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Keine Tram für Bad Vilbel : Aus der Zeit gefallen

Wird auch zukünftig nicht nach Bad Vilbel fahren: die Frankfurter Straßenbahn Bild: Ilkay Karakurt

In Zeiten, wo alle von Vernetzung und klimafreundlicher Mobilität sprechen, auch Bad Vilbel, ist es bedauerlich wenn sich die Kurstadt in der Wetterau gegen eine Straßenbahn entscheidet.

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          Man muss nicht ein Freund der Straßenbahn als modernem, umweltfreundlichem Verkehrsmittel sein. U- und S-Bahnen sind vermutlich die bessere Lösung, weil sie schneller mehr Menschen transportieren können, mithin effizienter sind. Doch eines steht fest: Ein Bus kann eine wunderbare Ergänzung sein, aber er ist als Transportmittel nicht geeignet in einer Region, die als Pendlerhochburg gilt, die große Zahl an Menschen zu transportieren, die notwendig ist, um für die dringend notwendige Entlastung auf den Straßen zu sorgen. Ein Bus ist nichts für eine zentrale Verkehrsverbindung.

          Mit dem Nein Bad Vilbels zu einer Straßenbahn von Frankfurt bis mitten in den Ort hinein nimmt sich die Kurstadt die Chance, ihren Bürgern ein attraktives öffentliches Nahverkehrsangebot anzubieten, und die Möglichkeit, sich als wichtige Umlandkommune besser, umweltfreundlicher eben, mit der Großstadt zu verbinden. Regionalpolitisch ist die Entscheidung bedauerlich, und in Zeiten, in denen es allenthalben um Vernetzung geht, wirkt sie wie aus der Zeit gefallen.

          Sicherlich: Bad Vilbel hat mit der S-Bahn einen zeitgemäßen An­schluss. Der viergleisige Ausbau der Strecke nach Friedberg wird die Situation für die Bad Vilbeler enorm verbessern. Doch die direkte Verbindung nach Frankfurt werden weiterhin viele mit dem Auto zurücklegen. Schließlich hatte die vor zwei Jahren von beiden Städten in Auftrag gegebene Potentialstudie gezeigt, dass mit einer Straßenbahn 50 Prozent mehr Fahrgäste zu gewinnen seien.

          Bad Vilbels Bürgermeister Sebastian Wysocki (CDU) glaubt in der Nach-Corona-Ära, da sich Homeof­fice etabliert habe, nicht mehr an diese Zahlen. Und was passiere, sagte er, wenn Pendler aus Nachbarkommunen, etwa aus dem Main-Kinzig-Kreis, auf die Idee kämen, in der Wetterauer Kurstadt zu parken, um von dort mit der Straßenbahn nach Frankfurt zu fahren? Dann müsse ja Bad Vilbel für Parkplätze sorgen.

          Bad Vilbel findet sich mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber Straßenbahnen in bester Gesellschaft. Hatten doch die Wiesbadener sich per Bürgerentscheid Ende 2020 gegen Straßenbahnen entschieden, da diese Straßenraum und unattraktive Oberleitungen benötigen. Auch Bad Vilbel verweist auf das Stadtbild, „das sich massiv zum Schlechteren verändere“. Unerwähnt bleibt, dass damit beide Städte auf eines setzen: auf das Auto als Verkehrsmittel und darauf, sich selbst zu genügen. Die Ankündigung der Bad Vilbeler Koalition, „wir werden unseren Beitrag zur Verkehrswende und klimafreundlichen Mobilität leisten“, sollte bald Handeln folgen.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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