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Für guten Zweck : Der Bahnbabo und sein stabiler Pulli

Zu haben: Der Bahnbabo versteigert seinen Fuchspulli für einen guten Zweck Bild: Privat

Der Frankfurter Straßenbahnfahrer Peter Wirth ist als muskelbepackter Bahnbabo zum Kult geworden. Jetzt gibt er Stricktipps - und trennt sich von seinem Lieblingspulli, um Kindern eine Freude zu machen. Stabil.

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          Nein, es geht hier nicht um ein besonders reißfestes Kleidungsstück. „Stabil“, das ist Jugenddeutsch und heißt soviel wie cool. Und wenn jemand cool, also stabil ist, dann der Frankfurter Straßenbahnfahrer Peter Wirth. Als „Bahnbabo“ hat er es mit guter Laune, guten Sprüchen und gut getöntem Teint zu einiger Berühmtheit gebracht. In der Generation Instagram genießt er Kultstatus, von ihr hat er auch den Ehrentitel „Babo“ bekommen, was soviel wie Chef bedeutet. Das hat natürlich mit seinem beeindruckenden Bizeps und dem Spagat zu tun, den er sowohl horizontal als auch vertikal beherrscht, liegt aber auch daran, dass er die Jugend in ihrer Sprache anspricht und dabei durchaus Bedenkenswertes zu sagen hat.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dafür, dass so ein stabiler Typ einen stabilen Pullover bekommt, sorgt Peter Wirths Frau Heike. Mit ihr ist er seit mehr als 40 Jahren glücklich liiert, und sie kann hervorragend stricken. Der Wollpulli, den sie zuletzt für ihren Mann gemacht hat, ist ein Prachtexemplar: Das ebenso modern wie witzig interpretierte Norwegermuster schmiegt sich um den Oberkörper, ein Kranz bebrillter Fuchsköpfe ziert den Träger, wie es sonst allenfalls die Amtskette des Oberbürgermeisters täte.

          Wolle, Liebe und Eisen

          Entsprechend groß war die Begeisterung, als Wirth ein Foto von sich im Fuchspulli auf Twitter postete. Verspiegelte Brille, enge Jeans, lässig an einen knallgelben Fiat Abarth gelehnt: So stabil bekommt das nur der Bahnbabo hin. Zumal er die Pose mit einer Liebeserklärung an seine Frau verbindet – die Online-Community ist verzückt. „Wo kann man den Pulli bestellen ... und muss man dazu heiraten, oder geht das auch so?“, fragt ein User. Darauf der Babo: „Du musst lieben, das ist das Geheimnis...“ Und er gibt einen Einblick ins Privatleben: „Bei uns zu Hause wohnt Wolle und Eisen ... Es liegen überall Stricknadeln und Hantelscheiben.“

          Aber mit Garn und Liebe allein bekommt man so einen Pulli dann auch wieder nicht hin. Es braucht auch einen Plan. Den, das hat uns der Bahnbabo verraten, kann man im Internet bestellen. Der Unisex-Pullover ist nämlich nach dem Strickmuster „ForFoxSake“ des kanadischen Designers Maxim Cyr entstanden.

          Versteigern für einen guten Zweck

          Für 9 Euro ist die englische Anleitung erhältlich. Für einen geübten Stricker sei das Muster durchaus machbar, meint der Bahnbabo. „Die Rundpasse wird mit bis zu vier verschiedenen Fäden, also Farben gestrickt.“ Nach einem Monat fleißiger Handarbeit sei das Werk vollendet.

          Was aber machen diejenigen, die weder mit Stricknadeln umgehen können noch einen einschlägig begabten Partner an ihrer Seite haben? Heike und Peter Wirth haben da einen Vorschlag: Sie wollen den Pulli für einen guten Zweck versteigern – und zwar zugunsten des Frankfurter Vereins „MainLichtblick“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern mit Krankheiten, Beeinträchtigungen oder in Lebenskrisen einen Herzenswunsch zu erfüllen. Für den Verein engagiert sich der Bahnbabo schon länger, unter anderem hat er für ihn seinen beim „Hessenquiz“ des Hessischen Rundfunks gewonnenen Pokal und seine Lieblingskrawatte versteigert. Dass er sich bei einem guten Gebot von dem Pulli trennen müsse, könne er verschmerzen, meint der Achtundfünfzigjährige. Seine Frau werde ihm bestimmt einen neuen stricken.

          Gebote bitte mit dem Betreff „Stabiler Pulli“ an rmz-forum@faz.de.

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