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Frankfurter Verlagsschau : Die Zeit für den Schulterschluss ist gekommen

Verleger und Veranstalter: Axel Dielmann, Anya Schutzbach und Silvio Mohr-Schaaff (von links). Bild: Frank Röth

Anderswo verkaufen Verlage ihre Bücher schon länger direkt an das Publikum. An diesem Wochenende gibt es die erfolgreiche Idee auch in Frankfurt – auf der Verkaufsmesse „069“.

          Siebzehn aus Frankfurt, acht aus Zürich, Göttingen und Berlin. Im Großen Saal fünfzehn, zehn im Panorama-Saal. Verlage aus Frankfurt und den anderen Städten bunt durcheinander gemischt. So soll sie aussehen, die Verkaufsmesse „069“, auf der Frankfurts Buchbranche am Wochenende zeigt, was sie hervorbringt. Eröffnet wird die Schau in der Evangelischen Akademie auf dem Römerberg an diesem Samstag um 11 Uhr, an beiden Tagen des Wochenendes gibt es bis jeweils 17 Uhr Gelegenheit, Bücher an den Tischen der einzelnen Aussteller zur Hand zu nehmen, über sie mit ihren kundigen Verlegern hinter dem Tresen zu sprechen und sie zu kaufen.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          An der Bar des Großen Saals gibt es zwischen Kauf und Plaudern Kaffee und Kuchen sowie Snacks, Wein und Sekt. „Das gehört zusammen“, sagt Weissbooks-Verlegerin Anya Schutzbach, die zu den Organisatoren der Schau gehört. Auf der Empore über der Bar berichten einzelne Verleger zur vollen Stunde über ihre Arbeit, stellen Lieblingsbücher vor und beantworten Fragen. Denn auch darum geht es: um den Zugang des Publikums zu den Machern des Kulturguts, an dem es festhält. Das ist schließlich nicht selbstverständlich in Zeichen des Buchkäuferschwunds. Da gehören Zusammenhalt und Treue durch die direkte Begegnung gestärkt: „Die Menschen sollen fragen, auch an den Tischen. Man kommt leicht ins Gespräch.“

          Fruchtbare Zusammenarbeit

          Schutzbach kennt das von vergleichbaren Messen, deren Zahl seit Jahren rapide zunimmt. In der Region hat die Mainzer „Minipressenmesse“ eine lange Tradition, die „Kasselbuch“ in Hessens Norden gibt es erst seit vorigem Jahr. Sie wird wie die Verlagsschauen in München und Stuttgart von einem Literaturhaus veranstaltet. Dass die Verlage selbst die Sache anpacken, ist die Ausnahme. Vermutlich deswegen hat es in Frankfurt auch eine Zeitlang gedauert. Jahrelang war die Schau Thema der vom städtischen Kulturamt regelmäßig abgehaltenen Verlegergespräche. Aber nie ging es vorwärts, weil niemand wusste, wer wo am besten ansetzen sollte.

          Bis ein kleiner Kreis die Sache vorigen November beherzt anging und den Verein „Pro Libris Frankfurt“ gründete, einen Zusammenschluss fast aller Frankfurter Verlage, der die Schau nun organisiert. Bislang eine ermutigende Erfahrung. „Ich genieße es, wie wir zusammenarbeiten“, sagt Axel Dielmann, Leiter des Dielmann-Verlags und wie Schutzbach für zwei Jahre Vereinsvorstand: „Eine neue Erfahrung.“

          Den Besuchern mehr bieten

          Knapp 200 Verlage gibt es nach Zählungen des Börsenvereins in Hessen, 56 von ihnen in Frankfurt. Nicht alle sind bei „069“ dabei, nicht jeder hat sich beworben, ein Kuratorium hat zusätzlich ausgewählt, um für Vielfalt zu sorgen, den Kreis im ersten Jahr nicht zu groß werden zu lassen und für das nächste Mal noch etwas zum Rotieren übrig zu haben. Belletristik, Sachbücher, Kinderbücher, Ratgeber, Reisebücher und Regionaltitel – es soll für jeden Passendes und Überraschendes dabei sein.

          Um den Besuchern noch mehr zu bieten, haben die Teilnehmer aus Frankfurt Verlage von weiter weg vorschlagen dürfen, die bei Kritik und Publikum beliebt sind und erfahrungsgemäß auch auf Verkaufsmessen gut ankommen, von Wallstein über Guggolz bis zu Matthes & Seitz. Zwar konkurriere man durchaus, sagt Schutzbach: „Aber die Zeiten sind so, dass der Schulterschluss wichtiger ist.“ Alle unabhängigen Verlage müssten schließlich kreative Lösungen finden, um den Stürmen zu trotzen, die derzeit über sie kämen, ergänzt Dielmann. Jeder könne unverschuldet in Insolvenznähe geraten: „Es kann dauernd etwas passieren, dem wir nicht standhalten können, weil wir keinen Speck auf den Rippen haben.“

          Kaum Kritik aus den Buchhandlungen

          Weil das so ist und sie bei einem Jahresumsatz von rund 250.000 Euro jeden Cent mehrfach umdrehen muss, macht Schutzbach Weissbooks demnächst auch zu einem Imprint des Zürcher Unionsverlags. Ihre erste, von ihr maßgeblich mit vorangetriebene Frankfurter Verlagsschau ist daher vermutlich auch ihre letzte. Trotzdem hält sie noch immer viel vom Gründen und Verlegen in Frankfurt. Weil er das ähnlich sieht, unterstützt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), der die Messe eröffnet, das auf 35.000 Euro veranschlagte Budget der Veranstalter mit einem hohen Betrag.

          Um Geld geht es auch, wenn es gilt, das Verhältnis zum Buchhandel zu bedenken. Schließlich wird auf Messen wie der „069“ an ihm vorbei verkauft. Aus Frankfurter Buchhandlungen haben die Organisatoren allerdings kaum Kritik gehört. Aller Erfahrung nach wirke sich das Veranstalten einer solchen Schau spätestens im zweiten oder dritten Jahr auch positiv auf den stationären Buchhandel aus, sagt Silvio Mohr-Schaaff, Vertriebs- und Marketingleiter der Büchergilde Gutenberg: „Viele unterstützen uns daher mit Plakaten und Flyern.“

          Für die beiden Messetage hoffen er und seine Kollegen auf viele Besucher. So wie bei Schutzbachs erstem Einsatz auf der „Buchlust“ in Hannover, einem weiteren Klassiker der Szene: „Die Menschen standen eine Viertelstunde vorher vor der Tür, mit leeren Tüten und Jutetaschen.“ Sie sind auch in Frankfurt mitzubringen. Neben Bargeld und EC-Karte.

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