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Ausbau hat begonnen : Mehr Stehplätze für das Waldstadion

Schwere Last: Der erste „Zahnbalken“ wird probehalber in Position gebracht. Bild: Tom Wesse

Bis zum Beginn der nächsten Saison wird das Waldstadion um 7500 Stehplätze erweitert. Die Arbeiten sind in vollem Gange. Fans sollen nach dem Umbau auch in der Nordwestkurve im Oberrang stehen können.

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          Unberührt liegt der laubfroschgrüne Rasen des Waldstadions in der Herbstsonne. Diese Fläche hat schon länger kein Fußballprofi mehr betreten, und das wird auch noch zweieinhalb Monate lang so bleiben. Denn während der Weltmeisterschaft im weit entfernten Wüstenstaat Qatar ruht der Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga. Daran schließt sich die Winterspielpause an, so dass der heilige Rasen erst Mitte Januar wieder von Stollenschuhen malträtiert wird.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Auszeit wollen die Stadt und Eintracht Frankfurt nutzen, um den Ausbau der Arena im Stadtwald voranzutreiben. Am Rand des grünen Rechtecks wurden darum Platten ausgelegt, die den Rasen schützen. Auf ihnen stehen zwei Autokräne, die ihre Auslager weit ausgefahren haben. Am Ende baumelt ein Zahnbalken, 15 Tonnen schwer, der probeweise in Position gebracht wird. Es ist nur ein Muster, die Szene wird für die Presse gestellt. Aber in den kommenden Tagen und Wochen sollen tatsächlich 54 solcher Elemente eingebaut werden.

          „Das Stadion wird nach innen erweitert“

          Sie tragen die zusätzlichen Stufen, mit deren Hilfe die Kapazität der Nordwestkurve um 1500 Sitz- beziehungsweise 7500 Stehplätze erweitert wird. Weil für internationale Spiele Sitzplätze vorgeschrieben sind, werden bislang im Unterrang Sitzschalen an- und abmontiert. Dieser umständliche Umbau wird zumindest in dem Abschnitt, der nun neu gestaltet wird, nicht nötig sein. Die Sitze lassen sich zusammenfalten und in den Trittstufen verstauen. Die Stuhllehne wird mit Hilfe einer Teleskopstange verlängert, so dass sie den stehenden Fans als Stütze und „Wellenbrecher“ dient.

          Die Vorstellung der Umbauarbeiten im Waldstadion durch den Sportdezernenten der Stadt Frankfurt, Mike Josef (SPD).
          Die Vorstellung der Umbauarbeiten im Waldstadion durch den Sportdezernenten der Stadt Frankfurt, Mike Josef (SPD). : Bild: Tom Wesse

          Durch den Ausbau wird das Stadion künftig fast 60.000 Besucher fassen können. Um Platz für weitere Fans zu schaffen, wird der Oberrang um einige Meter nach vorne verlängert. Auf einer Länge von 140 Metern werden die Logen, die sich bisher dort befinden, zurückgebaut. An ihre Stelle treten Treppenstufen, die weit nach vorne auskragen und sogar den Unterrang leicht überragen. Acht neue Toiletten, Kioske und fünf Treppenhäuser kommen hinzu. „Das Stadion wird nach innen erweitert“, erläutert Hans Joachim Paap vom Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner, das einst das Waldstadion entworfen hat und nun auch den Umbau betreut.

          Nordwestkurve: Mobile Kräne heben die einzelnen Spurenelemente an ihre vorgesehenen Plätze.
          Nordwestkurve: Mobile Kräne heben die einzelnen Spurenelemente an ihre vorgesehenen Plätze. : Bild: Tom Wesse

          Stadt finanziert Ausbau

          Das Fundament und die Stützen wurden schon in den vergangenen Monaten verstärkt, so dass nun auch die sichtbaren Arbeiten beginnen können. Bis zum Ende der Winterpause wird der Ausbau allerdings nicht abgeschlossen. Die Bauaufgabe wirkt zwar überschaubar, aber die Verbindungen der vorproduzierten Betonteile müssen zum Teil wochenlang abbinden und aushärten. Wegen des im Januar wieder einsetzenden Spielbetriebs können die Arbeiten nicht in einem Rutsch erledigt werden. Bis zum Beginn der nächsten Saison soll das Projekt aber fertig sein.

          Die Stadt finanziert als Eigentümer des Stadions den Ausbau. Wie viel er kostet, kann Sportdezernent Mike Josef (SPD) nicht prognostizieren, vor zwei Jahren, als die Baukosten noch deutlich niedriger lagen, war die Rede von zehn Millionen Euro. „Es ist eine gute Investition, von der die Frankfurter profitieren“, meint Josef. Denn es entstünden vor allem preiswerte Stehplätze.

          Zukünftig 1000 Karten kostenlos an Schulklassen, Sportverein und Jugendgruppen

          Der Vorstandssprecher Axel Hellmann verweist darauf, dass der Umbau für Eintracht Frankfurt zumindest kurzfristig wirtschaftlich nicht profitabel sei. Der Verein wolle sich aber gegen eine „Elitisierung“ des Fußballs einsetzen und die Teilhabe aller Menschen an den Sportereignissen ermöglichen. Auch deshalb will die Eintracht künftig 1000 Karten pro Spiel an Schulklassen, Sportvereine und Jugendgruppen verschenken. Außerdem steckt der Verein 30 Millionen Euro in den digitalen Ausbau des von ihm gemieteten Stadions.

          Ein neuer Videowürfel wurde schon installiert. Und bis zur Rückrunde soll das Flutlicht auf LED-Technik umgerüstet werden. So soll das Stadion im Wettbewerb der Arenen zu einem „Leuchtturm“ werden, sagt Hellmann. Die erfolgreichste Konzertarena Europas sei es schon heute.

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