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Interview zu Personalmangel : Bäder-Master statt Bademeister gesucht

Im Frankfurter Brentanobad darf nur ins Wasser, wer auch wirklich schwimmen kann. Bild: dpa

Das Sommerwetter von Mai bis September hat viele Besucher in die Freibäder gelockt. Dem Frankfurter Bäder-Chef Frank Müller hat das aber auch Sorgen beschert. Und im Winter erwarten ihn einige Baustellen.

          War das ein guter Sommer für die Bäderbetriebe?

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ja, einer der drei besten seit 2000. Der beste war 2003 mit 1,2 Millionen Besuchern, in diesem Jahr hätten wir das vielleicht auch erreichen können, hätte das Riedbad nicht wegen eines Rohrbruchs so lange geschlossen bleiben müssen. Aber wenn das letzte Freibad am 7. Oktober schließt, werden wir wohl etwa 940.000 Besucher in dieser Saison gehabt haben. Das ist ein sehr gutes Ergebnis und auch dem unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiter geschuldet.

          Also ein rundum schöner Sommer. Gab es größere Sorgen?

          Mal abgesehen von den Nilgänsen und dem Rohrbruch in Bergen-Enkheim ist es vor allem die Personalknappheit, die uns Sorgen gemacht hat. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wirklich Enormes geleistet, manche haben bis zu 100 Überstunden in diesem Sommer gemacht. Die müssen und dürfen jetzt ausgeglichen werden.

          Finden Sie nicht genügend Personal?

          Qualifiziertes Personal ist Mangelware. Wir haben über 150 Mitarbeiter für die Freibäder im Einsatz. Bisher kamen auch noch viele von externen Dienstleistern dazu, aber in diesem Jahr haben wir, um unseren Qualitätsstandard zu erfüllen, 50 Mitarbeiter neu eingestellt und uns weitgehend von Leiharbeit getrennt. Denn auch die Dienstleister können uns oft nicht genügend Mitarbeiter stellen.

          Und Aushilfen?

          Das wird auch immer schwieriger, jede Stadt braucht im Sommer Leute für die Bäder. Früher konnten wir viel über Schüler, Studenten und DLRG-Mitglieder ausgleichen, heute ist das immer schwieriger. Schüler und Studenten haben oft keine Zeit mehr. Und die Bereitschaft, in der Sommer- und Ferienzeit an den Wochenenden zu arbeiten, nimmt ab – da wollen viele selbst frei haben.

          Bilden Sie denn genügend aus?

          Wir stellen jedes Jahr acht Auszubildende als künftige Fachangestellte für Bäderwesen ein. Aber es ist auch dafür schwer, Bewerber zu finden, obwohl wir als öffentlicher Arbeitgeber attraktiv sind.

          Gibt es noch andere Ideen?

          Wir müssen die Arbeit in den Bädern attraktiver machen und sind auf Bundesebene dabei, neue Berufsbilder zu entwickeln, eventuell auch als Studiengang mit mehr Entwicklungsmöglichkeiten. Moderne Bäder stellen auch technisch neue Herausforderungen, das braucht Fachleute ebenso wie die Leitung der Bäder und die Wasseraufsicht.

          Bäder-Master statt Bademeister?

          In etwa. Es könnte Bachelor- und Masterstudiengänge geben, allerdings nicht auf Bäder beschränkt, sondern in der gesamten Freizeitwirtschaft. Zudem erarbeiten wir intern gerade Personalentwicklungspläne, damit die Mitarbeiter Vorlieben einbringen und sich spezialisieren können. Der eine kümmert sich lieber um die Bädertechnik, andere bieten gern Kurse wie Babyschwimmen oder Aqua-Fitness an. Wir arbeiten auch mit Teilzeitmodellen und Jahresarbeitszeitkonten.

          Sind die personellen Engpässe der Grund dafür, dass nicht alle Bäder von 7 bis 21 Uhr geöffnet sein können, wie es sich viele Berufstätige wünschen?

          Ja, und die damit verbundenen Kosten. Denn auch wenn nur ein paar Frühschwimmer kommen, muss die Aufsicht gewährleistet sein, also eine komplette Schicht antreten. Wir wären gern flexibler, stoßen aber an Grenzen. Wir dürfen ja nicht gegen Arbeitszeitregeln verstoßen und wollen auch Standorte nicht unterschiedlich behandeln. Aber wir denken darüber nach, was möglich ist.

          Was könnte das sein?

          Dass man zum Beispiel das eine oder andere Bad doch mal bis 22 Uhr offen hält, dafür ein anderes früher schließt oder erst später öffnet. Das könnte man zum Beispiel über eine Art Bäderampel lösen. Wir planen eine Bäder-App, die anzeigt, wo man gerade schwimmen kann. Und für diejenigen, die gern vor der Arbeit ins Wasser wollen, gibt es Überlegungen, ob man einen Frühschwimmer-Club einrichtet, der das organisiert. Bäderland Hamburg hat das mit Erfolg realisiert.

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