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Frankfurter Kreisverband : AWO klagt gegen weitere Funktionäre auf Schadensersatz

  • Aktualisiert am

Vor Gericht: Richter muss sich unter anderem wegen einer Abfindungszahlung an seinen ehemaligen stellvertretenden Geschäftsführer verantworten. Bild: Björn Knetter

Die AWO Frankfurt hat die Schadenersatzklage gegen den ehemaligen Geschäftsführer Jürgen Richter erweitert. Verklagt werden jetzt auch dessen Ehefrau Hannelore, Ansgar Dittmar, Panagiotis Triantafillidis und die ehemalige Leiterin der Finanzbuchhaltung

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          Der Frankfurter AWO-Kreisverband hat die Schadenersatzklage ge­gen den ehemaligen Geschäftsführer Jürgen Richter erweitert. Verklagt werden jetzt auch Panagiotis Triantafil­lidis und die ehemalige Leiterin der Finanzbuchhaltung, außerdem das ehemalige Präsidiumsmitglied Ansgar Dittmar so­wie Hannelore Richter, die Ehefrau von Jürgen Richter, die den AWO-Kreisverband Wies­baden führte und Sonderbeauftragte in Frankfurt war.

          Die amtierende AWO-Spitze wirft Triantafillidis unter anderem vor, unzulässige Spenden an den Wies­badener Kreisverband veranlasst zu haben, wodurch dem Kreisverband Frankfurt erheblicher Schaden entstanden sei. Zudem hat er nach An­sicht der neuen AWO-Führung für Honorare, die er erhoben habe, keine Leistungen erbracht. Der ehemaligen Leiterin der Finanzbuchhaltung wird unter anderem vorgeworfen, Honorarzahlungen und Personalkosten nicht auf sachliche Richtigkeit überprüft zu haben. Hannelore Richter soll zwischen 2014 und 2017 auf Basis von Honorarverträgen rund 221.000 Euro erhalten, dafür aber keine Gegenleistungen erbracht ha­ben. Auch Dittmar wird vorgeworfen, Honorar ohne Gegenleistung er­halten zu haben.

          Von Jürgen Richter fordert die AWO rund 1,2 Millionen Euro zu­rück. Dabei geht es unter anderem um eine Spende des Kreisverbands Frankfurt in Höhe von 935.000 Euro an den Kreisverband Wiesbaden, zu­dem um Honorarkosten von 182.000 Euro für Triantafillidis. Dieser Vorgang war nach Angaben der AWO der Grund dafür, dass dem Verein die Gemeinnützigkeit entzogen wurde.

          Triantafillidis spricht von Schikane

          Triantafillidis bestreitet das. „Dem Verband ist die Gemeinnützigkeit entzogen worden, weil die aktuelle AWO-Führung nicht in der Lage war, den Betriebsprüfern die aufge­wor­fenen Fragestellungen, unter anderem im Hinblick auf die gegenständliche Rechnung, zu beantworten.“ Er begrüßt die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Kreisverband. „Es ist Zeit, den öffentlichen Verleumdungen zu meiner Person end­lich Einhalt zu gebieten.“ Triantafillidis hält die Klage für „unsubstantiert“. Er habe zu keinem Zeitpunkt an den Kreisverband Wiesbaden Spendenzahlungen veranlasst. Insgesamt wundert sich Triantafillidis über die „Spendendebatte“, immerhin seien die Spendenzahlungen vom früheren Vorstandsvorsitzenden des Kreisverbandes, Herrn Erich Nitzling, initiiert und bereits seit mindestens 2004 gängige Praxis zwischen den Kreisverbänden. Den früheren Vorstandsmitgliedern sei das bekannt gewesen. Dass Triantafillidis dafür zur Verantwortung gezogen werden soll, sei reine Schikane und dem Umstand geschuldet, dass man ein negatives Bild in der Öffentlichkeit erzeugen wolle.

          „Mit dieser Klage wird eine jahrzehntelange, den Wirtschaftsprüfern und Revisoren, den Aufsichtsgremien bekannte Praxis infrage ge­stellt. Sie ist auch steuerlich von den Behörden akzeptiert worden“, meint Bernhard Lorenz, Anwalt des Ehepaares Richter. Erstmals werde die Rolle von Hannelore Richter im Kreisverband wie der Johanna Kirchner-Stiftung zum Thema, ohne sie arbeitsrechtlich richtig als Arbeitnehmerin beider Einrichtungen einzuordnen.

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