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Affäre um Arbeiterwohlfahrt : Frankfurter Awo-Geschäftsführer Richter tritt zurück

Jürgen Richter zieht Konsequenzen aus der Finanz-Affäre: Der Geschäftsführer der Frankfurter Awo tritt zurück. Bild: Björn Knetter

Seit mehr als einem halben Jahr steht der Frankfurter Awo-Verband in der Kritik – unter anderem wegen undurchsichtiger Geldflüsse. Jetzt hat der umstrittene Geschäftsführer Jürgen Richter seinen Rücktritt erklärt.

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          Der umstrittene Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Frankfurt, Jürgen Richter, hat seinen Rücktritt erklärt. Mit diesem Schritt bestätigt Richter entsprechende Informationen dieser Zeitung. In der Erklärung des Geschäftsführers heißt es: „Ich erkläre daher zum heutigen Tage meinen Rücktritt. Damit verbinde ich kein Schuldanerkenntnis, räume aber ein, dass es in verschiedenen Phasen der laufenden Auseinandersetzung, Fehler unsererseits gegeben hat“.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es gehe jetzt darum, weiteren Schaden von der Arbeiterwohlfahrt abzuwenden und den begonnenen Aufarbeitungsprozess nicht zu belasten. „Die vielen haupt- und ehrenamtlich tätigen Menschen dürfen nicht länger verunsichert werden“, äußert Richter weiter. Zu den eigenen Fehler zählt er die Dienstwagenrichtlinie und „eine mangelnde Kommunikation“. Beide Fehler habe der Kreisverband „im Rahmen unserer Transparenzoffensive“ öffentlich gemacht.

          Der Frankfurter Awo-Verband steht seit mehr als einem halben Jahr unter anderem wegen undurchsichtiger Geldflüsse, hoher Honorare an Ehrenamtliche und Mobbingvorwürfen in der Kritik. Im Zusammenhang mit vermutlich ungerechtfertigt bezogenen Zuwendungen für Flüchtlinge ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts des Betrugs und der Untreue. Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), früher selbst in leitender Position für die Awo tätig, muss sich rechtfertigen.

          Seine Frau hatte als Leiterin einer deutsch-türkischen Awo-Kita, deren Gründung Feldmann mitinitiiert hatte, ein unüblich hohes Gehalt und einen Dienstwagen bekommen. Mit der Rolle Feldmanns werden sich am Nachmittag die Frankfurter Stadtverordneten in ihrer Sitzung im Rathaus Römer befassen.

          Richters Rücktrittsschreiben

          In seinem Rücktrittsschreiben beklagt Richter, der nach eigenen Worten seit 27 Jahren als Geschäftsführer tätig ist, dass die Debatte um die Arbeiterwohlfahrt „in den letzten Tagen zunehmend an Momentum gewonnen“ habe und zudem „immer öfter jedes Maß zu verlieren“ scheine. Die Arbeiterwohlfahrt werde seit einem Jahr „durch Presseberichterstattungen mit Kampagnencharakter überzogen“. Die dort erhobenen Vorwürfe, „die wesentlich aus entwendeten und anonym durchgestochenen, internen Dokumenten gespeist werden“, nehme er sehr ernst, „obwohl ich der Meinung bin, dass die eingeleiteten Aufklärungsmaßnahmen schlussendlich die Vorwürfe widerlegen werden“. Durch die „ständigen personalisierten Angriffe in den Medien“ seien seine Familie und er schwer getroffen worden – „teilweise auch gesundheitlich“. Dem könne und wolle er sich nicht länger aussetzen.

          Wie berichtet, will der Kreisverband außerdem schon im Januar ein neues Präsidium wählen. Turnusgemäß hätte die Wahl erst im Frühsommer 2021 stattgefunden. Der Vorsitzende des Präsidiums, Ansgar Dittmar, hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, der Kreisverband werde das Gehaltsgefüge und die tariflichen Eingruppierungen von Mitarbeitern „kritisch prüfen".

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