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Auf der Reeperbahn : Entführer Thomas Wolf in Hamburg gefasst

Nach Thomas Wolf wurde Mitte Mai im Rhein-Main-Gebiet gesucht - jetzt wurde er in Hamburg festgenommen Bild:

Seine Flucht dauerte genau 62 Tage. Sie führte von Wiesbaden in den Taunus, dann nach Berlin, München, Bremen und Harpstedt im Landkreis Oldenburg. Nun ist der international gesuchte Bankräuber und Entführer Thomas Wolf in Hamburg auf der Reeperbahn gefasst worden.

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          Seine Flucht dauerte genau 62 Tage. Sie führte von Wiesbaden in den Taunus, dann nach Berlin, München, Bremen und Harpstedt im Landkreis Oldenburg. Nun ist der international gesuchte Bankräuber und Entführer Thomas Wolf in Hamburg gefasst worden. Ein Passant, der Wolfs Gesicht von einem Fahndungsplakat her kannte, hatte ihn am Donnerstagabend auf offener Straße auf der Reeperbahn wiedererkannt. Die Flucht des Mannes, der vor zwei Monaten die Frau eines leitenden Bankangestellten aus Wiesbaden entführt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst hatte, ist endgültig vorbei.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der 56 Jahre alte Düsseldorfer gilt seit Jahren schon als einer der am dringendsten gesuchten Gewalttäter Deutschlands. Als Jugendlicher hatte er seine kriminelle Karriere mit Fahrraddiebstahl begonnen. Schließlich wurden die Delikte immer schwerwiegender, bis er im März 1990 eine Bank überfiel. Er wurde zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

          Flucht mit 1,8 Millionen Euro

          Die Zeit zwischen 1991 und 2000 verbrachte er in unterschiedlichen Haftanstalten - bis er um die Jahreswende 1999/2000 von einem Hafturlaub in der Justizvollzugsanstalt Moers/Kapellen nicht mehr wiederkam. Kurz nach dieser Flucht raubte er im April 2000 eine Bank in Hamburg-Altona aus. Im April 2003 schlug er im niederländischen Eindhoven zu und ging auf die gleiche Art und Weise vor wie in Hamburg: Er bastelte eine Bomben-Attrappe und drohte, das Gebäude in die Luft zu sprengen.

          Danach wurde es ruhig um Thomas Wolf - bis er am 27. März dieses Jahres die Wiesbadenerin entführte. In einem beispiellosen Katz-und-Maus-Spiel lotste er den Ehemann seines Opfers quer durch das Rhein-Main-Gebiet. Schließlich gelang Wolf, der, wie sich im Nachhinein herausstellte, zuvor acht Jahre lang unter dem Namen David van Dijk in Frankfurt gelebt hatte, mit den 1,8 Millionen Lösegeld sogar die Flucht.

          Die Polizei setzte auf Öffentlichkeit

          Mehrfach war die Frankfurter Polizei, die die Ermittlungen übernommen hatte, dem Gewalttäter dicht auf den Fersen. Sie fanden heraus, dass er sich in München ein Fahrrad gekauft hatte und in Berlin eine Wohnung mieten wollte, was jedoch scheiterte. Die vielversprechendste Spur war der Fund des Fluchtwagens Anfang Mai in einem Waldstück bei Harpstedt. Aber auch dort konnte Wolf entkommen. Die Polizei setzte von Anfang an auf die Öffentlichkeit. Schließlich gab sie sogar ermittlungstaktische Details heraus - was sonst nicht üblich ist.

          So wurde etwa bekannt, dass Wolf oft schwimmen ging und Kraftsport trieb. Und dass er gerne Kneipen besuchte. Auch eine Tonprobe gab die Polizei heraus - darauf zu hören waren Ausschnitte aus privaten Videoaufnahmen von Wolf. Die Polizei machte immer wieder deutlich, dass die Fahndung in der Öffentlichkeit die besten Chancen bietet, um den Täter zu fassen. Diese Annahme hat sich nun bestätigt.

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