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Datenflut wegen Coronakrise : Gelassenheit in Rechenzentren

Keine Sorgen: Technisch ist der hohe Datenverkehr während der Coronakrise gut zu stemmen (Symbolbild). Bild: dpa

Die Coronakrise lässt den Datenverkehr rasch anwachsen. Doch in den Rechenzentren der Mainmetropole gibt man sich zuversichtlich: Technisch ist das bisher alles ohne weiteres zu stemmen.

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          Die einen arbeiten anders, die anderen spielen mehr – das lässt sich aus dem Wochenrückblick ablesen, den der Betreiber des weltweit verkehrsstärksten Internetknotens De-Cix in Frankfurt am Mittwoch vorgelegt hat. Demnach ist die Menge der Daten, die zwischen den vielen Netzen, aus denen das Internet besteht, ausgetauscht werden, in der vergangenen Woche um zehn Prozent gestiegen. Deutlich mehr Verkehr im Netz habe der Umstieg vieler Firmen auf Videokonferenzen ausgelöst. Die Nachfrage bei Anbietern wie Skype, Teams und WebEx sei um die Hälfte hochgegangen, berichtet De-Cix. Die Nachfrage bei Online-Spieleanbietern wiederum sei allein seit Freitag um 25 Prozent gestiegen, und auch der Datenverkehr auf den Plattformen der sozialen Medien erreiche ungekannte Höhen. Der Telekommunikationskonzern Telefonica (O2, Blau) registrierte jüngst eine Verfünffachung der Botschaften, die über Dienste wie Whatsapp verschickt werden.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ohne Frankfurt würde das alles nicht funktionieren. Denn in der Stadt am Main stehen überdurchschnittlich viele Rechenzentren, in denen auch die Infrastruktur von Telekommunikationsanbietern und von großen Cloudbetreibern wie Amazon, Microsoft und Google sowie Filmlieferanten wie Netflix untergebracht ist. Bei ihnen darf jetzt genauso wenig schiefgehen wie bei den Stromerzeugern und in den Wasserwerken, genau wie diese fallen große Rechenzentren unter die kritische Infrastruktur, von deren Funktionieren die Gesellschaft in besonderem Maße abhängt.

          Möglichst wenig Begegnungen

          Dementsprechend sind auch bei den Betreibern sogenannter Colocation-Rechenzentren, in denen die Server vieler verschiedener Unternehmen stehen, Notfallpläne angelaufen, wird die Gesundheit der Mitarbeiter auf besondere Weise geschützt. „Wir haben etliche Anpassungen vorgenommen“, berichtet Volker Ludwig, Marketing- und Verkaufschef von E-Shelter, dem Betreiber großer Rechenzentren in Frankfurt-Rödelheim und anderswo in Rhein-Main. So seien die Mitarbeiter weitgehend zur Arbeit nach Hause geschickt worden, für Sicherheits- und Servicepersonal habe man neue Schichtpläne erstellt, so dass sie sich bei der Dienstübergabe nicht mehr begegneten. Arbeitsplätze, die sich nicht auslagern ließen, seien weit auseinander gelegt worden.

          „Außerdem nehmen wir nur noch kritische Wartungen vor, Wände streichen wir jetzt natürlich keine“, sagt Ludwig. Gleiches gelte für die Kunden, auch sie schickten ihre Techniker nur dann ins Gebäude, wenn es wirklich nötig sei. Ähnlich verfährt Globalswitch, dessen größtes Frankfurter Rechenzentrum als Nachbar von E-Shelter ebenfalls in Rödelheim steht. Auch bei Interxion, das am Frankfurter Osthafen eine Reihe von Rechenzentren betreibt, bereitet man die Arbeitspläne für alle denkbaren Fälle vor.

          Keine Sorgen um die Kapazitätsgrenze

          Für die Technik an sich sieht Ludwig bisher keine Probleme. „Ich sehe momentan keine Gefahr, dass das Internet kollabieren könnte.“ Nicht ausgeschlossen sei natürlich, dass einzelne Anbieter einmal Probleme auf ihren Plattformen hätten, so wie es beispielsweise am Montag bei Microsoft mit dem Kommunikationsdienst Teams geschehen ist. Echte Kapazitätsgrenzen fürchtet Ludwig nicht, weder bei der Stromversorgung noch in der eigenen Infrastruktur. Auch dass Kunden jetzt die von ihnen bestellte Internetbandbreite erhöhen wollen und weitere Netzverbindungen schalten lassen, bringt ihn nicht aus der Ruhe. „In der Colocation-Branche sind schätzungsweise 50 bis 60 Prozent der installierten Kapazitäten genutzt. Das heißt, alle hätten noch Platz“, bestätigt Bela Waldhauser, Chef der Telehouse Deutschland GmbH mit Sitz im Gallus und zugleich einer der Köpfe der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen.

          Auch vom Betreiber des Internetknotens De-Cix, dessen Schaltstellen unter anderem in den genannten Rechenzentren stehen, ist nichts anderes zu hören. Wobei man die Ereignisse dort durchaus staunend wahrnimmt. In der Vergangenheit wuchs der Datendurchsatz um 20 bis 30 Prozent im Jahr, jetzt waren es zehn Prozent in nur einer Woche. Technisch immerhin sei das machbar: „Wir bauen unsere Kapazitäten weiter aus, sobald 63 Prozent der vorhandenen Kapazitäten erreicht werden“, sagt der Technikchef des Unternehmens, Thomas King.

          „Kapazitäten teilweise mehr als verdoppelt“

          Mehr als ein Drittel Infrastruktur wird also immer vorgehalten, um Ausfälle an einem Ort abfangen zu können oder eben auf Spitzen wie am Dienstag vergangener Woche zu reagieren, als der Datenverkehr den Spitzenwert von 9,1 Terabit pro Sekunde erreichte. Es ging also jede Sekunde der Inhalt von zwei Milliarden Textseiten durch die Schnittstellen der einzelnen Teile des Internets. Am Dienstagabend dieser Woche waren es immerhin 8,75 Terabit.

          Auf diese Ansprüche muss sich nicht nur der De-Cix einstellen. „Neben unserem Netz für die Internetknoten müssen die Kunden ihre Kapazitäten in ihrem Netz auch ausbauen“, erläutert King. Die Bestellungen der De-Cix-Kunden gehen reihenweise ein, so gut wie jeder wolle jetzt die Datenkapazität erhöhen, die er durch die Schnittstellen um die Welt leiten kann. Weltweit sei der Bedarf seit Anfang März um 20 Prozent gestiegen. „Wir sehen die Erhöhung der Kapazitäten besonders bei den weltweit agierenden großen Internet- und Contentprovidern. Die Kapazitäten werden hier teilweise mehr als verdoppelt.“

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