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Astronomie : Kosmische Krümel unterm Mikroskop

Frank Brenker mikroskopiert Material von „Wild 2”

Frank Brenker mikroskopiert Material von „Wild 2” Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Der Frankfurter Geologe Frank Brenker erforscht Kometenstaub aus dem Schweif von „Wild 2“. Die Nasa hatte die Proben mit der „Stardust“-Sonde aus dem All mitgebracht.

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          Der Sternenstaub kam wie eine Versandhauslieferung nach Frankfurt, im Fed-Ex-Paket, versichert zu 15 Dollar. Da wurde um die Proben vom Mond, die Frank Brenkers Doktorvater untersuchen durfte, seinerzeit doch etwas mehr Aufhebens gemacht: „Die hat man mit Polizei-Eskorte durch die Gegend gefahren“, erzählt Brenker. Es zeugt aber nicht von Leichtsinn, daß die Nasa mit dem Material, das die „Stardust“-Sonde aus dem All mitgebracht hat, derart sorglos umgeht. Die Ausbeute der Mission war so reichlich, daß es nach Brenkers Worten „kein Weltuntergang“ wäre, sollte mal einer der in Glasschaum festgehaltenen Partikel verlorengehen.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was nicht heißen soll, daß der Geologe mit dem Staub vom Kometen „Wild 2“ umspringt wie mit irgendeinem Kiesel aus dem Taunus. Es ist schon etwas Besonderes, zu den Forschern zu gehören, die die kosmischen Krümel auf ihre Zusammensetzung untersuchen dürfen. Kometenmaterie kann viel über die Entstehung des Sonnensystems verraten.

          Woraus genau die Schweifsterne bestehen, das gilt es nun herauszufinden. Brenker weiß, wie man kleinste Gesteinsteilchen analysiert, ohne sie zu beschädigen. Das hat er in Köln gelernt, bevor er ans Institut für Mineralogie der Goethe-Universität wechselte. Als er von dem „Stardust“Unternehmen erfuhr, wandte er sich an die Nasa und bot seine Dienste an. Der Projektleiter ließ sich die Methode schildern, Brenker schickte ihm einen Aufsatz, und schon hieß es: Willkommen im Team.

          Staubkörner beschießen

          Eine Lieferung hat er dieser Tage aus Amerika bekommen, eine zweite ist nach Frankfurt unterwegs. Erst einmal betrachtet Brenker die Kometenbrösel unterm Lichtmikroskop, was auch interessant ist, aber in erster Linie dazu dient, die eigentlichen Untersuchungen vorzubereiten. Die werden am Synchrotron in Grenoble vorgenommen, wo Brenker und Kollegen Meßzeit gebucht haben.

          Der riesige Elektronenbeschleuniger kann Röntgenstrahlung erzeugen, die sich sehr fein bündeln läßt. Damit werden die Staubkörner beschossen, deren Elektronen dann ihrerseits Röntgenstrahlung aussenden. Anhand ihrer Wellenlänge kann der Wissenschaftler erkennen, welche chemischen Elemente die Probe enthält. Vor allem Silizium und Sauerstoff, aber auch Magnesium, Eisen und Nickel dürften darin zu finden sein - ähnlich waren Partikel zusammengesetzt, die auf der Erde gefunden wurden und von denen man vermutet, daß sie aus Kometen stammen.

          Nach fünf Monaten wollen die Forscher, die Staub von „Wild 2“ bekommen haben, ihre Ergebnisse zusammentragen und veröffentlichen. Brenkers Karriere dürfte das „Stardust“-Projekt weiter befördern: Der Neununddreißigjährige ist Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und hofft darauf, bald eine Professur zu bekommen. Doch jetzt steht erst einmal Grenoble an. Am Sonntag fliegt er hin, die Proben wird er mitnehmen. Ohne großen Aufwand, einfach im Handgepäck.

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