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Jacqueline Vogt (jv.)

Ausgehen in Corona-Zeiten : Erst die Party, dann der Müll

Ärgernis: Nach Partys unter freiem Himmel mitten in Frankfurt müssen Helfer viel achtlos liegen gelassenen Müll wegschaffen Bild: Helmut Fricke

In Zeiten der Corona-Krise herrscht nicht nur in Frankfurt auf öffentlichen Plätzen regelmäßig Feststimmung. Das Feiern kann man den Menschen nicht verbieten. Doch die Stadt muss sich überlegen, ob sie es regulieren will.

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          Weil auch in Frankfurt die Clubs und Diskotheken noch geschlossen sind, finden Partys unter freiem Himmel statt, unreguliert und unter Missachtung der Corona-Auflagen: Diese Ansicht, die in der Gastronomie nicht wenige vertreten, teilen viele, und vielleicht auch die Anwohner des Opernplatzes. Sie wünschen sich egal was, sorge es nur dafür, dass dort nachts wieder Ruhe herrsche.

          Doch die Hoffnung, auf dem Opernplatz werde es wie in Vor-Corona-Zeiten, wird sich so schnell wohl nicht erfüllen. Denn sind Orte als ideal identifiziert, um sich dort zu treffen, herumzustehen und herumzusitzen, zu reden und zu trinken, behalten sie ihre Anziehungskraft in der Regel erst einmal. Die Historie des Freitagabend-Geschehens im Nordend zeigt das, auch das Mainufer, ob in Sachsenhausen oder im Ostend.

          Auch unter der Woche Feststimmung

          Nun also auch der Opernplatz, die schön polierte Fläche im Herzen der City, die sonst nur dann regelrecht belagert wurde, wenn dort Feste stattfanden. In Zeiten der Corona-Krise ist dort jedes Wochenende und oft genug auch unter der Woche Feststimmung. Sollten die Ansammlungen als illegale Partys betrachtet und verboten werden? Im Beobachtungszeitraum, von dem diese Zeilen künden und der nebenstehende Bericht, haben sich dafür keine Hinweise ergeben. Ja, es stehen Gruppen beisammen. Ja, es sitzen Leute nebeneinander auf dem Rand des Luacae-Brunnens und auf der Einfassung zum Eingang der Alten Oper, aber Exzess ist so etwas noch lange nicht. Nach Lockdown und Homeoffice: Wer wollte es denen verdenken, die sich jetzt zeigen und gesehen werden wollen?

          Das Feiern kann man nicht verbieten. Ob sie es regulieren will, Plätze einhegen und nur für angemeldete Veranstaltungen freigeben – das muss sich die Stadt überlegen. Ein Baustein dabei wird vielleicht eine unschöne Nebenerscheinung des Ganzen sein: Wo die einen Spaß hatten, müssen später andere die Essensverpackungen und Glasscherben von den Wiesen und Plätzen klauben. Dieser Sommer, in dem viele nicht verreisen werden, die Stadt voll bleibt, wird ans Zusammenleben etliche Herausforderungen stellen. Im Grunde Selbstverständliches gehört dazu. Zum Beispiel, keinen Dreck zu hinterlassen. Für solche Müllsünden dürften die Bußgelder ruhig höher sein.

          Jacqueline Vogt
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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