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Helmut Schwan (hs.)

Autoraser : Der Schrecken der Straße

  • -Aktualisiert am

Auf der Flucht vor der Polizei rammte ein Raser in der Frankfurter Innenstadt mit seinem Sportwagen ein anderes Fahrzeug. Bild: Bernd Kammerer

Wieder hat in Frankfurt ein Autoraser für einen Unfall mit einem Schwerverletzten gesorgt. Um den Druck auf die Szene zu erhöhen, müssten wesentlich früher als bisher Führerscheine entzogen werden.

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          Jeder schwere Unfall, in dem überhöhte Geschwindigkeit die Ursache war, ist anders. Das gilt für die Umstände, die Verfassung der Beteiligten wie für die Gründe, die es vielleicht gab, zu schnell zu fahren. Allerdings ist den schrecklichen Ereignissen der vergangenen Monate gerade in Frankfurt gemein, dass sie offenbar überwiegend von einer menschenverachtenden Rücksichtslosigkeit geprägt sind. Jedes Fahrzeug wird zur Waffe, wenn jemand am Steuer sitzt, für den das Leben anderer Verkehrsteilnehmer wenig zählt. Umso mehr, wenn die Akteure regelrechte Geschosse unter dem Hintern haben. Selbst kommen die Täter meist mit kleineren Verletzungen davon. Denn sie suchen sich solche Gefährte aus, die mit Airbags und auf andere Weise für Crashs gerüstet sind.

          Dabei ist das auf diese Weise attackierte und verhöhnte Gemeinwesen gar nicht so hilflos, wie es den Anschein hat. Um diesem Missbrauch von Freiheiten wirksam begegnen zu können, muss der Druck auf die „Raser-Szene“ weiter erhöht werden. Allerdings reichen noch mehr Kontrollen offenbar nicht aus. Nötig ist vielmehr eine konzertierte Aktion von Polizei und weiterer Institutionen, denen es obliegt, für Sicherheit im Verkehr zu sorgen. Das vermutlich wirksamste Mittel gegen den Wahnsinn auf vier (oder mitunter auch zwei) Rädern wird sein, wenn als Konsequenz wesentlich früher als bisher der „Lappen weg“ ist.

          Das Verdikt, dass sich jemand als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen erweist, ist immer noch zu sehr auf Fahrten unter Alkohol- und Drogeneinfluss gerichtet. Mit mehr Sinn für die Realität muss vor allem auch die Justiz auf das blicken, was auf den Straßen geschieht. Es sind nicht nur die „illegalen Autorennen“, von denen große Gefahr ausgeht. Es sind ebenso Beschleunigungen unter echtem oder simulierten Motorengedröhne, die wie aus dem Nichts Angst und Schrecken verbreiten.

          Die Gerichte lassen sich zu oft von vermeintlicher Reue im Gerichtssaal beeindrucken oder versteigen sich in hochkomplexe Überlegungen, was in den Köpfen der Fahrer wohl vorgegangen sei mag, als sie mit mehr als 100 Stundenkilometern durch die Innenstadt rasten. Der bedingte Vorsatz, jemanden tödlich verletzen zu können, liegt auf der Hand. Das Wissen und Wollen, das Leben unbeteiligter Dritter für den eigenen Spaß zu opfern, ist viel öfter anzunehmen, als das Gerichte tun. Weil sie die dann zwangsläufige Verurteilung wegen Mordes scheuen.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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