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Autokino : „Das ist eine neue Kunstgattung“

Im Aufbau: Moritz Jaeschke und Jörg Schaub von der Wirtschaftsinitiative besichtigen die Baustelle vor der Jahrhunderthalle. Bild: Maximilian von Lachner

So ein Autokino ist doch von gestern? Im Prinzip ja. Doch der Kulturbühne an der Jahrhunderthalle in Frankfurt dient das alte Format nun als Vorbild.

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          Noch liegt der große Parkplatz rechts der Jahrhunderthalle in Frankfurt so verwaist wie an jedem Tag seit dem 13. März, als von einer Stunde auf die andere alle Veranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie untersagt waren. Von Freitag an soll sich das aber ändern, nimmt doch dann die Stage- Drive-Kulturbühne den Betrieb auf. Nach derzeitigem Stand bis Ende Juli, möglicherweise aber auch bis in den September hinein soll auf der Bühne ein reichhaltiges Kulturprogramm mit Comedy und Kabarett, Musik, Literatur und Film geboten werden.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Inspiriert ist die Stage-Drive-Kulturbühne von einer fast schon in den Dornröschenschlaf versunkenen, seit einigen Wochen aber wieder populär gewordenen Kulturstätte, dem Autokino. Wie dort vor die Leinwand werden die Besucher auf dem Parkplatz der Jahrhunderthalle vor eine links und rechts von jeweils 50 Quadratmeter großen LED-Screens flankierte Bühne fahren, auf der die Künstler live auftreten. Deren Darbietungen werden über eine eigene UKW-Frequenz auf die Autoradios übertragen.

          Neue Form des Live-Entertainments

          „Es ist eine neue Kunstgattung“, sagt Moritz Jaeschke, Geschäftsführer der Jahrhunderthalle, als er am Dienstag den Aufbau von Bühne und Leinwänden auf dem Parkplatz beobachtet: „Wir sind sehr auf die Premiere am Freitag gespannt, weil wir solch ein Format ja noch nie vorher ausprobiert haben. Urban Priol, der am Freitag und am Samstag auftritt, übrigens auch nicht.“ Wie der Kabarettist mit der Erfahrung umgehen wird, das Gelächter des Publikums in den Autos nicht zu hören, beschäftigt Jaeschke ebenso, wie er sich Gedanken über eine möglichst reibungslose Anfahrt der Besucher auf das Areal macht. „Hier sind wir dank der verschiedenen Parkbuchten vor der Halle gut aufgestellt“, ist er überzeugt: „Dort können wir die Fahrzeuge nach Größe sortieren und sie dann in der Stunde vor Vorstellungsbeginn auf die zugewiesenen Flächen auf dem Parkplatz leiten. Kleine Fahrzeuge kommen in die vorderen Reihen, die größeren Autos weiter nach hinten.“

          300 Fahrzeuge haben auf dem Gelände Platz, in jedem dürfen zwei Erwachsene sitzen, dazu außerdem bis zu drei Kinder unter 14 Jahren. Die Tickets für die Veranstaltungen werden ausschließlich online über die Website der Jahrhunderthalle (www.jahrhunderthalle.de) verkauft und gelten jeweils für das Fahrzeug. Essen und Getränke dürfen mitgebracht werden, können aber auch abgepackt an einem Verkaufsstand erworben werden. Außerhalb der Fahrzeuge ist für alle Besucher ein Mund- und Nasen-Schutz Pflicht, wie überhaupt die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln oberstes Gebot für diese Form des Live-Entertainments ist.

          „Wir agieren hier stets auf Sicht“, sagt Jaeschke, der bei der Organisation im engen Austausch sowohl mit dem Ordnungs- und dem Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt wie auch dem Wirtschaftsministerium in Wiesbaden stand. Unterstützung erfuhr er dabei von der Wirtschaftsinitiative Frankfurt/Rhein-Main, die sich sowohl als Ratgeber wie auch als Sponsor für die Stage-Drive-Kulturbühne starkgemacht hat. „Die Kultur ist einer der großen Standortfaktoren in der Region“, sagt Jörg Schaub, Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative: „Mit dem Stage-Drive-Angebot können wir der Kulturwirtschaft unter die Arme greifen, in der viele Menschen beschäftigt sind, die derzeit wegen Corona zur Untätigkeit verurteilt sind. Außerdem bietet sich die Bühne ja auch für Präsentationen von Firmen an.“

          Während über solche Präsentationen noch verhandelt wird, sind die Auftritte von Unterhaltern wie Nicolai Friedrich, Bülent Ceylan oder Michael Mittermaier sowie von Bands wie den Rodgau Monotones bereits gebucht. Das Programm wird ständig ergänzt und ist auf der Website der Jahrhunderthalle stets aktuell.

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