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Mobilitätswende : Aus für Straßenbahn nach Bad Vilbel

Geradeaus: So hätte die Linie 18 nach Bad Vilbel fahren können. Bild: Ilkay Karakurt

Vor zwei Jahren wollten noch beide Städte, Bad Vilbel und Frankfurt, den öffentlichen Nahverkehr umweltfreundlich ausbauen. Doch jetzt fürchtet Bad Vilbel die Trasse mitten durch die Stadt.

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          Deutlicher hätten es die beiden Mehrheitsfraktionen in der Kurstadt nicht formulieren können: „Die Koalition will keine Straßenbahn durch Bad Vilbel.“ Damit beerdigen CDU und SPD ein verkehrspolitisches Vorhaben, das vor mehr als zwei Jahren der große Nachbar, die Stadt Frankfurt, angestoßen hatte, um den vielen Pendlern ein attraktives Angebot zum Umsteigen in den öffentlichen Nahverkehr zu machen. Zudem hoffte der damalige Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), den Verkehr auf der Friedberger Landstraße als zentraler Einfallstraße von Bad Vilbel zu verringern und die Dieselbusse auf der von Frankfurt-Sachsenhausen nach Bad Vilbel fahrenden Linie 30 durch ein umweltfreundliches Transportmittel zu ersetzen. Schließlich rang die Großstadt in dieser Zeit mit der Herausforderung eines generelles Fahrverbots für ältere Dieselfahrzeuge.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Bad Vilbeler Koalition aus CDU und SPD begründet ihre Ablehnung mit der Trassenführung, die das „Stadtbild Bad Vilbels massiv zum Schlechteren verändern“ und den Anwohnern Lärmbelastung bescheren würde. Zudem müssten die erst in den vergangenen Jahren geschaffenen Kreisel in der Stadt zurückgebaut und an der Alten Frankfurter Straße rund 100 Bäume gefällt werden sowie sämtliche Parkplätze und Radwege wegfallen. Das sei „für Anwohner und Gewerbetreibende eine Katastrophe“. Die stärkste Kritik entzündet sich für die Bad Vilbeler an der Tatsache, dass die im Januar 2020 von der Stadt Frankfurt gemeinsam mit der Stadt Bad Vilbel in Auftrag gegebene Potentialanalyse zwar die fünf Kilometer lange Straßenbahnverbindung als machbar eingestuft habe, da sie wirtschaftlich rentabel und wegen der zu erwartenden Fahrgastzahlen auch förderfähig sei. Doch die Analyse habe auch deutlich gemacht, so die Fraktionen in ihrer Mitteilung, dass dies nur für eine bestimmte Trassenführung gelten würde, und diese führe mitten durch die Stadt.

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