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Autowerkstatt : Schrauben und Schweißen ohne Gewähr

  • -Aktualisiert am

Zeit ist Geld in der Autohobby-Mietwerkstatt Bild: F.A.Z. - Michael Hauri

Zehn Euro kostet die Hebebühne in der Stunde, Werkzeug inklusive: In einer Mietwerkstatt in Frankfurt-Nied können Bastler ihre Autos selbst reparieren oder einen Mechaniker mieten - auf eigenes Risiko.

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          Sehper Ghazari hat keine Zeit für lange Erklärungen. „Wir wollen hier in einer guten Stunde fertig sein“, sagt der Iraner, während er mit einem langen Schraubenschlüssel eine Mutter festzieht. Zwei Meter über dem Boden steht ein schwarzer Fiat Punto auf der Hebebühne. Die Kupplung ist schon seit Tagen kaputt. Dabei braucht Ghazaris Mutter das Auto dringend zum Einkaufen.

          Mit schnellen, präzisen Bewegungen dreht er Muttern auf und wechselt Teile aus. Hin und wieder wischt er sich Schweiß und Ölspuren aus dem Gesicht. Wie am Operationstisch reicht ihm ein Freund die Werkzeuge, die im Kasten auf dem Boden akkurat sortiert sind. Es soll schnell gehen. Denn Zeit ist Geld, hier in der Autohobby-Mietwerkstatt am Nieder Kirchweg, in der Ghazari heute einen Platz reserviert hat.

          „Bei uns repariert jeder sein Auto selbst“

          Zehn Euro kostet die Hebebühne in der Stunde, Werkzeug inklusive. Man kann auch für acht Euro einen normalen Stellplatz oder für einen Euro mehr eine sogenannte Grube mieten – für besonders hohe Fahrzeuge, die nicht auf die Hebebühne passen. Aus einem anderthalb Meter tiefen Schacht, über dem das Fahrzeug geparkt wird, kann ein Mechaniker dort Motor und Getriebe begutachten und kleinere Mängel beheben. Einen Aufpreis zahlt, wer zum Beispiel mit dem hauseigenen Schutzgas-Schweißgerät oder hydraulischen Presswerkzeugen arbeiten möchte, die man in der Werkstatt ebenfalls mieten kann.

          In der Halle der Mietwerkstatt riecht es nach Maschinenöl und Gummireifen
          In der Halle der Mietwerkstatt riecht es nach Maschinenöl und Gummireifen : Bild: F.A.Z. - Michael Hauri

          Sehper Ghazari war schon am Tag zuvor mit seinem Helfer in der Werkstatt. Vier Stunden haben die beiden gearbeitet – macht schon mal vierzig Euro. Jetzt wollen sie keine unnötige Zeit mehr verlieren. „Das Problem ist, dass ich zum erstenmal eine Kupplung auswechsle“, sagt der Einunddreißigjährige, der beruflich als Portier in einem Frankfurter Hotel arbeitet. Alles, was er über Autos wisse, habe er bei seinen großen Brüdern in Iran gelernt. Strenge TÜV-Prüfungen und Kfz-Meisterbriefe gebe es da nicht. „Bei uns repariert jeder sein Auto selbst.“

          Neben Ghazari schraubt ein Bulgare an einem alten VW-Kombi herum. Im hinteren Teil der großen Halle richtet eine südländisch aussehende Gruppe einen Lieferwagen her. Kinder springen um die Arbeitenden herum. Türkische und osteuropäische Gesprächsfetzen tönen durch die Werkstatt und mischen sich mit dem Lärm von Schleifmaschinen. Immer wieder fällt ein Schraubenschlüssel klirrend zu Boden. Obwohl das große Tor der Halle geöffnet ist, riecht es streng nach Maschinenöl und Gummireifen.

          Der Mechaniker hilft - gegen Stundenlohn

          An manchen Arbeitsplätzen liegen zertretene Kaffeebecher aus Pappe und Zigarettenschachteln auf dem Boden. Durch eine lange Fensterfront an der Zwischenwand sieht man den Anmelderaum der Mietwerkstatt, in dem gerade ein neuer Kunde steht. Dort haben die Betreiber auch kleinere Ersatzteile, Kabelrollen und Sprühlack in verschiedenen Farben deponiert, die Kunden bei Bedarf kaufen können. Alles, was nicht in der Auslage liegt, könne binnen weniger Stunden bei einem großen Ersatzteillieferanten in der Nähe besorgt werden, sagt Geschäftsführer Stephan Roth.

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