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Tat aus Eifersucht : Auf Schwangere eingeschlagen: Bewährungsstrafe

Urteil: Ein Mann, der seine schwangere ehemalige Freundin geschlagen hat, hat eine Bewährungsstrafe bekommen (Symbolbild). Bild: dpa

Elf Monate Haft auf Bewährung hat ein Mittvierziger bekommen, der auf seine schwangere frühere Freundin eingeschlagen hat. Dazu hat ihm das Frankfurter Gericht noch einen klaren Auftrag erteilt.

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          Die Stimme der Frau, die auf der Notrufaufnahme zu hören ist, klingt angsterfüllt, sie ist schrill, panisch. Sie sagt, dass ihr ehemaliger Mann sie überfallen habe, gerade eben vor der Haustür, dass er ihr aufgelauert habe, und jetzt sei ihre Hose ganz nass. Sie sei schwanger und habe Angst, dass ihre Fruchtblase geplatzt sei. Der Polizist am anderen Ende der Leitung versucht sie zu beruhigen. „Wir kommen“, sagt er mehrmals zu ihr, „ja, wir kommen“.

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch fünf Monate nachdem diese Aufnahme entstanden ist, sind der Frau die Spuren jener Nacht anzumerken. Die Dreiundvierzigjährige sitzt im Zeugenstuhl am Amtsgericht, den Blick in Richtung des Angeklagten vermeidet sie. „Ich habe furchtbare Angst vor diesem Mann, obwohl er in Untersuchungshaft sitzt. Und Angst hatte ich schon lange vorher“, sagt sie.

          Annäherungsverbot beantragt

          Der Angeklagte, 43 Jahre alt, ehemaliger Lebensgefährte der Frau und Vater eines gemeinsamen Kindes, ist nicht vorbestraft. In Kontakt mit der Justiz ist er aber gekommen, als er nach der Trennung die Wohnung monatelang nicht verlassen wollte. Die Frau beantragte schließlich ein Annäherungsverbot, woraufhin ein Familiengericht eine sechsmonatige Gewaltschutzanordnung beschloss. Dennoch berichtet die Frau von Drohanrufen und Beleidigungen. Schon während der Beziehung der beiden habe es Streit gegeben. „Das Problem war immer seine Eifersucht“, sagt sie, „dass er dachte, ich hätte andere Männer.“

          In jener Nacht im Juni 2019 schließlich sei sie gerade von der Arbeit in ihrem Restaurant nach Hause gekommen, als der Angeklagte aus einem Gebüsch gesprungen sei. Ohne ein Wort zu sagen, sei er auf sie zugestürmt und habe mit einem länglichen Gegenstand in der Faust auf ihren Bauch geschlagen. Als sie zu Boden ging, habe er mehrmals nach ihr getreten. Nicht besonders fest, aber dennoch. Dann habe er abgelassen, sei ein paar Schritte weggegangen, dann wieder umgekehrt und habe ihr die Handtasche vom Arm gerissen. In Todesangst nässte sich die Frau ein, sie glaubte deswegen kurz nach der Tat, dass ihr die Fruchtblase geplatzt sei.

          Keine Verletzungen davongetragen

          Dem Kind, so bestätigten es Ärzte in den Tagen danach, passierte nichts. Auch die Frau trug keine Verletzungen davon. Ein Befund, der trotz des geschilderten Angriffs möglich sei, urteilte die Rechtsmedizin. Doch die Verteidigung geht von einer ganz anderen Erklärung dafür aus: dass es den Angriff nie gegeben hat. Der Angeklagte lässt über seinen Rechtsanwalt mitteilen, er habe sich weder im Gebüsch versteckt noch sei er gewalttätig gewesen. Er habe nur mit seiner Ex-Partnerin sprechen wollen, damit diese ihm am nahenden vierten Geburtstag des Sohnes mehr Zeit mit dem Kind einräume. Als sie dies abgelehnt habe, habe er noch ein anderes Thema angesprochen. Es sei um 8000 Euro gegangen, die er von seinem Bruder aus Pakistan erbeten habe, damit die Frau ihr Restaurant eröffnen könne. Doch sie habe ihm entgegnet, dass er an das Geld nicht herankommen werde. Wenn er sie nicht in Ruhe lasse, werde sie dafür sorgen, dass er nach Pakistan abgeschoben werde. Dass die Frau von ihrem neuen Partner im sechsten Monat schwanger war, habe er nicht gewusst.

          Doch seine Version der Ereignisse glaubt das Gericht nicht. Zumal die Frau in jener Nacht so laut um Hilfe rief, dass zwei Anwohnerinnen wach wurden und die Polizei riefen. Beide sagen aus, wie erschreckend und echt die Rufe geklungen hätten. Auch eine Polizistin berichtet, wie aufgelöst die Frau gewesen sei und dass ihre Hose nass gewesen sei. Dem Antrag der Verteidigung auf Freispruch folgt das Gericht deshalb nicht. „Träfe Ihre Begründung zu“, sagt der Richter, „hätte die Geschädigte all das in einem Plan minutiös fungieren müssen und sogar die Raffinesse besessen haben, sich selbst einzunässen. Das vermag das Gericht nicht zu glauben.“ Es verurteilt den Angeklagten zu elf Monaten Haft auf Bewährung mit der Auflage, sich der Frau und der Wohnung drei Jahre lang nicht zu nähern.

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