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Religion und Kunst : Mit Geleiere zum Glück

Frankfurter Weltkünstler: Thomas Bayrle Bild: dpa

Der Weltkünstler Thomas Bayrle kam einst als protestantisches Kind in ein katholisches Dorf. Und war fasziniert von den Ritualen, vor allem vom Rosenkranzgebet und den Litaneien, dem „Geleiere“.

          Kunst und Kirche: Das ging über Jahrhunderte so gut zusammen, dass die eine ohne die andere gar nicht denkbar war. Heute fremdeln beide eher miteinander. Kunstkenner unter den Würdenträgern sind rar, aber es gibt auf Seiten der Künstler immerhin einige, die eine starke Neigung gerade zum katholischen Glauben, seinen Riten und seiner Ästhetik verspüren. Beim diesjährigen Aschermittwoch der Künstler des Bistums Limburg hat Thomas Bayrle ein besonders schönes Zeugnis davon abgelegt, wie Religion in die künstlerische Arbeit hineinspielen und sogar ein wesentliches Element davon bilden kann.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Gespräch mit der praktischen Theologin Viera Pirker im Haus am Dom erläuterte der Frankfurter Weltkünstler, der auf allen großen internationalen Ausstellungen wie der Biennale in Venedig oder der Kasseler Documenta regelmäßig mit raumgreifenden Arbeiten vertreten ist, seine doch recht intensive Beziehung zur Religion.

          In Schwarz gekleidete Frauen

          Und den frappierenden Zusammenhang zwischen den Formen der katholischen Frömmigkeit und seinen seriellen, von der Wiederholung immer gleicher Motive lebenden Arbeiten. Der 1937 in Berlin geborene, 1940 mit seinen Eltern ins hessische Oberndorf bei Gelnhausen gelangte, durch und durch der Moderne verpflichteter Maler, Grafiker, Bildhauer, Video-, Objekt- und Installationskünstler hat in dem Dorf entscheidende Prägungen erfahren.

          Der Protestant war fasziniert von den katholischen Ritualen, vor allem vom Rosenkranzgebet und den Litaneien, dem „Geleiere“, wie er sagt. Es habe die ganz in Schwarz gekleideten Frauen, die zu diesem Zweck zusammenkamen, offenbar glücklich gemacht. Er selbst sei seither stets in Messen und Andachten gegangen, weil ihn das gleichsam Maschinenhafte der Gebete und Rituale stets erfreut und gestärkt habe.

          Zeichen der Endlichkeit: Bischof Bätzing spendet das Aschenkreuz.

          Nach dem Künstlergespräch feierten der Limburger Bischof Georg Bätzing und mehrere Konzelebranten ein Pontifikalamt im übervollen St. Bartholomäus-Dom. In seiner Predigt erinnerte das Oberhaupt der Diözese daran, dass die bei der anschließenden Spendung des Aschenkreuzes verwendeten Worte die letzten waren, die Gott an Adam bei der Vertreibung aus dem Paradies richtete: „Gedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst.“

          Dass der gläubige Katholik sich dies antue, sei erstaunlich. Das habe wohl damit zu tun, dass er trotz der Endlichkeit, mit der er hier konfrontiert werde, alles mit einer gewissen Leichtigkeit hinnehmen könne, da er auf die Gnade Gottes vertraue. „Fastenzeit ist Bedenkzeit“, sagte Bätzing. Aber Ostern sei nicht gar zu fern: Dann gehe es um Auferstehung und die Erweckung der Toten.

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