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Ausstellung in Frankfurt : Nach uns die Flut

Langsamer Verfall: Die Arbeiten Samoylovas beschäftigen sich mit der Transformation Miamis. Bild: Anastasia Samoylova

Zwischen pastellfarbenem Bauboom und bröckelnden Fassaden: Die Urlaubsmetropole Miami transformiert sich. Die Fotografin Anastasia Samoylova erschafft in der Galerie Peter Sillem ein Bild vor und nach dem Klimawandel.

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          Adam’s Hotel steht hier nicht mehr. Oder noch nicht, so leicht lässt sich das vor diesen Aufnahmen gar nicht entscheiden. Wie in Anastasia Samoylovas stärksten Bilder ohnehin stets offen bleibt, wohin die Fotografin den Blick des Betrachters lenkt: in die ferne Vergangenheit des amerikanischen Art Déco oder in die nahe Zukunft jener pastellfarbenen Metropole, die Miami heißt. Und die, geht es nach dem Willen des Gouverneurs von Florida, auch in 50 Jahren noch die Reichen, Schönen und Senioren in den sonnigen Süden der Vereinigten Staaten lockt. Das Wort „Klimawandel“ jedenfalls hat er für alle Fälle schon einmal verboten.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch ob das hilft, die Erderwärmung aufzuhalten? Miami Beach vor dem steigenden Meeresspiegel und der drohenden Versalzung, vor den verheerenden Tropenstürmen und dem buchstäblichen Versinken in sumpfigem Gelände zu retten? Samoylova, deren aktuelle Arbeiten in der Frankfurter Galerie Peter Sillem zu sehen sind, meldet mit „FloodZone“ schon mal Zweifel an. Dabei hält der Bauboom in Miami, wo die 1984 in Moskau geborene Künstlerin seit ein paar Jahren lebt, im Vertrauen auf das Kommende ganz offensichtlich an, denn es wachsen hier Hotels, dort weitere Apartmenthäuser aus dem Boden. Einerseits.

          Die Zeichen der Zeit

          Doch andererseits sieht man hier den rosafarbenen Asphalt aufplatzen, frisst sich dort der Schimmel höchst malerisch in den Beton und hebt es vor den eben erst bezogenen Blocks die Palmen aus ihren abgezirkelten Rabatten. Mag sein, im Grunde war die Stadt, wie man sie einmal kannte, immer schon Kulisse. Und, getaucht in die in den siebziger Jahren eigens aufgelegte Farbpalette „Miami Tropical“, vor allem eine schöne Illusion, weshalb man beinahe bewundern möchte, mit welcher Konsequenz die Stadt das Bild vom Tourismusparadies noch im allmählichen Versinken pflegt. Das Unkraut drängt, es bröckeln die Fassaden – in Miami kein Problem. Dann muss man das Bild der Urlaubsmetropole geradeso wie ehedem ganz einfach simulieren. Und hängt die Zeichen der Zeit mit potemkinschen Straßenzügen aus den Rechnern der Projektentwickler zu.

          Was Samoylovas Aufnahmen der vergangenen drei Jahre zeigen aber ist nicht hier Verfall und dort Prospekt. So einfach macht es sich die Künstlerin am Ende nicht. Es ist das Verschwinden der Wirklichkeit hinter den Bildern, die wir uns von ihr machen. Und die Pointe ist, sie werden bleiben. Sie allein, auch nach der großen Flut.

          Die Ausstellung in der Frankfurter Galerie Peter Sillem, Dreieichstraße 2, ist bis 23. August donnerstags bis samstags 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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