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Australier in Frankfurt : Bissig, gut gelaunt und hart im Nehmen

  • -Aktualisiert am

Ein Australier in Frankfurt: Chris Poppell spielt am liebsten Australian Football Bild: ©Helmut Fricke

Die Australier in Frankfurt freuen sich auf das Duell gegen Deutschland. Obwohl sie sonst lieber gegen das Ei als gegen den Ball treten.

          Noch ist viel zu wenig bekannt über das Sozialverhalten der Australier im Ostend. Dass sie meistens guter Dinge sind, bei der Annäherung aber dennoch Vorsicht geboten sei, berichten Experten. Die Aussies seien es gewohnt, auf engstem Raum zusammenzuleben, bissen aber manchmal zu. Widerstandsfähig seien sie, denn in ihrer Heimat trocknet ihr Lebensraum jeden Sommer aus. Im Frankfurter Zoo müssen sich die australischen Süßwasserkrokodile hingegen keine Sorgen um ihren Tümpel machen. Denn Rudolf Wicker, Leiter des Exotariums, lässt es den Einwanderern an nichts fehlen.

          Ohnehin ist es schwer, in Frankfurt einen Aussie zu treffen, der nicht fröhlich ist. Selbst Verletzungen bringen sie nicht aus dem Konzept. Chris Poppell muss derzeit seine rechte Hand verbinden, wenn er seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht, dem Australian Football, einer Mischung aus Rugby und Fußball. Er wohnt zwar in Offenbach, sorgt aber im Frankfurter Ostpark für sportliche Vielfalt. Als Co-Trainer zeigt der Sportstudent seinen deutschen Mitspielern, wie sie das aufblasbare Plastik-Ei richtig treten und den Gegner umrennen können, ohne selbst Blessuren davonzutragen. An die australische Härte müssen sie sich erst gewöhnen.

          Auch Generalkonsulin Nicola Nayne Watkinson ist fußballbegeistert

          Europäische Fußballer sind wiederum den Australiern suspekt. Vor allem jene, die sich beim leichtesten Körperkontakt vor Schmerzen auf dem Boden krümmen und den Schiedsrichter um Hilfe bitten. Schwalben, wie die des Italieners, die den Australiern den Sieg im Achtelfinale bei der WM 2006 kostete, haben diesen Eindruck noch verstärkt. Anders die Australier: Auch Poppells Kumpel Dan Williams trägt eine Bandage. Der Arzt riet ihm, mindestens zwei Wochen zu pausieren, wegen seines verletzten Knies. Für ihn heißt das, dass er nach einer Woche wieder auf dem Platz stehen wird.

          Am Sonntag wird er wie die meisten Australier Frankfurts, die ihr Dasein nicht im Zoo fristen, in der „Yours Australian Bar“ in der Schillerpassage sitzen. Auf zwei Leinwänden und mehr als zehn Flachbildschirmen werden die WM-Spiele übertragen, die Großraum-Kneipe mit Terrasse dürfte ungefähr groß genug sein, um alle Australier der Mainmetropole aufzunehmen. Die Australian Footballer werden da sein, der Stammtisch „Ozkonnekt“, der sich über Facebook organisiert und einmal im Monat in der Bar trifft, sicher auch. Selbst die Generalkonsulin Nicola Nayne Watkinson, der ihre Kollegen große Fußball-Begeisterung nachsagen, hat ihr Kommen angekündigt, ebenso die Netzwerker von „Australian Business In Europe“.

          Krokodilsteak zur Fußballübertragung

          Das Foster’s wird dann sicher auch im 1,5-Liter-Pitcher serviert. Dazu gibt es auf Wunsch Krokodil- oder Känguru-Steak und samstags zum Frühstück Pancakes, die im Ahornsirup ertrinken. Auch wenn Australien in Wahrheit nicht so ist, so stellt man es sich vor, schließlich zieht es auch die Aussies, die in Frankfurt wohnen, immer wieder in die australisch anmutende Kneipe. Wenn gerade ein Topspiel im Australian Football übertragen wird, kommt es schon mal vor, dass sie um 11 Uhr morgens an der Tür klopfen und um Einlass bitten.

          Manchmal öffnet dann ein Landsmann die Tür. Der Betreiber der Bar sei zwar kein Australier, aber immerhin zwei arbeiteten für ihn, sagt der italienische Barkeeper. Einer davon ist Nick Reynolds. In Frankfurt ist der 25 Jahre alte IT-Fachmann derzeit auf Arbeitssuche, verdient sein Geld als Kellner und rechnet nicht damit, während der WM einen freien Tag zu haben. Wie Poppell kann er sich vorstellen, länger in Frankfurt zu bleiben.

          Eine Niederlage wird der guten Laune der Australier wohl nicht schaden

          Darüber, wie lange Australien bei der WM bleiben wird, sind die Frankfurter vom fünften Kontinent aber geteilter Meinung. Bis zum Viertelfinale, tippen Konsulin Watkinson und Kellner Reynolds. Die harten Jungs aus dem Ostpark rechnen mit dem Achtelfinale. Dort, und darauf freuen sich die sportverrückten Männer am meisten, könnte der Bruder England warten. Klar scheint jedenfalls, denn so viel ist über das Sozialverhalten von Frankfurts Australiern bekannt, dass sie ihre gute Laune auch nach einer Niederlage nicht verlieren werden.

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