Bahn gesprochen.

          Matratzenlager an der Weißfrauenkirche

          Der CDU-Politiker hofft nun auf den Umbau der B-Ebene, die das Unternehmen plant. Danach, so sagt er, könne er sich nicht mehr vorstellen, dass die Bahn es noch dulden werde, wenn sich Dealer dort aufhielten, geschweige denn ihren Stoff verkauften. Bis dahin wolle er das Terrain selbst auch im Blick behalten.

          Beschwerden gibt es seit geraumer Zeit auch an der Weißfrauenkirche. Dort haben sich mittlerweile Dutzende Roma niedergelassen, die das Angebot der Kirche wahrnehmen, sich dort tagsüber verpflegen zu lassen. Speziell in den Abendstunden bauen sie dann ganze Matratzenlager auf. Die Klagen richteten sich vor allem gegen die Verunreinigung durch Müll und diverse menschliche Ausscheidungen, wie Frank berichtet. Der Zustand an der Kirche sei nicht mehr hinnehmbar. Er sei „mit Hochdruck“ dabei, eine Lösung zu finden, beteuert der Sicherheitsdezernent und fügt hinzu: „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Situation so klären können, dass am Ende alle zufrieden sind.“

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