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Autonomes Frauenhaus : Geprügelt wie ein Hund

  • -Aktualisiert am

Misshandelte Frauen finden Zuflucht im Autonomen Frauenhaus Bild: dpa

Misshandelte Frauen zu schützen – das ist das Ziel des Autonomen Frauenhauses. Dort lernen sie vor allem eines: neues Selbstbewusstsein zu entwickeln.

          3 Min.

          „Die Angst hat mich bei ihm gehalten“, sagt Eva S. mit fester Stimme. Sie nippt an ihrer Teetasse. Seit Weihnachten ist sie im Autonomen Frauenhaus in Frankfurt, dessen Adresse zum Schutz der Frauen geheim gehalten wird. Auch Eva S. will ihren richtigen Namen nicht nennen. Mehr als elf Jahre war sie mit ihrem Mann verheiratet. „Er hat mich immer wieder geschlagen und übelst beleidigt, einfach grundlos gedemütigt und erniedrigt. Ein Mal hat er mich angespuckt“, sagt sie nüchtern. Sie ist etwa 30 Jahre alt. Wenn ihm das Essen nicht geschmeckt habe, habe er ihr den Teller entgegengeworfen. Sogar mit Mord habe er ihr gedroht.

          „Solche Gewalterfahrungen haben die meisten der Frauen, die bei uns leben, gemacht“, sagt Madeleine Baumeister, die seit 2005 Beraterin im Autonomen Frauenhaus ist. Das Haus wird von dem Verein „Frauen helfen Frauen“ getragen, der sich aus Zuschüssen der Stadt, Mitteln des Bundes, Mieteinnahmen, Spenden und Stiftungsmitteln finanziert. 60 Plätze hat das Frauenhaus. Ein Zimmer in dem abgesicherten Gebäudekomplex kostet 14 Euro am Tag, welches die Frauen mit eigenem Einkommen selbst bezahlen. Ersatzweise übernimmt das Jobcenter die Kosten.

          Manchmal wird das Leben der Frauen vollständig kontrolliert

          Am erschütterndsten war für Baumeister, die Geschichte einer Hilfesuchenden, die sie vor einigen Jahren betreute: „Die Frau erzählte, dass sie, bevor sie ihrem Mann die Schuhe ausziehen musste, die Sohlen ablecken musste.“ Die psychischen Unterdrückungsmechanismen der Männer seien sehr perfide. Viele Frauen erzählten, dass diese eigentlich den nachhaltigsten Schaden hinterließen. Körperliche Verletzungen verschwänden nach einiger Zeit, Verletzungen des eigenen Selbstwertgefühls heilten nur äußerst langsam.

          „Oft versuchen die Männer das Leben der Frauen vollständig zu kontrollieren und sie von der Außenwelt zu isolieren“, sagt Baumeister. Manche müssten sich von ihrer eigenen Familie und Freunden abwenden und dürften nichts mehr alleine unternehmen.

          „Ich weiß jetzt, dass ich kein Hund mehr bin“

          Madeleine Baumeister erinnert sich an den Satz einer Frau, die das Frauenhaus nach längerem Aufenthalt verließ. Sie sagte: „Ich weiß jetzt, dass ich kein Hund mehr bin.“ Dass eine Frau wirklich gedacht habe, dass sie gerade einmal so viel Wert sei wie ein Hund, habe sie erschüttert. Umso beeindruckender sei es, dass die Frau dieses Denkmuster habe durchbrechen können und jetzt wisse, was sie wert sei. „Häusliche Gewalt ist kein Schichtphänomen“, sagt Baumeister. Frauen mit hohem Bildungsgrad und eigenem Einkommen seien genauso betroffen, wie Frauen mit einem anderen sozialen Hintergrund.

          „Mein Mann hat sich nach seinen Ausfällen für seine Schläge und Beleidigungen entschuldigt und für eine paar Tage beruhigt“, sagt Eva S. Danach habe er aber wieder sein altes Verhalten gezeigt. Solche Entwicklungen seien typisch für häusliche Gewalt, sagt Baumeister. Gewalt spiele sich in Zyklen ab. Manche Männer wollen nach ihrer Gewaltanwendung die Frauen zurückgewinnen. Das sei aber immer nur eine Phase.

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