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Ausbau des Nahverkehrs : Mehr Pendler, aber weniger Stadtverkehr

Immer mehr Menschen pendeln aus der Region nach Frankfurt: Ist der Ausbau des Nahverkehrs in der Region nötig? Bild: dpa

Frankfurt verlangt von den Umlandkommunen, das Bahn- und Busnetz auszubauen. In der Innenstadt beobachtet der Verkehrsdezernent derweil Überraschendes.

          Die Zahl der Autofahrer, die nach Frankfurt pendeln, hat von August 2017 bis August 2018 um 14.000 Personen auf 376.000 zugenommen. Dies hat die neueste Frankfurter Stadtrand-Zählung ergeben, die seit 30Jahren alle zwei Jahre abgehalten wird und gestern von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) vorgestellt wurde. Die Zahl der Auspendler, die von Frankfurt ins Umland fahren, stieg in diesem Zeitraum um etwa 3700 auf zuletzt knapp 100.000. Der Pendlerverkehr nimmt seit Jahren zu. Im Jahr 1998 lag die Zahl der Ein- und Auspendler noch bei 379.000, innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten stieg sie auf 494.000. Das bedeutete einen Zuwachs um etwa 30 Prozent.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ursache ist die wachsende Bevölkerung sowohl in Frankfurt wie im Umland. Allein in der Mainmetropole hat sich die Einwohnerschaft in den vergangenen beiden Jahren um etwa 17.000 Menschen vergrößert. Das entspricht der Größe einer Kleinstadt. Oesterling führt den scheinbar unaufhaltsamen Anstieg des die Stadtgrenze überschreitenden Pendlerverkehrs auf neue Wohn-, Büro- oder Gewerbegebiete am Stadtrand wie den Riedberg, das Mertonviertel und das Gewerbegebiet Rödelheim zurück. Zudem entstünden auch in den Umlandgemeinden neue Wohngebiete, und es steige die Zahl der Unternehmen, die Jobs anböten. Aus alldem folgt für Oesterling, dass der öffentliche Nahverkehr am Stadtrand sowie die Bus- und Bahnverbindungen zu den Nachbargemeinden ausgebaut werden müssen.

          Anfahren im Pulk: Der Radverkehr in Frankfurt hat stark zugenommen.

          Der Dezernent hofft darauf, dass in zwei Jahren mit dem Bau der Regionaltangente West begonnen werden kann. Auch für die Verlängerung der U-Bahn nach Bad Homburg sieht er nach dem positiven Bürgerentscheid gute Chancen. Angehen müsse man jetzt auch die Verlängerung der U7 über die Heerstraße hinaus in Richtung Steinbach. Auf Oesterlings Wunschliste steht ferner eine Straßenbahnverlängerung von der Friedberger Warte nach Bad Vilbel. Auch eine Straßenbahnverbindung von Oberrad nach Offenbach müsse kommen. Ferner solle Neu-Isenburg endlich eine Verlängerung der Straßenbahn durch die Stadt hindurch in Richtung Dreieich planen. „Diese Verbindungen muss man in den nächsten Jahren in Angriff nehmen“, verlangte Oesterling.

          Neue Möglichkeiten durch sinkenden Autoverkehr

          Es reiche nicht aus, wenn man den öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt ausbaue, er müsse auch im Umland besser werden. Leider sähen dies die Kommunalpolitiker und Stadtparlamente in manchen Gemeinden nicht so. Während der Pendlerverkehr zunehme, sinkt die Zahl der Autofahrer in der Frankfurter Innenstadt seit 20 Jahren kontinuierlich. Wurden 1988 noch 307.000 Autos innerhalb des Alleenrings registriert, sind es jetzt 213.000. Das stellt einen Rückgang um etwa 30 Prozent dar. Oesterling sagte, viele Frankfurter hätten ihm bisher nicht geglaubt, wenn er von einem Rückgang des Autoverkehrs etwa auf dem Cityring berichtet habe. Nun lägen neue Zahlen vor, die diese Entwicklung bestätigten.

          Da in der Innenstadt immer weniger Autos unterwegs seien, ist der Dezernent optimistisch, dass sich die bevorstehende Sperrung des nördlichen Mainufers zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke bewähren werde. Das von der Koalition von CDU, SPD und Grünen vereinbarte Vorhaben soll noch in diesem Jahr verwirklicht werden. Oesterling erklärt sich den Rückgang des Autoverkehrs in der City mit dem starken Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs dort. Die Ausweisung von Fußgängerzonen etwa auf der Freßgass’, an der Hauptwache oder auf dem Römerberg sei nur wegen des sinkenden Autoaufkommens möglich geworden. Auch der Radverkehr habe seinen Teil zur Entlastung beigetragen.

          Deutlich gestiegen ist denn auch die Zahl der Radler. Innerhalb des vom Alleenring und dem Main begrenzten Gebiets der Innenstadt wurden bei der Zählung von 2018 innerhalb von acht Stunden etwa mehr als 45.000 Radler registriert. Vor 20 Jahren waren dagegen lediglich 8000 Radfahrer gezählt worden. Von 2004 bis 2006 ging die Kurve steil nach oben, nämlich von 12.000 auf 24.000. Danach stagnierte die Entwicklung bis 2010. Seither nimmt der Radverkehr wieder deutlich zu. Wie hoch der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr ist, wird zurzeit in einer neuen Untersuchung berechnet. Die Zahlen über den prozentualen Anteil des Auto- und Radverkehrs sowie der Busse und Bahnen liegen noch nicht vor. Oesterling schätzt, dass der Anteil der Radfahrer von 17 auf etwa 20 Prozent gestiegen ist.

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