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Hilfe für Eltern : Kinderschutzbund will Babylotsen für ganz Hessen

Helfer bei Überforderung: Eltern sollen sich bald hessenweit von Babylotsen helfen lassen können. (Symbolbild) Bild: dpa

Eltern können in der Anfangszeit mit dem Nachwuchs überfordert sein. Dann lohnt es sich, Hilfe zu suchen, meint Babylotsin Melanie Bulling. Das Programm habe sich in Frankfurt bewährt.

          Die junge Frau, von der Melanie Bulling, Babylotsin am Krankenhaus Sachsenhausen, in der Orangerie des Kinderschutzbundes berichtet, war eigentlich eine unauffällige Kandidatin: gut situiert und strukturiert, der Fragebogen hatte vorab lediglich ergeben, dass der Ehemann viel arbeitet und oft auf Dienstreisen ist. Sie bekam ihr zweites Kind, einen Jungen, und schon kurz nach der Geburt zeigte sich, dass sie sehr angestrengt und nervös war. Das erste Kind, ein Mädchen, war gerade in der Eingewöhnungsphase im Kindergarten. Der Junge brüllte viel, die Mutter berichtete, dass sie sich deswegen kaum aus dem Haus traue und zudem zu nichts komme.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein Hausbesuch der Babylotsin machte schließlich klar: Die Frau war überfordert. Das Kind war nach Tagen noch nicht angemeldet, es stapelten sich Wäsche und Papiere. Bulling vermittelte eine Familienhebamme, half beim Ausfüllen der Dokumente, sorgte dafür, dass die Familie die junge Mutter unterstützte. „Und nach einigen Tagen konnte ich die Frau guten Gewissens in die Hände der Familienhebamme übergeben“, sagt Bulling. Nach ihrer Erfahrung sind es oft auch sozial gut gestellte Familien, die Hilfe benötigen.

          Frankfurter Erfolgsmodell

          „Niedrigschwellig“ und „stigmatisierungsfrei“ soll das Angebot der Babylotsen sein. Das Programm richtet sich an werdende und junge Eltern und soll ihnen bei allen Fragen Rat und Hilfe bieten. Es sind Geschichten wie die der jungen Mutter im Krankenhaus Sachsenhausen, die nach Meinung vieler deutlich machen, dass die Babylotsen, die es seit 2014 in Frankfurt gibt und seit 2017 dort flächendeckend, ein Erfolgsmodell sind.

          Weil es sich in Frankfurt bewährt habe, soll das Angebot nach dem Willen der Befürworter hessenweit eingeführt werden. Um Stiftungen, Kommunen, freien Trägern, Verbänden und Kliniken das Projekt vorzustellen, hatte der Kinderschutzbund Frankfurt, der hiesige Träger des Projekts, für Mittwoch zur Regionalkonferenz in die Orangerie eingeladen, und viele Interessierte waren dorthin gekommen. Babylotsen gebe es außer in Frankfurt bisher in Rüsselsheim, und in Wiesbaden beginne bald auch ein Programm, sagt Nicola Küpelikilinc, Projektleiterin beim Kinderschutzbund. „Wir wollen die Bemühungen verstärken und flächendeckend Babylotsen einführen.“

          Mit Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) und Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) hatte sich der Verein starke Fürsprecher geholt, die bei der Regionalkonferenz kräftig für das Projekt warben und voll des Lobes waren. Birkenfeld sprach von einem „sehr erfolgreichen Programm“, das ein „ganz wunderbares Aushängeschild für ein kinderfreundliches Frankfurt“ sei. Sie wies darauf hin, dass die Mainmetropole bundesweit die einzige Großstadt sei, die an allen Geburtskliniken Babylotsen eingeführt habe. Für Majer stellt sich die Frage, warum es das Programm nicht schon immer gegeben habe. „Aber so ist das eben bei den besten Ideen.“ Nach seinen Worten wird die Stadt alles tun, „was im Sinne der Weiterentwicklung des Projekts notwendig ist“.

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